Das 13-stöckige Haus wurde nach Pfarrer Immanuel Grözinger benannt, der von 1946 bis 1964 Leiter der Stadtmission bei der Evangelischen Gesellschaft gewesen ist. Foto: Bernd Zeyer

Am Freitag ist der 50. Geburtstag des Immanuel-Grözinger-Hauses (IGH) gefeiert worden. Nach wie vor ist die Einrichtung ein wichtiger Baustein bei der Betreuung von Männern, die in eine soziale Schieflage geraten sind.

Rot - Der Finger Gottes am Rande der Landeshauptstadt“, so hatte der Architekt das Immanuel-Grözinger-Haus (IGH) bei dessen Einweihung bezeichnet. Das rund 50 Meter hohe Gebäude war am damaligen Stuttgarter Stadtrand als Männerwohnheim gebaut worden. In ihm sollten Männer, die bislang in Bunkern am Pragsattel und am Raitelsberg hatten hausen müssen, zumindest vorübergehend eine neue Bleibe finden. Fünf Jahrzehnte später ermahnt das Hochhaus die Gesellschaft immer noch, Menschen mit sozialen Schwierigkeiten nicht den Rücken zuzukehren, sondern sich um sie zu kümmern.

„In der Vorstadt, der wilden Vorstadt, da steht ein großes Haus. In dem Hochhaus, dem hohen Hochhaus, gehen Männer ein und aus“, sang der IGH-Chor „kaTAStrophe“ am Freitag zu Beginn der Jubiläumsfeier. Wie viele Männer in den vergangenen 50 Jahren tatsächlich an der Böckinger Straße 5 ein- und ausgegangen sind, lässt sich kaum mehr herausfinden. Fakt ist, dass die Einrichtung stets ausgelastet war und auch aktuell alle der 144 Zimmer belegt sind. Betreiber ist die Evangelische Gesellschaft (Eva), von der Vorstandsmitglied Jürgen Armbruster zur Jubiläumsfeier gekommen war. Die Geschichte des Hauses, so erläuterte er, sei sehr eindrucksvoll und reflektiere die Geschichte der Eva. Der Umgang mit sozialer Not und Obdachlosigkeit spiele für die Eva nach wie vor eine übergeordnete Rolle. Für manche der Bewohner sei das IGH nur eine kurzzeitige Unterkunft, für andere das Sprungbrett ins selbstständige Wohnen, und nicht wenige fänden dort für längere Zeit eine neue Heimat. Armbruster lobte das vielfältige Angebot, welches das Haus mit seinem angegliederten Garten biete, und blickte in die Zukunft: Mittelfristig müsste das Gebäude vor allem aus Brandschutzgründen sicherer gemacht werden. Doch auch die gerade einmal elf Quadratmeter großen Zimmer entsprächen nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Deshalb müsse Ersatz her, die Gespräche mit der Stadt und der SWSG liefen momentan. Eines ist für Armbruster klar: „Die Menschen sollten mitten unter uns leben“, also nicht ausgegrenzt werden.

Die Zukunft der Einrichtung ist ungewiss

Das betonte auch der Hausleiter Axel Glühmann. Er sprach von einem „Standortvorteil“, den es in Rot gebe. Das Haus und seine Bewohner seien im Stadtteil integriert und akzeptiert. Zwar wäre das Gebäude immer wieder instand gesetzt worden, durch defekte Rohre und Leitungen gebe es aber regelmäßig Wasserschäden, die den Betrieb beeinträchtigten. Zudem würden die behördlichen Auflagen immer weiter wachsen. Deshalb stelle die Zukunft der Einrichtung eine große Herausforderung dar. Glühmann erläuterte, dass für Langzeitbewohner ein Neubau an der Böckinger Straße mit 64 Plätzen im Gespräch sei, Teilzeitbewohner und ambulante Betreuung könnten in kleinere Häuser ausgelagert werden. Eines steht für Glühmann fest: „Wir wollen im Stadtteil bleiben.“

Ähnlich äußerte sich Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer. Das IGH sei weithin sichtbar, ebenso wie die Lebenswelten der Bewohner. Man müsse beides nicht verstecken. Die Einrichtung sei ein wichtiger Ort für wichtige Menschen mit vielfältigen Bedürfnissen. Es könne jedem passieren, in eine soziale Schieflage zu geraten. Auch künftig, das stellte Fezer klar, werde die Stadtverwaltung das IGH sehr intensiv begleiten und unterstützen.

Zum Schluss des offiziellen Teils der Feier kam auch ein Bewohner, der 52-jährige Detlef Börstler, kurz zu Wort. Er brachte seine Meinung direkt auf den Punkt: „Ich bin sehr dankbar. Das IGH ist eine sehr wichtige Anlaufstelle und für mich nicht mehr wegzudenken. Mehr brauche ich gar nicht sagen.“

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