Ein Abhängiger löst Heroin in einer Spritze auf, um es sich anschließend zu spritzen (Archivbild). Foto: dpa

Die Zahl der Drogentoten im Südwesten ist 2009 auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Mit 130 waren es 62 Tote weniger als noch 2008.

Stuttgart - Die Zahl der Drogentoten im Südwesten ist 2009 auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Mit 130 waren es 62 Tote weniger als noch 2008, wie eine Sprecherin des Innenministeriums am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Die vorläufigen Zahlen (Stand: 28.12.2009) seien jedoch kein Grund zur Entwarnung. Gerade jungen Menschen müsse weiter präventiv die Gefahr von Suchtmitteln vor Augen geführt werden. 111 der Toten waren Männer, 19 Frauen. Den Höchststand hatte die Zahl der Drogentoten 2000 mit 287 erreicht, 1989 waren es 123.

Welche Gründe die Abnahme hat, ist nach Angaben des Innenministeriums nicht eindeutig zu sagen. Vergangenes Jahr war unter anderem der höhere Reinheitsgehalt des Heroins als Grund für die damals von 155 auf 192 angestiegene Zahl angegeben worden. Die Drogentotenzahl schwanke generell, daher sei eine Prognose für die kommenden Jahre nicht möglich.

Der Städtetag begrüßte die Abnahme. Es sei positiv, dass die Anstrengungen der kommunalen Suchthilfenetzwerke zur Prävention offensichtlich zunehmend positive Wirkung zeigten, sagte Verbandssprecher Manfred Stehle. "Die Zahl der Drogentoten gibt trotz der rückläufigen Entwicklung aber nach wie vor Anlass zur Sorge", betonte Stehle. Es bedürfe weiterer präventiver und repressiver Maßnahmen. Zudem müsse immer wieder auf die Gefahr von Alkohol als Einstiegsdroge hingewiesen werden - er sei oft der Beginn langjähriger Drogenkarrieren.

Der Städtetagsprecher verwies auch auf die Bedeutung von Diamorphin für Schwerstabhängige. "Die Ausgabe des künstlichen Heroins könnte zu einer weiteren Abnahme der Drogentoten beitragen", sagte Stehle. Mit der flächendeckenden Diamorphin-Vergabe könne im Südwesten voraussichtlich spätestens Mitte 2010 begonnen werden. Die geplanten neun Standorte im Land müssten nur noch formale Hürden nehmen. Bundestag und Bundesrat hatten im Sommer einen Rechtsanspruch auf die Therapieform beschlossen.

Nach Einschätzung des Sozialministeriums gibt es im Südwesten 200 bis 300 Drogenabhängige, die für die Diamorphin-Therapie infrage kommen. Unter anderem müssen sie mindestens 23 Jahre alt und seit fünf Jahren abhängig sein. Vor Beginn der Behandlung müssen sie schon zwei erfolglose Therapieversuche mit dem Heroinersatzstoff Methadon hinter sich haben.

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