Am Donnerstag will Heinz Rapp an diesem Stand die letzte Currywurst über den Tresen reichen. Foto: Caroline Holowiecki

Seit 30 Jahren verkauft der Imbissbetreiber Heinz Rapp in Stuttgart-Vaihingen seine berühmte Currywurst Extra. Am 25. Juni ist dort sein letzter Arbeitstag. Fans müssen aber nicht darben.

S-Vaihingen - 30 Jahre Currywurst, und Heinz Rapp hat noch lang nicht genug davon. „Überhaupt nicht. Das ist mein Lieblingsprodukt, und das wird auch so bleiben“, sagt er und schwärmt vom, so sagt er, liebsten Kantinenessen der Deutschen. Pommes mit Currywurst, darüber geht für Heinz Rapp nichts. Kein Wunder, betreibt er doch einen Imbiss. Der Name ist Programm: Curryteria.

Die Bude ist in Vaihingen Kult. Mit ihrem hellblauen Anstrich und der Coca-Cola-Werbung auf dem Dach wirkt die kleine Snackbar rustikal. „So eine Konzession, wie ich sie habe, kriegt man kaum noch“, sagt der Betreiber. Für die Currywurst Extra mit Zwiebeln, Chili, Gurken, Senf, Ketchup, Mayo und Heinz Rapps eigener Schaschliksoße kommen Fastfood-Fans offenbar sogar aus Degerloch oder Waldenbuch. Die Stammkunden kennt der Chef beim Namen. Verständlich, so lang wie er schon hinterm Tresen steht. Im April waren es genau drei Jahrzehnte. Das Jubiläumsplakat hängt immer noch neben der Durchreiche.

Mit 66 Jahren wolle er etwas anderes machen

Doch jetzt ist Schluss. Die Curryteria an der Robert-Koch-Straße schließt. Am 25. Juni hat Heinz Rapp seinen letzten Arbeitstag zwischen Fritteuse und Grill. „Ich gehe raus“, sagt er mit fester Stimme. Mit seinem Entschluss hat der Echterdinger augenscheinlich seinen Frieden gemacht. 66 sei er, und jetzt wolle er aufhören und etwas anderes machen. Reisen, etwa nach Südtirol. Auch das Wetter setze ihm zunehmend zu. Es sei immer häufiger zu heiß oder zu windig zum Arbeiten. „Ich habe mich morgens in der Dusche gefragt: Heinz, wie lang willsch noch?“

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Es gibt noch andere Gründe für Heinz Rapps Abschied. Er sieht für den Standort gegenüber der Robert-Koch-Realschule Probleme am Horizont. Die große Brachfläche unmittelbar hinter dem Imbiss soll bebaut werden. „Dann gibt es für mich keine Parkplätze mehr“, sagt er, und keine Parkplätze bedeuteten automatisch weniger Umsatz. Hinzu kommt: Der Stand ist ohnehin in die Jahre gekommen. „Der Wagen ist 40 Jahre alt“, sagt Heinz Rapp, da gehe auch immer wieder etwas kaputt. Alles in allem sei jetzt eine „gute Gelegenheit“ aufzuhören.

Es gibt eine zweite Curryteria

Fans der Rapp’schen Snack-Kreationen müssen aber nicht darben. Es gibt eine zweite Curryteria an der Breitwiesenstraße. Der Imbiss im gemeinsamen Industriegebiet von Vaihingen und Möhringen gehört Heinz Rapp ebenfalls, nur hat er ihn seit 24 Jahren dauerverpachtet. Dort will er künftig ab und an aushelfen. Ein Vollzeitjob soll es aber keinesfalls mehr werden. „Ich möchte meinen Weggang mit mehr Freizeit verbinden“, stellt er klar. Zumindest seine bewährten Rezepte will er dorthin mitnehmen. „Dann ist es halb so schlimm“, sagt er lachend. Und auch der Imbiss an der Robert-Koch-Straße wird möglicherweise weitergeführt. Es gebe einen Mann, der ihn „unbedingt“ übernehmen wolle.