Die Süddeutsche Imkergenossenschaft mit Sitz in Göppingen hat immer weniger Mitglieder und meldet Insolvenz an. Die Asiatische Hornisse wird zum massiven Problem.
Schon seit 1961 gibt es die Süddeutsche Imkergenossenschaft, doch jetzt droht das Aus. Das Traditionsunternehmen mit Sitz in Göppingen im Gewerbepark Voralb hat beim Amtsgericht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Die geschäftsführende Vorständin Sabine Wagner hofft dennoch, dass es weitergeht und betont: „Wir suchen jemanden, der es weiterführt.“ Ob es so weit kommt, ist unklar. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Olaf Spiekermann bestellt, der sich jetzt erst einmal einen Überblick verschafft, wie eine Sprecherin mitteilt. Die Genossenschaft hat noch einen Standort in Leidersdorf in der Oberpfalz, ein weiterer bei München wurde bereits zum Jahresende geschlossen.
Branche in der Krise: Die Zahl der Imker sinkt
Für Wagner ist jedenfalls klar: „Die ganze Imkereibranche ist gerade in der Krise.“ Die Genossenschaft vertreibt sowohl den eigenen Honig ihrer derzeit rund 700 Mitglieder als auch Imkereibedarf. Noch 2023 waren es mehr als 1000 Anteilseigner, „doch es werden immer weniger Imker“, sagt Wagner. Die Älteren hören auf, was zur Folge hat, dass es auch viel gebrauchtes Material für die Imkerei auf dem Markt gibt, was schlecht fürs Geschäft der Genossenschaft ist. Die Probleme der Branche sind laut Wagner vielfältig, dabei ist die Varroamilbe, die Bienenvölker befällt, noch die kleinste Sorge: „Die Milben sind natürlich ein Problem, aber das kriegt man eigentlich in den Griff.“
Ein größeres Thema sei Billig-Konkurrenz: „Natürlich wird immer Honig gekauft“, sagt sie, fügt aber an: „Aus der Ukraine kommt der Honig zollfrei und überschwemmt den Markt.“ Zu Preisen, mit denen hiesige Imker nicht mithalten könnten. Doch das allergrößte Problem, das die ganze Branche umtreibe, seien die Asiatischen Hornissen: Die invasive Art breite sich in Baden-Württemberg rasant von West nach Ost aus und sei eine ernsthafte Gefahr, berichtet die Vorständin, die selbst 80 Bienenvölker hat: In einem Nest der Hornissenart lebten mehrere hundert Tiere, die sich über Wildbienen und Honigbienen hermachten. Seien die ersten Honigbienen getötet worden, trauten sich die anderen nicht mehr aus ihrem Stock und verhungerten.
Große Reproduktionsrate ist problematisch
Besonders problematisch sei die große Reproduktionsrate dieser invasiven Art, die aus Südostasien stammt und sich seit 2014 auch in Baden-Württemberg stark ausbreitet. Pro Nest könnten am Ende 300 Jungköniginnen schlüpfen, die alle wiederum ab März eigene sogenannte Embryonalnester bauen, aus denen schließlich Primärnester entstehen, in denen im Mai/Juni die ersten Arbeiterinnen schlüpfen. Die beginnen dann im Sommer damit, in Bäumen in meistens mehr als zehn Meter Höhe die eigentlichen Nester – die sogenannten Sekundärnester – zu bauen. Und die haben es in sich: „Nestgrößen von einem Meter Höhe und 50 bis 80 Zentimeter Breite sind keine Seltenheit“, heißt es auf der Homepage der Landesanstalt für Umwelt. „Das Volk kann im Frühherbst auf eine Größe von bis zu 2000 Tieren anwachsen.“ Und weiter: „Im Spätsommer und Frühherbst können Honigbienen einen Großteil der Nahrung darstellen.“ Bald entstehen also die kleinen Embryonalnester, die laut Wagner in Form und Farbe an eine Eiswaffel erinnern und meist auf Augenhöhe an geschützten Plätzen oder in Schuppen und Gartenhütten gebaut werden. Diese zu entfernen, sei extrem wichtig, betont Wagner: „Mit jeder Königin, die man jetzt fängt, verhindert man ein neues Volk.“ Ansonsten breitet sich die Art weiter rasant aus: „Man sagt, auf ein Nest folgen zehn neue.“ Und das könnte das Ende der Imkerei bedeuten, sagt die Vorständin der Genossenschaft.
Karte und Meldeformular für die Asiatische Hornisse
Nester
Laut der Landesanstalt für Umwelt hat sich die Zahl der aus Baden-Württemberg gemeldeten Nester von 2024 bis 2025 mehr als verdoppelt – auf insgesamt 3249. Aus dem Kreis Göppingen gab es bislang zwei Meldungen: Aus Adelberg und Baiereck. Jeweils mehrere einzelne gesichtete Tiere gab es demnach in Ebersbach und Faurndau, eine Meldung kam sogar aus dem weiter östlich gelegenen Geislingen.
Karte
Sichtungen von Asiatischen Hornissen oder deren Nestern werden vom Landesamt auf einer Karte veröffentlicht: tinyurl.com/hornissenkarte. Auf dieser Seite können auch Sichtungen gemeldet werden, dazu gibt es ein Formular. Zwingend muss bei einer Meldung zur Verifizierung ein Foto des Tiers oder des Nests hochgeladen werden. Die Arbeiterinnen sind 1,7 bis 2,4 Zentimeter groß, Königinnen bis 3 Zentimeter. Die Tiere haben schwarz-gelbe Beine und einen orangefarbenen Hinterleib und sind etwas kleiner als die schwarz-gelben heimischen Hornissen.