Das Delphi Arthaus Kino in der Tübinger Straße in Stuttgart-Mitte. Foto: dpa

Im vergangenen Jahr brachen die Besucherzahlen deutscher Kinos um 14 Prozent ein, das Ergebnis ist das schlechteste seit 1992. Auch Stuttgarter Kinos sind von der Branchenkrise betroffen.

Stuttgart - Die Kinobranche leidet unter einem starken Rückgang der Besucherzahlen. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 105,4 Millionen Kinobesucher gezählt, was einem Minus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahresergebnis entspricht. 2017 haben noch 122,3 Millionen Menschen für einen Film im Kino bezahlt. Die Zahlen sind laut der Filmförderungsanstalt die schlechtesten seit 1992. Damals waren 105,9 Millionen Kinokarten verkauft worden.

Stuttgarter Kinos bleiben nicht verschont

Peter Erasmus, Geschäftsführer der Arthaus Filmtheater Stuttgart GmbH, die die beiden Innenstadtkinos Delphi Arthaus Kino und Atelier am Bollwerk, betreibt, sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, seine Kinos hätten acht Prozent weniger Besucher zu verzeichnen. „Wenn es die kleinen Kinos schon so hart trifft, muss der Verlust bei den großen Kinoketten um einiges höher ausgefallen sein“, so Erasmus. Der Kinobetreiber vermutet hinter den rückgängigen Besucherzahlen einerseits den Rekordsommer 2018, andererseits hätte auch die Fußballweltmeisterschaft in Russland für Einbußen gesorgt. Zudem hätte dem Kinojahr 2018 die großen Blockbuster gefehlt, analysiert Erasmus. „Die Mehrzahl der gezeigten Filme haben den Geschmack des Publikums einfach nicht getroffen“, so der Geschäftsführer.

Schon viele Höhen und Tiefen erlebt

Der Einfluss der Streamingdienste auf das Verhalten der Kinogänger und den möglicherweise damit verbundenen Rückgang der Besucherzahlen sieht Erasmus gelassen: „In meinen 41 Jahren im Kinogeschäft habe ich schon viele Höhen und Tiefen mitgemacht. Schon als die VHS-Kassetten auf den Markt kamen, prophezeiten einige Branchenexperten das Aussterben der Kinohäuser, genauso war es bei den DVDs und den Blu-Rays. Wie man sieht, hat die Kinobranche die technischen Innovationen überdauert.“

Ein Kinogang sei mit einem sozialen Event gleichzusetzen, findet Erasmus. „Die Leute treffen sich und sehen sich zusammen einen Film an. Anschließend diskutiert man noch über das Gesehene, wie die schauspielerische Leistung oder die Entwicklung der Handlungsstränge. Wenn ich mir daheim alleine auf dem Sofa einen Film bei einem Streamingdienst ansehe, habe ich dieses gemeinschaftliche Erlebnis nicht. Einen Film im Kino zu sehen schafft einfach eine ganz andere Atmosphäre.“

Bohemian Rhapsody nach wie vor sehr beliebt

Seit Ende Dezember würden wieder mehr Menschen seine beiden Stuttgarter Kinos besuchen, sagt Erasmus. „Momentan laufen ‚Der Junge muss an die frische Luft‘ und ‚The Favorite‘ sehr gut. Am besten läuft allerdings immer noch ‚Bohemian Rhapsody‘. Dieser Film ist ein wahrer Publikumsmagnet, die Leute lieben ihn.“ Die Filmbiografie von Regisseur Bryan Singer erzählt die Geschichte der Rockband Queen und ihres Jahrhundertsängers Freddie Mercury. Der Film ist für fünf Oscars nominiert und läuft seit dem 31. Oktober 2018 in den deutschen Kinos.

Die gute Nachricht für Liebhaber der Lichtspielhäuser: Zum ersten Mal seit 14 Jahren ist kein Anstieg der Eintrittspreise zu verzeichnen. Eine Kinokarte kostete im vergangenen Jahr durchschnittlich 8,54 Euro, 2017 waren es noch 8,63 Euro.

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