Audioshows über das Internet werden immer beliebter Foto: dpa

Nachrichten-Apps, Pushmeldungen, Newsletter – jeden Tag prasseln unzählige Informationen auf uns ein. Was ist wichtig? Was wird im Alltag Folgen haben? Mit diesen sieben Podcasts behalten Sie den Überblick.

Stuttgart - In den USA sind Podcasts schon seit Jahren beliebt. Und auch in Deutschland hören mittlerweile 22 Prozent der Bevölkerung Audioshows über das Internet. 2016 waren es dagegen erst 14 Prozent. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitcom. Am häufigsten wird das Medium auf Reisen oder unterwegs genutzt. Auch beim Putzen, Aufräumen und zum Einschlafen sind digitale Audioformate beliebt.

Wissenschaft, Sex, Kriminalität, Karriere – die deutschsprachige Podcast-Welt ist inzwischen so vielfältig, dass sich zu fast jedem erdenklichen Thema Angebote finden. Wir stellen einige beliebte Politik-Podcasts vor.

„Lage der Nation“

Etwa ein Mal die Woche analysieren der Journalist Philip Banse und der Berliner Richter Ulf Buermeyer die Lage der Nation. Banse und Buermeyer fassen detailliert das Geschehen der vergangenen Woche zusammen. Sie schaffen es, komplexe oder bürokratische Themen wie etwa die Grundsteuerreform verständlich zu erklären. Ihre eigene Meinung lassen die beiden nicht außen vor. Banse und Buermeyer beleuchten im Podcast auch Themen, die jenseits des Nachrichtengeschehens liegen, aber wichtig sind, um politische und technische Entwicklungen zu verstehen. Sehr hörenswert ist zum Beispiel ihre Erklärung zu den Grenzwerten für elektromagnetische Strahlung von Handys vom April dieses Jahres. Einziges Manko: Im Schnitt dauert der Podcast etwa eineinhalb Stunden und ist damit sehr lang. Manchmal schweifen Banse und Buermeyer zu sehr ab.

Politik mit Schwung“

Wer ein wesentlich kürzeres Format sucht, ist bei Gregor Schwung richtig. Früher hieß sein Podcast „6 Minuten Politik“. Da die Folgen aber meist doch ein wenig länger sind, hat der Politikwissenschaftsstudent aus Heidelberg das Format im Januar umbenannt. Schwung richtet sich explizit an Hörer, die sich nicht täglich informieren, aber trotzdem verstehen wollen, was in der Politik passiert. Ein Mal die Woche erklärt Schwung „das politische Top-Thema“ der Woche, wie er sagt. Zuletzt waren das zum Beispiel die Ibiza-Affäre in Österreich, die Eskalation zwischen den USA und Iran im Atom-Streit sowie die Nominierung von der Leyens als EU-Kommissionspräsidentin. Lebhaft wird Schwungs Podcast dadurch, dass er sehr viele O-Töne von Politikern und Interviewpartnern integriert und so das politische Geschehen rekonstruiert. Schade, dass dieser Podcast nur ein Mal pro Woche erscheint.

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„Auf den Punkt“

Ebenfalls ein kürzerer Podcast, der aber jeden Tag erscheint, ist „Auf den Punkt“ der Süddeutschen Zeitung. Montags bis Freitag um 17 Uhr beleuchtet das Format ein wichtiges nachrichtliches Thema des Tages – und zwar in Form eines Kollegengesprächs. Der Podcast-Gastgeber stellt Fragen, Antworten kommen von einem Journalisten aus der Redaktion, der oder die oft schon seit Jahren über das Thema berichtet und dementsprechend gut Bescheid weiß. Am Ende des Formats gibt es dann jeweils noch drei weitere kurze Nachrichten. Insgesamt geht eine Folge etwa zehn Minuten.

„Das Morningbriefing“

Wer sich nicht abends informieren möchte, sondern schon den frühen Morgen dafür nutzen will, ist bei Gabor Steingart richtig. Der Journalist war zunächst Chefredakteur, dann Herausgeber des Handelsblatts, davor leitete er das Washington-Büro des Spiegels. Sein großes Netzwerk nutzt Steingart seit Sommer 2018 für einen Podcast. In etwa 20 Minuten beleuchtet Steingart wichtige politische Themen und spricht darüber mit oft hochkarätigen Politikern, Wissenschaftlern oder Wirtschaftsführern. Steingarts Podcast hilft, Hintergründe zu verstehen. Zuletzt ging es etwa darum, warum im Gegensatz zur EU-Kommissionspräsidentschaft die Person an der Spitze der Europäischen Zentralbank diejenige ist, deren Entscheidungen einen viel unmittelbareren Einfluss auf Alltagsleben und Geldbeutel der Deutschen haben könnten. Steingarts Briefing erscheint jeden Morgen etwa zwischen sieben und acht Uhr.

„Der Politikpodcast“

Der Name ist nüchtern, der Inhalt dafür umso lebhafter. Im Politikpodcast besprechen Korrespondenten des Deutschlandfunks ihre Einschätzungen und Erlebnisse bei der Recherche zu politischen Entwicklungen. Hörer erhalten spannende Einblicke hinter die Kulissen des Senders und erfahren ganz anschaulich, wie die Journalisten arbeiten und wie sie an ihre Informationen gelangen. Zuletzt wurde etwa berichtet, wo die Korrespondenten die langen Verhandlungsnächte in Brüssel verbracht haben und wie sie nach solchen Nächten an ein Frühstück kamen. Spannend ist daran, dass sich natürlich auch Journalisten untereinander oft nicht einig sind – etwa, wenn es um eine Einschätzung der israelkritische Bewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ geht. Der Podcast erscheint alle paar Tage. Eine Folge dauert zwischen 20 und 40 Minuten.

„Y Politik“ und „Morgenmacher“

Einen konstruktiven Blick auf politische Themen nehmen sich diese beiden Podcasts vor. In jeder Folge von „Y Politik“ schildern Tanja Hille und Vincent Venus ein Problem und versuchen anschließend, Lösungen zu bieten. Zum Beispiel fragen sie, was man konkret gegen Hass und Hetze tun kann oder besprechen Ideen, wie die Erbschaftssteuer für mehr Gerechtigkeit reformiert werden müsste. Hille arbeitet als Organisationsberaterin, Venus bei einer Denkfabrik in Berlin. Der Podcast erscheint etwa alle zwei Wochen, die Folgen haben eine Länge von rund einer Dreiviertelstunde.

„Y Politik“ gibt es schon seit 2017. Neu ist dagegen das Format „Morgenmacher“ von Linda Mürtz, die bei einem regionalen Fernsehsender in Norddeutschland arbeitet. Mürtz legt ihren Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und die Klimakrise und stellt mögliche Lösungen vor. Zum Beispiel erzählte in einer der letzten Folge eine Frau, wie sie es geschafft hat, mit ihrer Familie heute fast komplett müllfrei zu leben. Morgenmacher erscheint etwa alle zwei Wochen.

Transparenzhinweis: Die „Süddeutsche Zeitung“ gehören wie die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ zur Südwestdeutschen Medienholding.

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