Der Göppinger Baumaschinenhersteller Kleemann will die Werfthalle zum Kundencenter umbauen. Was heißt das für die Zukunft der Stauferfestspiele oder der Märklintage?
Die Kolosse aus Göppingen bestimmen die Arbeit in den Steinbrüchen, Recyclinghöfen und Innenstädten dieser Welt. Die Kleemann GmbH mit Sitz im Stauferpark stellt bis zu 80 Tonnen schwere Baumaschinen her, die in der Stunde 600 Tonnen Naturstein zerkleinern. Mit ihren kleineren und leicht transportierbaren Anlagen verändert Kleemann das Recycling, im Idealfall wird ein Haus abgerissen und das Material dank der Aufbereitung durch Geräte des Unternehmens direkt für den Wiederaufbau genutzt. Mit seinen Maschinen sind die Göppinger digitaler Vorreiter in der Branche und wollen weiter wachsen – und investieren.
Viel Geld wird Kleemann zeitnah in den Standort im Stauferpark stecken, und zwar in die Werfthalle. Es geht um ein modernes Kundenzentrum – „ein Ort, an dem Kunden, Kolleginnen und Kollegen aus unseren Niederlassungen sowie marktnahe Bereiche zusammenkommen können“, sagt Firmenchef Alexander Knam. „Der Kunde steht dabei klar im Fokus: als Partner, als Impulsgeber und als zentraler Bestandteil unserer täglichen Arbeit.“ Der Standort soll sich ganz bewusst mit Blick auf die Kunden weiterentwickeln. „Das bedeutet für uns unter anderem: Innovationen greifbar machen, partnerschaftlichen Austausch fördern und Räume schaffen, in denen Begegnung möglich ist“, unterstreicht Knam.
Investition als Bekenntnis zum Standort Göppingen
Ursprünglich war lediglich eine reine Dachsanierung vorgesehen. „Im Laufe der Planungen haben wir jedoch erkannt, welches Potenzial in diesem Gebäude steckt. Deshalb haben wir uns entschieden, deutlich weiter zu denken und substanziell mehr zu investieren“, erklärt Knam. Kleemann investiere hier eine Summe im „höheren einstelligen Millionenbereich“, es handle sich um die größte Einzelinvestition seit dem Neubau. Dass Kleemann weiterdenkt und das Projekt ausweitet, hat Gründe: „Zum einen unser Wachstum und der zunehmende Bedarf an modernen, kollaborativen Arbeits- und Kundenerlebnisräumen. Zum anderen ist uns der verantwortungsvolle Umgang mit historischer Bausubstanz ein großes Anliegen.“ Das denkmalgeschützte Gebäude biete eine Verbindung aus Geschichte und Zukunft. „Diese Chance wollen wir bewusst nutzen – auch wenn das mit deutlich höheren Investitionen verbunden ist“, unterstreicht der Geschäftsführer. Er sieht in dieser Investition auch ein klares, langfristiges Bekenntnis zum Standort Göppingen– „wirtschaftlich wie gesellschaftlich“.
Und warum eine Investition in ein denkmalgeschütztes Gebäude und nicht in einen Neubau? „Ein Neubau wäre sicherlich einfacher gewesen, aber nicht unser Anspruch. Wir sind ein aktiver Teil dieser Region und möchten die Werfthalle als prägendes Gebäude von Göppingen erhalten und zeitgemäß weiterentwickeln“, antwortet der Firmenchef und betont: „Denkmalschutz bedeutet für uns nicht zwangsläufig Einschränkung, sondern Verantwortung.“ Durch die umfassende Sanierung würden moderne Arbeits- und Begegnungsräume geschaffen, gleichzeitig bewahre man den historischen Charakter des Gebäudes.
Besucher bangen um die Zukunft von Veranstaltungen
Kleemann hatte die Werfthalle vor einigen Jahren vom Göppinger Unternehmer Johannes Krauter abgekauft. Dieser hatte das zuvor vom Abriss bedrohte Bauwerk mit seiner besonderen Dachkonstruktion für mehrere Millionen Euro saniert und zu einer Messe- und Veranstaltungshalle umgebaut. Schon nach dem Verkauf an Kleemann bangten viele Besucher um die Zukunft von Veranstaltungen wie den Stauferfestspielen und den Märklintagen. Bedeutet das neue Customer Experience Center nun endgültig das Aus für diese überregional bekannten Events? „Nein, bedeutet es nicht. Diese Veranstaltungen sind fest mit dem Standort und der Region verbunden und haben für viele Menschen einen hohen Stellenwert. Uns ist wichtig, bestehende Formate nicht einfach zu verdrängen“, lautet Knams klares Bekenntnis. Deshalb stehe Kleemann im engen Austausch mit Veranstaltern und Partnern, um zu prüfen, wie eine sinnvolle Nutzung nach den Sanierungs- und Umbauarbeiten aussehen könnte. „Unser Ziel ist es, neue Perspektiven zu schaffen – und den Wirtschafts- und Kulturstandort in Göppingen weiterhin zu fördern“, unterstreicht der Firmenchef.
Kleemann will im Zuge der Standortentwicklung das gesamte Betriebsgelände in den Blick nehmen. Der Fokus liege darauf, Flächen dort zu entwickeln, wo sie für das Unternehmen den größten Mehrwert bieten. Die Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes sei sehr ambitioniert, weshalb sich das Unternehmen bewusst auf die Werfthalle konzentriert. Mit dem Gebäude zwischen Hauptverwaltung und Werfthalle – bekannt als ehemaliges „Headquarter“ des Stauferparks – hat das Unternehmen ein weiteres denkmalgeschütztes Gebäude auf seinem Gelände. Nach genauer Prüfung sei man zu dem Schluss gekommen, dieses perspektivisch zu verkaufen. Das Ziel: „Wir möchten das Gebäude in verantwortungsvolle Hände geben, idealerweise an einen Käufer, der den Denkmalschutz ebenso ernst nimmt und dem Gebäude eine neue Zukunft gibt.“
Vom Fliegerhorst zur Veranstaltungshalle
Unternehmen
Die Kleemann GmbH wurde 1857 als Feilenhauerei gegründet und im Jahr 2006 übernommen von der Wirtgen Group, die seit 2017 zu der US-amerikanischen John Deere Group gehört. Seither profitiert Kleemann vom Vertriebs- und Servicenetz im Konzern. Kleemann beschäftigt aktuell 700 Mitarbeiter.
Geschichte
Der Göppinger Unternehmer Johannes Krauter hatte die Werfthalle, einen 1934 erbauten Fliegerhorst, im Jahr 2006 von der Stadt übernommen und das zuvor vom Abriss bedrohte Bauwerk mit seiner besonderen Dachkonstruktion für mehrere Millionen Euro saniert und zu einer Messe- und Veranstaltungshalle um gebaut. Krauter hat die Werfthalle vor einigen Jahren an die Firma Kleemann verkauft – für rund zehn Millionen Euro, wie aus Gemeinderatskreisen berichtet wurde.