Der neue Imbiss Bro’s Burger in Backnang geht selbstbewusst an den Start – wir waren dort und haben getestet, ob er dieses Versprechen einlösen kann.
Die Werbeversprechen von Bro’s Burger, einem neuen Imbiss in Backnang (Rems-Murr-Kreis), sind vollmundig: Von „preisgekrönten Burgern“ ist auf der Webseite die Rede, von „Burger-Handwerk auf einem völlig neuen Level“. Für uns Grund genug, dort vorbeizuschauen. Können die Burger-Brüder diesen Anspruch wirklich einlösen? Wir sind gespannt.
Der Imbiss steht an der Industriestraße, etwas verborgen auf dem Parkplatz eines Möbel- und eines Bike-Geschäfts. Während der Grillanhänger mit Lokomotiven-Look ein Hingucker ist – eines von nur fünf Exemplaren weltweit, das teilweise aber noch die Beschriftung des Vorbesitzers trägt – kommt der Gastraum bescheiden daher. Er besteht aus einem weißen Pavillon mit zwei einfachen Tischen und einigen Sitzplätzen. Immerhin gibt es einen gasbetriebenen Heizpilz.
Was ist das Besondere an Bro’s Burger in Backnang?
Ich werde von den beiden Betreibern Sultan und Ramadan Ibisi freundlich begrüßt – sie sind tatsächlich Brüder. Meine Wahl fällt auf den preisgekrönten „Original“-Burger – was es mit dieser Auszeichnung auf sich hat, müssen mir die beiden noch erzählen. Als Beilage wähle ich die „Dirty Fries“ und erhalte als Bonus eine Extraportion Pommes mit Trüffelmayo. „Die muss man einfach probieren“, sagt Ramadan Ibisi augenzwinkernd. Also geht es ans Vertilgen – meine Abnehm-Vorsätze von Silvester sind spätestens beim Anblick des saftig glänzenden Burgers ohnehin Schnee von gestern.
Der Burger wird in einem weichen Milchbrötchen serviert, mit einem 180-Gramm-Patty aus Rindfleisch mit Teriyaki-Würzung. Dazu kommen Trüffelmayonnaise, eingelegte Chili-Zwiebeln, Salat, Barbecue-Soße und eine doppelte Portion Cheddar-Käse. Beim Hineinbeißen knuspert es auffällig: Nacho-Chips sind in dem Kalorienmonstrum auch noch enthalten. Klingt zwar komisch, schmeckt aber gut. Sehr sogar. Das Fleisch ist medium gebraten und sehr saftig. „Wir machen bei unseren Burgern alles selbst, bis auf die Brötchen“, erklärt Sultan Ibisi.
Diese Pommes würden einen ausgewachsenen Hobbit satt machen
Besondere Erwähnung haben auch die Fritten verdient: Bro’s Dirty Fries taugen als Hauptgericht. Sie decken nicht nur mit gehackten Zwiebeln, geriebenem Parmesan und Trüffelmayonnaise vermutlich den Kalorienbedarf eines ausgewachsenen Hobbits, sondern sind wirklich unverschämt lecker. Auch die klassische Variante „nur“ mit Trüffelmayonnaise überzeugt. Die Burger-Speisekarte umfasst derzeit fünf Varianten; die vegetarische Version des Original-Burgers etwa kommt mit Halloumi-Grillkäse daher.
Was hat es nun mit der Auszeichnung auf sich? Sultan und Ramadan erzählen ihre Geschichte. Vor rund zwei Jahren zogen die beiden jungen Männer mit bosnischen Wurzeln aus Schweden, wo sie aufgewachsen sind, hierher. Sultan, 29, ist gelernter Koch und hat seinen jüngeren Bruder in die Kochkunst eingeweiht. „Zusammen haben wir schon in fast jedem Bereich gearbeitet. Zuletzt in einem 4-Sterne-Art-Hotel in Schweden“, sagt er. „Aber unser Herz schlägt einfach für Streetfood.“ 2019 machten die beiden sich dann mit einem ersten Imbiss selbstständig.
Im Jahr 2020 meldete der heute 25-jährige Ramadan die beiden spontan zu einem Wettbewerb des schwedischen Barbecue-Gastronomen Johan Kullberg an. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion fuhren sie mit ihrem kleinen Grillstand 600 Kilometer nach Göteborg. „Da waren lauter Teilnehmer mit jahrzehntelanger Erfahrung und professioneller Ausrüstung, wir haben uns angeschaut und gesagt: Shit, wir sind hier falsch“, erzählt Ramadan.
Die beiden Brüder gewinnen in Schweden einen Preis mit ihrem Burger
Doch sie räumten ab: Ihr Burger gewann vor allem wegen der Nachos den ersten Preis in einer der Kategorien – und für die beiden Brüder begann in Schweden eine Erfolgsgeschichte. Anschließend wurden sie für große Events und Festivals gebucht. „Radio- und Fernsehsender haben über uns berichtet, mein Handy stand nicht mehr still“, sagt Sultan.
Trotzdem fangen die beiden nun in Deutschland neu an. „Eigentlich wollten wir schon lange herziehen, wir haben Verwandte in Deutschland“, erklärt Ramadan. Den Erfolg in Schweden wollten sie noch mitnehmen – doch das bedeutet auch, dass sie jetzt in Backnang quasi bei Null beginnen müssen. „Unsere ersten Möbel sind uns geklaut worden“, sagt Sultan mit Blick auf den spärlich eingerichteten Gastraum.
Ein paar Dinge wollen die Brüder in der nächsten Zeit noch ändern: „Wir suchen noch nach guten Brioche-Brötchen für unsere Burger und wollen irgendwann noch mehr Streetfood wie Pulled Pork anbieten.“ Auch der imposante Grill-Lokomotiven-Anhänger steht derzeit zum Verkauf, da die Brüder gerne mobiler auf Festivals unterwegs wären. „Mit einem echten Foodtruck wären wir mobiler“, meint Sultan. Wer weiß, vielleicht können sich die Burger-Bros ja auch bald einen schickeren Gastraum leisten – verdient hätten sie und die leckeren Burger es jedenfalls.