Neckarwestheim ist bekannt für das ehemalige Atomkraftwerk, am kommenden Silvesterabend wirft eine geplante Party im Vereinsheim des dortigen Musikvereins Fragen auf. Foto: imago/imagebroker, imago/Eibner

Eine geplante Silvester-Party in Neckarwestheim wirft Fragen auf. Viele „Schwurbler“ und „Widerständler“ sollen kommen. Ein umstrittener DJ wird kurzfristig wieder ausgeladen.

Ob denn auch alle Gäste auf der Silvesterparty ungeimpft seien? Diese Frage erreicht den Veranstalter des geplanten Events in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) immer wieder, schreibt er in dem Telegram-Kanal, der für die Silvesterparty im Vereinsheim des örtlichen Musikvereins wirbt. „Nein! Nicht zu 100%“, entgegnet er: „Wer könnte das denn kontrollieren?“ Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass ein überwiegender Teil der knapp 100 Partygäste ungeimpft sei, da in „einschlägigen Gruppen“ geworben werde.

 

Ein paar Sätze weiter wird es dann konkreter: „Sehr viele Ungeimpfte, sehr viele Schwurbler, sehr viele Widerständler... so viel ist sicher!“, heißt es in der derselben Telegram-Nachricht. Später ist dieser Zusatz verschwunden, der Veranstalter selbst wehrt sich dagegen, behauptet auf Nachfrage, die entsprechende Nachricht nie so formuliert zu haben. Er werde das prüfen und vermutet, dass jemand anderes seine Nachricht entsprechend bearbeitet haben könnte. Bei seiner Silvesterparty seien alle willkommen, die sich „benehmen“.

Musikverein Neckarwestheim distanziert sich von „Propaganda-Veranstaltungen“

Doch es ist nicht nur jene Nachricht, die Fragen aufwirft, wer sich da alles in der Neujahrsnacht im Musikerheim tummeln wird. Auf einem Werbeplakat für die Party wird auch ein DJ abgebildet, der sich in den sozialen Medien als Anhänger der QAnon-Verschwörungsideologie zeigt und bei dem es sich laut Recherchen unserer Zeitung um denselben Mann handelt, der als Strohmann für die umstrittene russlandfreundliche Druschba-Bewegung in Marbach (Kreis Ludwigsburg) ein Vereinslokal angemietet hat.

Laut Einschätzung des Verfassungsschutzes handelt es sich bei QAnon um eine „Online-Subkultur, die im Internet breit gestreut auf unterschiedlichen Plattformen Verschwörungserzählungen mit Bezügen zum Antisemitismus, zum Rechtsextremismus und zur verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates verbreitet“.

Als unsere Redaktion den Vermieter der Location, den Musikverein Neckarwestheim, mit den Umständen konfrontiert, meldet sich erst der Veranstalter der Party telefonisch, dann der Musikverein selbst: „Wir als Verein vermieten unser Vereinsheim ausschließlich an Privatpersonen und wissen daher nicht, was und mit wem gefeiert wird“, heißt es in der Stellungnahme. Außerdem distanziere man sich von jeglichen „Propaganda-Veranstaltungen“ und positioniere sich „politisch in keiner Weise, wie es auch in unserer Satzung steht“.

Erscheint jemand mit Reichsbürger-Flagge zur Party, fliegt er raus

„Make Germany great again“ – mit Slogans wie diesem warb auch der angekündigte DJ für die Silvesterparty in Neckarwestheim. In seinen Videos ist außerdem davon die Rede, dass die rechtspopulistische AfD „die Lösung für ein starkes Deutschland“ sei: „Geht wählen für unser Land. Die AfD kann Deutschland retten“, heißt es in einem Video auf seinem TikTok-Kanal.

Dabei soll die Party unbedingt „unpolitisch“ sein, betont der Veranstalter und zog im Laufe des Dienstags nach Rückfragen unserer Redaktion Konsequenzen: Die Aufbauarbeiten für Silvester seien in Neckarwestheim zwar in vollem Gange, doch den DJ habe man kurzfristig wieder ausgeladen. „Mir war nicht bekannt, was der macht. Ich will damit nichts zu tun haben“, verteidigt sich der Veranstalter. Außerdem werde er sich mit der Polizei in Verbindung setzen: „Wir rechnen mit etwas Ärger, es könnte ja sein, dass die Antifa aktiv wird“, sagt er. Deshalb werde man auch die Security aufstocken.

Die Corona-Impfung scheint in den „einschlägigen Gruppen“ auf Telegram immer noch viele Menschen umzutreiben. (Symbolbild) Foto: imago/Karina Hessland

Zur Party nach Neckarwestheim würden Menschen aus allen Bevölkerungsschichten kommen. Man frage am Eingang aber niemanden nach seinem Impfstatus, versichert der Veranstalter. Er selbst sei zwar auch ungeimpft und „der Staat“ habe „viel getan, um Menschen ohne Impfung auszugrenzen“. Aber die Corona-Zeit sei vorbei. Bei der Silvesterparty soll es um Spaß gehen, nicht um politische Botschaften. Erscheine zum Beispiel jemand mit einer Reichsbürger-Flagge, fliege derjenige innerhalb von Sekunden raus.