Die Lange Straße 9 hat einen neuen Besitzer: Die Per Invest GmbH sieht riesiges Potenzial in Stuttgart. Mit an Bord: internationale Großanleger.
Das Gebäude Lange Straße 9 in der Stuttgarter Innenstadt hat einen neuen Besitzer. Die Per Invest GmbH hat die sechsstöckige Immobilie zwischen Kronprinz- und Calwer Straße erworben. Die zur Verfügung stehenden rund 3000 Quadratmeter sind vermietet. Der aktuelle Nutzungsmix besteht unter anderem aus Gastronomie, Büros, Einzelhandel, Praxisflächen und Wohnen. Zum Beispiel sind die Vo Bar, das Maredo oder die Ergo-Versicherung dort zu finden. Verkäufer des Objekts war ein institutioneller Investor. Über den Namen und den Kaufpreis für das Gebäude wurde Stillschweigen vereinbart.
Wer steckt hinter Per Invest und was passiert nun mit der Lange Straße 9? Das Unternehmen wurde im Jahr 2020 von Kazim und Deniz Per gegründet – als Kompetenzbüro für Immobilienwertschöpfung. Deniz ist 30 Jahre alt und war viele Jahre bei einem Autohersteller beschäftigt. Aber mit Corona und den Folgen der Pandemie ging bei ihm auch der Spaß bei der Arbeit etwas verloren. Durch das Homeoffice traf man sich nur noch online mit den Kolleginnen und Kollegen. „Der persönliche Austausch ist wichtig. Davon lebt ein junger Kerle, wie ich es einer war“, sagt Deniz Per.
Zu dieser Zeit hatte sein Vater Kazim in der Immobilienbranche schon Fuß gefasst. „Er hat immer schon Altbausanierung im kleineren Stil betrieben“, sagt Deniz Per. Die beiden taten sich zusammen und los ging es. „Ich habe schnell Gefallen an den neuen Herausforderungen der Selbstständigkeit gefunden“, betont der junge Firmenchef. „Wir hatten dann auch eine Glückssträhne und sind an tolle Immobilien und Investoren gekommen.“ Der Fokus lag auf internationalen, institutionellen und privaten Klienten – kleinere und mittelständische Anleger, die auch aus dem Ausland kommen dürfen.
Fünf bis zehn Investoren habe man aktuell an der Hand, die zwischen fünf und 50 Millionen Euro zur Verfügung haben. Fußball-Profis seien dabei, wie auch Menschen aus der Türkei, Tschechien, Abu Dhabi und Singapur. Aber die erworbenen Immobilien werden nicht ausschließlich für Investoren gesucht. Die Lange Straße 9 wird zum Beispiel im Perschen Familienbesitz bleiben. „Wir haben sehr großes Vertrauen in diese Stadt. Und wir sehen das große Potenzial, das es in Stuttgart gibt“, sagt Deniz Per. „Kapitalanlagen lohnen sich in dieser Stadt. Unsere Investitionen sind nicht aus romantischen Gründen getätigt, sondern weil sie auch wirtschaftlich auf vernünftigen Prämissen basieren.“
Familienbetriebe bevorzugt
Nichtsdestotrotz möchte der auf den Fildern geborene Deniz Per auch seinen Beitrag leisten, um Stuttgart und dessen Innenstadt zukunftsfähig und noch attraktiver zu machen. An der Lange Straße sind derzeit keine großen Maßnahmen geplant. „Das Gebäude ist gut gepflegt, die Mieter sind alle schon lange dabei.“ Sobald es zu einem Wechsel komme, werde man nachhaltige und umweltschonende Umbaumaßnahmen tätigen. „Bei Nachvermietungen haben wir grundsätzlich einen Qualitätsanspruch“, betont Deniz Per. Nicht derjenige, der am meisten Miete bezahle, bekomme auch automatisch den Zuschlag. „Wir bevorzugen Familienbetriebe und einen guten Mix, der zum Gebäude und zur Umgebung passt.“ So handhabe man das zum Beispiel auch an der Calwer Straße 31.
2021 hatte Per Invest dieses Gebäude gekauft und dort selbst Büroräume bezogen. Alles laufe grundsätzlich super. Nur im ersten Obergeschoss gebe es Probleme. Dort, wo bis Ende 2019 das Brauhaus Calwer Eck als Kult-Kneipe beheimatet war, stehen die knapp 480 Quadratmeter plus Nebenräume immer noch leer. Ein Problem, das es häufiger in Stuttgart gibt. „Wir sind gerade dabei, den vierten Anlauf für die Nachvermietung zu starten“, sagt Deniz Per.
Zuletzt sprang die britische Steakhouse-Kette Miller & Carter ab, die im September 2024 für den Standort gewonnen werden konnte. Rund ein Jahr später lag allerdings immer noch keine Genehmigung der Stadt Stuttgart vor, um eröffnen zu können. „Daraufhin machte das Unternehmen von seinem vertraglichen Rücktrittsrecht Gebrauch und kündigte den Mietvertrag“, sagt Deniz Per. „Es ist bereits der dritte Betreiber, der aufgibt, bevor er überhaupt eröffnen konnte.“
Kritik an Genehmigungsprozessen in Stuttgart hört man öfter, wenn man sich in der Landeshauptstadt bei Einzelhändlern, Investoren, Eigentümern und Mietern umhört. Stuttgart könne es sich nicht leisten, engagierte Investoren und Betreiber durch Verwaltungsstillstand zu verlieren, haben Kazim und Deniz Per an den Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper geschrieben. Man wolle auf keinen Fall stänkern, brauche aber Hilfe und wolle dazu beitragen, dass sich die Situation in Stuttgart verbessere.
Wirtschaftsförderung in Stuttgart bietet einen neuen Service an
Bei der Stadt Stuttgart ist der Appell angekommen. Die Wirtschaftsförderung und OB Nopper haben nun die sogenannten Startergespräche ins Leben gerufen. Die Wirtschaftsförderung und die Stabsstelle Wohnen bieten ab sofort individuelle Beratung und Hilfe bei Projekten an. „Jeder ist willkommen“, betont der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, Torsten von Appen. Das heißt, wer ein Bauvorhaben plant, kann den neuen Service nutzen, egal, ob man schon vor ein paar Monaten einen Antrag bei der Stadt eingereicht hat oder es in naher Zukunft noch vorhat. Die Größe der Investition ist dabei nicht ausschlaggebend.
Bei gewerblichen Anfragen wird man unter www.stuttgart.de/startergespraeche-gewerbebau fündig. Derzeit sind noch zahlreiche Ersttermine zu haben, die schon Anfang März telefonisch stattfinden können. Falls nötig, können im Anschluss weitere Gesprächstermine folgen. Und zwar immer mit demselben Ansprechpartner bei der Wirtschaftsförderung, der den Prozess von Anfang bis Ende begleitet. „Immer wieder heißt es, dass Investoren sagen, dass sie von der Stadt nichts hören“, sagt von Appen. „Das muss sich ändern.“