Wirtschaft, Landesregierung, Gewerkschaft und Verbände ziehen gegen den Arbeitskräftemangel an einem Strang.

Esslingen - Im Kampf gegen den drohenden Arbeitskräftemangel ziehen Wirtschaft, Landesregierung, Gewerkschaft und Verbände an einem Strang. Am Donnerstag wurde in Esslingen die Allianz für Fachkräfte ins Leben gerufen. Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) sagte, das Bündnis vereine erstmals alle Partner im Land. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes geht die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in den Jahren zwischen 2010 und 2020 um rund 250.000 zurück.

Das Bündnis einigte sich darauf, dass die Aus- und Weiterbildung forciert werden soll. Ferner sollen Frauen bei der Rückkehr in den Beruf unterstützt werden. Auch soll die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpft werden. Der Präsident der Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, sagte: „Manch konjunktureller Trend ist temporär, doch der Rückgang an qualifizierten Fachkräften wird uns dauerhaft beschäftigen.“ Die Initiative sei dringend notwendig gewesen. Hundt forderte ferner, dass ausländische Abschlüsse in Zukunft leichter anerkannt werden. Das Land müsse die Vorgaben des Bundes nun schnell umsetzen.

Auch Einwanderung sollen eine Rolle spielen

Alle Bündnispartner sind sich laut der gemeinsamen Erklärung einig, dass beim Thema Fachkräftemangel gleichfalls die Einwanderung eine Rolle spielen soll. Zwar müsse vorrangig das Beschäftigungspotenzial im Südwesten ausgeschöpft werden. Angesichts der demografischen Entwicklung sei auch die Zuwanderung von Fachkräften aus dem In- und Ausland notwendig. Hundt sagte, die Allianz habe die Pflicht, eine Willkommenskultur für Fachkräfte aus dem Ausland zu schaffen.

DGB-Landeschef Nikolaus Landgraf sagte, die Allianz setze sich mit dem Vorsatz, vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit abzubauen und das Niveau bei der Vollzeitbeschäftigung zu erhöhen, wichtige arbeitsmarktpolitische Ziele. Eva Strobel, die Leiterin der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, sprach sich dafür aus, das Bündnis auf die Regionen herunterzubrechen. „Der Arbeitsmarktmonitor der Arbeitsagenturen unterstützt die Regionen und sorgt für Transparenz. Er bringt Wissen und Menschen zusammen.“

Thema Bildungsurlaub

Landgraf forderte mit Nachdruck ein Landesgesetz zum Thema Bildungsurlaub. Das ist ein Punkt in der Koalitionsvereinbarung der grün-roten Landesregierung. Doch Wirtschaftsminister Schmid wollte sich auf keinen Zeitplan für die Vorlage eines Gesetzentwurfes festlegen. Die Arbeitgeber sehen das Thema kritisch und hatten sich in der Vergangenheit dagegen ausgesprochen.

Der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT), Joachim Möhrle, sagte, nun beginne die eigentliche Arbeit der Allianzpartner. „Denn sonst tritt mit steigender Arbeitslosigkeit und sich verschärfendem Fachkräftemangel der schlechteste Fall ein."

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