Großer Reichtum, der nach politischem Einfluss drängt – dafür steht Elon Musk beispielhaft. Foto: dpa/Allison Robbert

In Deutschland gibt es inzwischen 130 Milliardäre, ihr Vermögen beläuft sich auf 625 Milliarden Euro. Eine Debatte über eine Beteiligung der Superreichen an den großen Zukunftsaufgaben wäre gesellschaftlich wichtig, kommentiert unser Autor.

Rechtzeitig vor dem Wirtschaftsforum in Davos hat die Hilfsorganisation Oxfam eine Studie vorgelegt, die ausweist, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Milliardäre weltweit um 204 auf nun 2769 zugenommen hat. In Deutschland kamen 9 Superreiche hinzu. Der exklusive Club der deutschen Milliardäre hat jetzt 130 Mitglieder. Ihr Gesamtvermögen liegt bei rund 625 Milliarden Euro.

 

Eine sehr erfolgreiche neoliberale Propaganda hat uns seit vielen Jahren eingeredet, dass es unmoralisch sei, darüber zu reden. Schließlich handele es sich doch nur um Neiddebatten, getrieben von einer gehässigen Leistungsfeindlichkeit, und Leistung müsse sich doch lohnen. Welche Leistung eigentlich? Weltweit stammt etwas über ein Drittel der Vermögen der ganz Reichen aus Erbschaften. In Deutschland liegt dieser Anteil laut Oxfam bei 71 Prozent.

Zahlen stellen einige Diskussionen vom Kopf auf die Füße

Die Zahlen stellen einige Diskussionen hierzulande vom Kopf auf die Füße. Es gibt Parteien und Politiker, die den Bürgern einreden wollen, dass es zu viele Hilfen für Menschen gibt, die keine Arbeit haben oder wenig verdienen. Also runter mit dem Bürgergeld, bloß nicht übertreiben mit Mindestlohn und Mietenbremsen.

Die Oxfam-Zahlen zeigen, dass die Verteilungsdebatten nicht horizontal geführt werden dürfen, als Konkurrenzkämpfe zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen oder Einheimischen und Migranten. Gesellschaftlich entscheidender ist, endlich eine Diskussion zu beginnen über die gerechte Beteiligung der ganz hohen Vermögen an den großen Zukunftsaufgaben des Landes.

Unverhältnismäßiger Reichtum greift nach politischer Macht

Die faire Beteiligung der Superreichen ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Es ist auch eine Frage der Stabilität demokratischer Gesellschaften. Das Beispiel der USA zeigt, dass unverhältnismäßiger Reichtum auch nach politischer Macht greift. Das kann die vermeintlich stabilsten Demokratien erschüttern.