Typisch Liegenpresse: Kolumnist KNITZ sinniert über erholsamen Schlaf in vollen Zügen und warum bei ihm da frühe Kindheitserinnerungen hochkommen.
Und, gut geschlafen? Falls nicht, vielleicht sollten Sie, liebe Leserinnen und Leser, es mal mit einer Nacht in einem Schlafwagen versuchen. KNITZ jedenfalls kann in Zügen wunderbar schlafen, solange die Position stimmt. Doch darüber gleich mehr.
In der Zeitung hat er gelesen, dass es eine neue Nachtzuglinie gibt, die Berlin und Paris verbindet. Der European Sleeper braucht für die Strecke sagenhafte 16 Stunden. KNITZ überlegt, ob er sich das nicht mal gönnen soll. 16 Stunden Schlaf hat er zuletzt in seiner Jugend geschafft. Inzwischen ist für ihn nach sechs Stunden die Nacht rum. Dann muss er raus aus der Falle, auch getrieben von der Furcht, wund zu liegen.
Aus dem Spiegel schaut ihn Brad Pitt an
KNITZ stellt sich das so vor: Er steigt in Berlin ein, nimmt einen Schlummertrunk in Form von zwei Bier und verabschiedet sich ins Reich der Träume. Kurz vor Paris Gare de l’Est wird er von einem charmanten Schlafwagenschaffner (gern auch Schaffnerin) geweckt. Er steht auf, schaut in den Spiegel und erblickt Brad Pitt. 16 Stunden Schönheitsschlaf gehen an niemandem spurlos vorbei.
KNITZ ist in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, also kurz nachdem die letzten Dampfloks ausrangiert wurden, regelmäßig an Wochenenden zwischen Stuttgart und Paris gependelt. Deshalb weiß er, dass er prima in Nachtzügen schlafen kann, selbst wenn er das Liegewagenabteil mal mit einem halben Dutzend anderen Menschen teilen muss, von denen nicht jeder die Reise frisch geduscht angetreten hat.
Die sanften Bewegungen des Waggons wiegen ihn in den Schlaf
Die sanften Bewegungen des Waggons wiegten ihn in den Schlaf. Vermutlich wurden dabei frühe Kindheitserinnerungen geweckt. Nur wenn der Zug für längere Zeit stand, wurde KNITZ wach.
Interessanterweise gelingt ihm dies nur im Liegen. Im Sitzen kann er zwar daheim erstklassig vor dem Fernseher einschlummern, aber nicht im Zug. Dies wurde ihm erstmals klar, als er mit anderen Studentinnen und Studenten nach Rom fuhr. Die Gruppe hatte mehrheitlich gegen Schlaf- und Liegewagen gestimmt. Aus Kostengründen. In Rom verstand KNITZ, weshalb die Sparfüchse geknausert haben: Sie investierten ihre Kohle lieber in überteuertes Bier.
Demokratie heißt auch, mit idiotischen Entscheidungen leben zu müssen
Aber der Ausflug hatte auch sein Gutes. Seither ist KNITZ bewusst, dass Demokratie auch bedeuten kann, mit idiotischen Entscheidungen leben zu müssen. Und er weiß, wie die Alpen bei Nacht ausschauen.
Eine ähnlich durchwachte Nacht durchlebte er mal in einem Zug, der ihn von einem malaysischen Dschungeldorf nach Singapur bringen sollte. Sämtliche besseren Plätze waren ausgebucht, er bekam nur noch ein Ticket für die Holzklasse, die mit unbequemen Plastiksitzen bestuhlt war. Immerhin auch dies eine gewinnbringende Erfahrung: Erstmals erfuhr KNITZ am eigenen Leib, dass Schlafentzug Folter sein kann.
Im Schlaflabor war er dann Tom Cruise
Ansonsten würde er sich als geradezu vorbildlicher Schläfer bezeichnen – so die Liegeposition hinhaut. Selbst in einem Schlaflabor ist er mal problemlos weggedöst, obwohl er am ganzen Körper verkabelt war und eine abenteuerlich anmutende Maske tragen musste, die mit einem staubsaugerartigen Schlauch verbunden war. Beim Blick in den Spiegel kam KNITZ in dem Fall nicht Brad Pitt in den Sinn, sondern Tom Cruise in „Top Gun“ als Pilot im Cockpit eines Kampfjets. Hauptsache Hollywood.