Senioren, die sich am Steuer nicht mehr wohlfühlen, können ihren Führerschein im Kreis Ludwigsburg gegen ein VVS-Jahresticket eintauschen. Foto: dpa

Senioren gelten im Straßenverkehr als Risikogruppe, weil irgendwann das Seh- und Hörvermögen nachlässt. Ein Anreiz wie im Kreis Ludwigsburg, wo der Führerschein gegen ein VVS-Seniorenticket eingetauscht werden kann, soll es in Stuttgart vorerst nicht geben.

Stuttgart - Bus- und Bahnticket statt Führerschein – ein Erfolgsmodell für die Region? Der Landkreis Ludwigsburg versucht seit Oktober 2015 Senioren mit einem speziellen Angebot in die öffentlichen Verkehrsmittel zu locken. Wer Anspruch auf ein Seniorenticket des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) hat und seinen Führerschein freiwillig beim Landratsamt abgibt, bekommt das VVS-Ticket für ein Jahr gratis. Bis März haben das Angebot nach Angaben der Behörde 2013 Bürger genutzt.

Sprecher Markus Klohr wertet das Pilotprojekt als Erfolg: „Die Akzeptanz war seit der Einführung unerwartet hoch.“ Er bewertet auch positiv, dass die Hälfte der Teilnehmer nach einem Jahr VVS-Dauerkarteninhaber bleiben: „Unsere Aktion ist eine Entscheidungshilfe, auf öffentliche Verkehrmittel umzusteigen, wenn die Sicherheit im Straßenverkehr nachlässt.“ Das hat den Kreis bisher 560 000 Euro gekostet.

Der Kreis Esslingen will das Modell dem Kreistag zur Nachahmung empfehlen. In Böblingen, Waiblingen und Stuttgart ist derzeit nicht daran gedacht. Der Landeshauptstadt ist die VVS-Tarifzonenreform zum 1. April wichtiger, so eine Sprecherin: „Die Reform bedeutet, dass quasi alle günstiger mit Bus und Bahn fahren.“

Ältere Autofahrer verursachen weniger Unfälle als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht. Sie gelten aber dennoch als Risikogruppe im Straßenverkehr, weil irgendwann eben das Seh – und Hörvermögen und damit die Orientierung schlechter werden. Am Wochenende etwa hatte eine 84-Jährige in Böblingen an einer roten Ampel Gas- und Bremspedal des Automatik-Pkw verwechselt und einen Frontalzusammenstoß verursacht – ohne Verletzte. In Stuttgart waren Senioren 2018 an 1370 Unfällen beteiligt. Als Verursacher nehmen sie in den allermeisten Fällen jemandem die Vorfahrt oder machen Fehler beim Abbiegen.

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