Ältere Arbeitslose haben es besonders schwer. Obwohl sie nicht weniger leistungsfähig sind als jüngere, stellen viele Arbeitgeber sie nicht ein Foto: dpa

Unternehmen und Verbände klagen lautstark über ihre Nöte, ihre Stellen zu besetzen. Doch die Bereitschaft, auf ältere Arbeitslose zurückzugreifen, bleibt gering - trotz des beklagten Fachkräftemangels.

Unternehmen und Verbände klagen lautstark über ihre Nöte, ihre Stellen zu besetzen. Doch die Bereitschaft, auf ältere Arbeitslose zurückzugreifen, bleibt gering - trotz des beklagten Fachkräftemangels.

Stuttgart - Experten kritisieren, dass sich die Chancen für ältere Arbeitslose, wieder einen Job zu finden, in den vergangenen Jahren nicht verbessert haben. Einer wachsenden Zahl immer länger arbeitender Älterer steht eine große Gruppe Arbeitsloser über 50 gegenüber. „Für ältere Arbeitslose haben sich die Chancen auf eine Einstellung in Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht spürbar verändert“, sagt Matthias Knuth, Arbeitsmarktforscher am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) unserer Zeitung. Trotz des propagierten Fachkräftemangels zeigten sich Arbeitgeber oft unflexibel. „Sie halten an ihren Anforderungen für zukünftige Arbeitnehmer fest und gehen wenig Kompromisse ein“, sagt Knuth.

Im August waren in Baden-Württemberg fast 80 000 Menschen über 50 Jahre ohne Job. Das entspricht einem Drittel aller Arbeitslosen. Im Jahr 2009 lag der Anteil noch bei einem Viertel. Bei Arbeitslosen über 55 Jahren beträgt der Anteil an allen Arbeitslosen im August 21 Prozent.

Die tatsächliche Arbeitslosigkeit älterer Menschen dürfte eher noch höher sein als in der amtlichen Statistik ausgewiesen, denn seit 2008 gelten Personen über 58 nicht mehr als arbeitslos, wenn sie länger als ein Jahr Harzt IV beziehen und keine sozialversicherungspflichtige Stelle angeboten bekommen haben. Allein in Baden-Württemberg gehören dieser Gruppe mehr als 10 000 Menschen an. Auch wer auf Geheiß der Arbeitsagentur Fortbildungskurse absolviert, gilt nicht als arbeitslos. Andererseits wird die Zahl älterer Arbeitsloser etwas in die Höhe getrieben, weil sie durch das steigende Renteneintrittsalter erst später Altersbezüge bekommen und damit länger als bisher in der Arbeitslosenstatistik geführt werden. Dennoch sei es „für Ältere schwieriger als für Jüngere, Arbeitslosigkeit zu beenden“.

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