Büroräume sind in Stuttgart sehr knapp Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Quote von leerstehenden Büroflächen ist mit 3,8 Prozent in der Landeshauptstadt niedriger als in anderen Topstandorten der Republik. Die Anleger wechseln sich bei Bestandsimmobilien ab.

Stuttgart - Büros sind in Stuttgart momentan knapp. So knapp, dass beispielsweise 250 Arbeitsplätze nicht auf einen Schlag in einem Gebäude in der Innenstadt angesiedelt werden könnten. Das meinen zumindest die Experten für Gewerbeimmobilien von Colliers International Stuttgart. Die Leerstandsquote, die im ersten Halbjahr erneut auf jetzt 3,8 Prozent sank, ist ein Ausdruck dieser Lage. Das ist die niedrigste Quote aller sieben Top-Gewerbestandorte in Deutschland. Die Spanne geht weiter über 4,3 Prozent (Berlin) und 4,4 Prozent (München) bis zu 11,8 Prozent (Frankfurt/Main).

Im ersten Halbjahr 2015 wurden in Stuttgart 146 800 Quadratmeter umgesetzt. Das bedeutet stattliche 27 Prozent mehr. Der Bürovermietungsmarkt sei „in guter Verfassung“, sagen die Makler.

Fast die Hälfte des Flächenumsatzes kam durch Großabschlüsse zustande. Allein schon etwa 30 000 Quadratmeter gingen auf die Robert Bosch GmbH für ein eigengenutztes Projekt in der Borsigstraße in Feuerbach zurück. Bosch hat sich seit 2011 stark auf dem Markt bedient, zuletzt auch im Zeppelin-Carré am Hauptbahnhof. Da merke man, dass es sich um den größten Zulieferer für die Automobilindustrie überhaupt handle, sagen die Colliers-Experten.

Dass die Bürovermietung in Stuttgart – anders als der Flächenumsatz – ein wenig rückläufig war, hängt mit der hohen Quote der Eigennutzung zusammen.

Die durchschnittliche Büromiete liegt bei 12,20 Euro pro Quadratmeter, die Spitzenmiete relativ stabil bei 21 Euro. Da dürfe sich ruhig noch ein wenig tun, meinte Geschäftsführer Michael Bräutigam, denn durch hohe Energiestandards seien die Herstellungskosten von Neubauten hoch. Und zur Produktion von neuen Flächen könne man bei der jetzigen Marktlage ermuntern.

Beim Investment in Immobilien sei in Stuttgart ein „fulminantes erstes Halbjahr“ zu verzeichnen, meinen die Makler. Mit gut 640 Millionen Euro habe das erfasste Volumen den bereits überdurchschnittlich hohen Vorjahreswert übertroffen. Dabei ist noch nicht der Sondereffekt enthalten, dass die Deutsche Annington von der Patrizia AG den ehemaligen Bestand der LBBW-Immobilien erwarb. Der Anteil der Wohnungen in Stuttgart wird mit etwa 650 Millionen beziffert. Für die Mieter bestehe das Risiko von Mieterhöhungen, urteilte Frank Leukhardt, Geschäftsführer von Colliers International Stuttgart. Denn die Käuferin könnte versuchen, durch höhere Mieteinnahmen eine Wertsteigerung ihres Portfolios und eine bessere Performance zu erzielen.

Eine namhafte Transaktion war 2015 der Verkauf des Zeppelin-Carrés für über 160 Millionen Euro. Es wechselte von einem Fonds der Goldman-Sachs-Bank zu einem offenen Immobilienfonds von Deka. Der Investmentmarkt sei geprägt durch wenige Projektentwicklungen und einen entsprechend starken Handel von Bestandsobjekten, heißt es. Getrieben werde das von der Zinssituation. Anleger hätte keine Alternative. Fremdkapital sei aber auch günstig. Bei Bestandsobjekten wirkten die Banken bereitwillig an der Finanzierung mit.

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