Waldarbeit ist gefährlich. Forstwirte haben nun im Wald bei Ehningen exemplarisch eine alte Buche mit einem ferngesteuerten Fällkeil gefällt.
Mit dem Laubfall beginnt für die Forstleute in der Region die Hochsaison bei der Holzernte. Auch im Staatswald zwischen Ehningen und Hildrizhausen untermalt an diesem Morgen immer wieder satter Motorsägen-Sound die Bilderbuchatmosphäre mit raschelndem gefrorenem Laub unter den Schuhsohlen. Im dortigen Walddistrikt „Ketterlenshalde“ steht eine Durchforstung an.
Bei diesen Maßnahmen sind die Zielsetzungen und Prioritäten je nach Alter, Baumarten, Standort und Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten unterschiedlich. In den letzten Jahren gewinnt jedoch ein weiterer Faktor immer mehr an Bedeutung: „Zunehmende Trockenheit und Hitzeereignisse und deren Auswirkungen müssen wir bei jedem Vorhaben mitdenken“, erläutert Kathrin Klein, Försterin im Forstbezirk Schönbuch bei ForstBW. Deshalb werden bei Durchforstungsmaßnahmen, die auf Grundlage des Forsteinrichtungswerks geplant werden, das alle zehn Jahre auf Basis einer Waldinventur fortgeschrieben wird, insbesondere heimische Baumarten gefördert, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen – wie etwa die Eiche.
Ein Mischwald steht für Artenvielfalt
Diese Baumart ist mit knapp 20 Prozent die zweithäufigste im Forstbezirk und anders als die noch häufigere Rotbuche eine Lichtbaumart. Diese müssen von Forstleuten gezielt gefördert werden, weil die Buche „als Schattenbaumart sehr konkurrenzstark ist und daher andere Baumarten wie die Eiche ausdunkelt“, so Kathrin Klein. „Wie pflegen den Wald, weil wir die Mischungsanteile erhalten wollen“, unterstreicht sie die Bedeutung der Durchforstung. Denn ein Mischwald sei viel stabiler und ist auch für die Artenvielfalt von Vorteil.
Die beschriebene Konkurrenzsituation zeigt sich dann auch im Baumbestand bei einer Altbuche mit einem Stammdurchmesser von mehr als 70 Zentimetern: Ihre Krone drängt die von einer Linde und einer Eiche in direkter Nachbarschaft zurück. Weil diese beiden Bäume gefördert werden sollen, aber auch, weil die Buche, wie die Forstleute sagen, „zielstark“ ist, deren Holz sich also gut verkaufen und auch zu hochwertigen Produkten verarbeiten lässt, werden die beiden Forstwirte Alexander Adam und Jonas Fritz den Baum fällen. „Schon beim Anlaufen schauen wir nach Gefahrenstellen und nach der besten Fällrichtung, um den anderen Bäumen so wenig wie möglich zu schaden“, beschreiben die beiden Waldarbeiter den Auftakt ihrer Arbeit.
Danach nehmen sie die Krone genau in den Blick, denn dort lauert möglicherweise Gefahr in Form von Totholz, also abgestorbenen Ästen. Danach bereiten sie die sogenannte Rückweiche vor, machen also einen Weg frei von Hindernissen, in den sie sich nach schräg hinten zurückziehen, bevor der Baum final fällt. Dann kommen die Motorsägen zum Einsatz: Die Wurzelanläufe werden beigesägt, der Fallkerb, der die Fällrichtung bestimmt, hergestellt und dann der Fällschnitt gesetzt.
„Früher haben wir die eine Hälfte des Fällschnitts gesetzt, dann Keile von Hand reingehauen, dann vollends fertig gesägt und den Baum dann von Hand umgeklopft“, beschreibt Alexander Adam das klassische Vorgehen. Im Zuge der Klimaerwärmung und der dadurch vermehrt auftretenden dürren Äste, die abbrechen können, wurde insbesondere das Eintreiben der Fällkeile mit der damit verbundenen Erschütterung des Baumes immer gefährlicher. Deshalb haben die beiden jetzt ihren „Buddy“ dabei, den funkferngesteuerten Fällkeil TR300. Das heißt, nachdem sie diesen angesetzt haben, „können wir uns in Sicherheit bringen und aufs Knöpfchen drücken“, um so den Fällvorgang durchzuführen. Die beiden nehmen das zusätzliche Gerät, das auch ein paar Kilo auf die Waage bringt, gerne in Kauf. „Weil wir auch gerne jeden Abend wieder aus dem Wald rauslaufen und nach Hause fahren“, unterstreicht Alexander Adam dessen Bedeutung in puncto Sicherheit.
Holz für die Möbelindustrie
Trotz Unterbrechungen, in denen die beiden Forstleute ihr Vorgehen schrittweise erläutern, kracht die Rotbuche nach nicht einmal 20 Minuten mit lautem Getöse auf den Waldboden. Danach warten sie noch einige Zeit, bis sich die benachbarten Baumkronen, von denen auch Äste abbrechen könnten, wieder beruhigt haben, ehe sie sich dem Baum nähern. Dann beginnt die weitere Arbeit von Alexander Adam und Jonas Fritz: Sie teilen den Stamm, je nach Holzqualität, in verschiedene Sortimente ein. Baumstämme von guter Qualität, die wie diese Buche möglichst gerade gewachsen und im unteren Teil lange astfrei sind, gehen in die Möbelproduktion oder werden zu Treppenstufen verarbeitet.
Zusätzlich sei dieses Segment inzwischen als „BauBuche“ interessant, nachdem ein Verfahren entwickelt wurde, mit dem auch diese Holzart – und nicht wie bisher nur Nadelholz – zu baukonstruktiven Zwecken genutzt werden kann, ergänzt Kathrin Klein. Qualitativ weniger wertvolle Teile nimmt dagegen die Zellstoffindustrie zur Papierherstellung oder werden Brennholz für die Menschen vor Ort.
Staatswald in Baden-Württemberg
ForstBW
Der Name steht für „Anstalt öffentliches Recht Forst Baden-Württemberg“, die seit Anfang 2020 als eigenständiges Unternehmen die Verantwortung für die Bewirtschaftung von über 320 000 Hektar Staatswald trägt. Das entspricht einem Viertel der Waldfläche Baden-Württembergs. Damit ist ForstBW der größte Forstbetrieb des Landes. Rund 1800 Menschen sind dort beschäftigt.
Forstbezirk Schönbuch
Dieser ist einer von 21, in den ForstBW den Staatswald des Landes unterteilt hat. Er umfasst rund 13 300 Hektar und erstreckt sich von Tübingen im Süden bis nach Stuttgart-Weilimdorf im Norden und von Aidlingen im Westen bis nach Aichtal im Osten. Der Forstbezirk ist wiederum in zehn Forstreviere unterteilt.