Thomas Gottschalk begrüßt Nik Kershaw, einen der erfolgreichsten britischen Hitlieferanten der 80er. Foto: ZDF/Sascha Baumann

Volle Halle, dufte Stimmung: Thomas Gottschalk darf im ZDF zweieinhalb Stunden lang die Musik der Achtziger feiern. „Gottschalks große 80er Show“ bietet zweieinhalb Stunden lang Altstars und Nostalgie.

Stuttgart - Bei „Wind of Change“ wedeln die Hallengäste leuchtende Smartphones wie eine Kohorte Schiffbrüchiger, die von ihrem Eiland aus einen in der Ferne vorbeifahrenden Dampfer auf sich aufmerksam machen will. In diesem Fall sehnt das Robinson-Kollektiv aber keinen Meeresriesen, sondern eine Zeitmaschine herbei, die sie zurückbringt in jene Ära, die das ZDF in einer zweieinhalbstündigen Gala feiert: „Gottschalks große 80er-Show“. Das seien überhaupt die tollsten Jahre gewesen, sind sich viele Gäste und der Moderator einig. Es macht ja auch Spaß, anderen Leuten, die das ganze Leben noch vor sich haben, zu erklären, das Beste hätten sie leider verpasst.

Auch wenn zu Thomas Gottschalks Gästen Ingolf Lück gehört, der ein Jahr lang, 1985 nämlich, die Videoclip-Sendung „Formel Eins“ moderierte: Hier laufen keine Clips, hier kommen die Stars von damals vorbei und singen live mit der TV-Band Heavytones. Kim Wilde und Paul Young, Nicole und Thomas Anders, Carol Decker und Peter Schilling sind da, um nur einige zu nennen. Aber wie sie ihren jeweils größten Hit präsentieren, das hat weniger von Live-Erlebnis als von Oldies-Nacht im Autoradio. Was vielleicht genau das garantiert, was sich viele wünschen: keine Überraschungen. Vielmehr die beruhigende Ansage: Wir sind immer noch dieselben.

Gute und schlechte Ideen

Es gibt beim Showkonzept ein paar sehr richtige Entscheidungen, etwa die, auch an das Ostdeutschland der 80er Jahre zu denken. Und ein paar sehr falsche, zum Beispiel die, als Kronzeugin des Spaßes am Westpop im Osten ausgerechnet die ehemalige Eisprinzessin Katarina Witt einzuladen. Die verschaffte einem ekligen Regime als Mix aus Postergirl und Sportskanone Sympathiepunkte und neigt auch nun wieder dazu, von der Partylaune in der DDR zu schwärmen, als sei der Mauerstaat ein ganz normales Land gewesen, bloß mit etwas längeren Wartezeiten aufs Auto.

Die schönste Idee wird leider nicht konsequent umgesetzt. Bei „Wind of Change“ pfeift Klaus Meine von den Scorpions nur das Intro, den Gesangspart übernehmen Max Giesinger und Michael Schulte, da findet eine Staffelübergabe statt, da verneigen sich jüngere Musiker vor einem Hit, mit dem sie aufwuchsen, da wird eher nach vorne als nach hinten geschaut. Eine regelmäßige Show, in der junge Musiker die Songs der Altvorderen interpretieren, und vielleicht auch ein paar Veteranen Songs der Jüngeren (bei Johnny Cash zeitigte das wunderbare Ergebnisse), müsste ein Selbstläufer sein. Ob mit oder ohne den inzwischen auch schon 69-jährigen Thomas Gottschalk.

Ausstrahlung: ZDF, Samstag, 26. Oktober 2019, 20.15 Uhr

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