Im Schatten des Fußballs Unternehmer mit Herz für den Sport

Von Jürgen Frey 

Tobias Schimmelbauer (Mi.): Der Linksaußen des TVB 1989 Stuttgart arbeitet beim Hauptsponsor Foto: Baumann
Tobias Schimmelbauer (Mi.): Der Linksaußen des TVB 1989 Stuttgart arbeitet beim Hauptsponsor Foto: Baumann

In unserer Serie im Schatten des Fußballs geht es in Teil 6 um sportaffine Unternehmer, die ein Herz für die Vereine in der Region haben. Beispiele sind Hartmut Jenner, Ulrich Weiß oder Rainer Scharr. Insgesamt gibt es zu wenig Firmen, die ihre Verbundenheit mit der Region durch Sponsoring zeigen.

Stuttgart - Hartmut Jenner ist als Manager eines Weltunternehmens viel unterwegs und hat einen eng getakteten Zeitplan. Doch eines lässt sich der Vorsitzende der Kärcher-Geschäftsführung selten nehmen: den Besuch der Heimspiele des TV Bittenfeld, der künftig als TVB 1898 Stuttgart in der Handball-Bundesliga an den Start geht. Selbst ein gebrochener Arm hält Hartmut Jenner nicht davon ab, mit dem Team mitzufiebern und die Spieler anzufeuern. Mit seinem Unternehmen unterstützt das Aufsichtsratsmitglied des VfB Stuttgart nicht nur den Fußball-Bundesligisten, sondern auch die Handballer des TVB seit 2007, seit drei Jahren fungiert Kärcher als Hauptsponsor. Nach dem Aufstieg wurde der Vertrag bis 2017 verlängert und die Unterstützung aufgestockt.

„Die Region ist unglaublich handballbegeistert, viele unserer Mitarbeiter im Unternehmen sind Fans des TVB“, erklärt Jenner. Ihm gefällt die Vorstellung, wie David Bittenfeld in der neuen Saison in der Bundesliga die Goliaths der Handballbranche aufmischt. Die notwendigen Rahmenbedingungen sind bereits geschaffen. „Der Club ist hoch professionell organisiert. Das Management hat einen klaren Plan und eine schlüssige Strategie“, sagt Jenner. Die TVB 1898 Handball GmbH & Co. KG ist wirtschaftlicher Träger des Bundesligisten. Einer der fünf Gesellschafter ist Christian May, Geschäftsführer der Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH.

Würden die Strukturen nicht stimmen, wäre ein Engagement des Weltmarktführers für Reinigungstechnik undenkbar. So aber ist die Unterstützung vielschichtig. Früher war Fußball-Nationalspieler Sami Khedira Auszubildender bei Kärcher. In der abgelaufenen Saison waren vier Handballer des TVB im Unternehmen beschäftigt, darunter Torjäger Tobias Schimmelbauer. Der Chef kann dies anderen Unternehmen guten Gewissens empfehlen: „Ich habe mit Leistungssportlern sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie sind hoch konzentriert, willig und motiviert.“

Wie Jenner ist auch Ulrich Weiß ein großer Sportfan. Der Enkel des Gründers der Firma Leonhard Weiß unterstützt mit dem Bauunternehmen den Handball-Bundesligisten Frisch Auf. „Ich bin ein Göppinger Patriot“, sagt der Aufsichtsratschef von Frisch Auf, „die Verbindung ist über Jahrzehnte gewachsen.“ Noch nicht so lange gehört EWS zu den Partnern der Göppinger Handballer.

Seit 2008 ist das Werkzeugunternehmen Namensgeber der Heimspielstätte von Frisch Auf. Neben der Verbundenheit mit der Region und seinem sportlichen Aushängeschild streicht Matthias Weigele das Sportsponsoring als wichtigen „soft skill“ für die Gewinnung von neuen Mitarbeitern heraus. „Seit wir durch den Handball unseren Bekanntheitsgrad gesteigert haben, ist die Zahl der Initiativbewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet signifikant gestiegen“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer von EWS.

Immer mehr Menschen bringen auch den Namen Scharr mit Sport in Verbindung. Das Energiehandelsunternehmen aus Stuttgart-Vaihingen ist zweiter Hauptsponsor bei den Bundesliga-Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart und seit 2011 Namensgeber der Scharrena im Neckarpark. „Für uns als regional verwurzeltes Familienunternehmen passt ein regionales Sportteam wunderbar zu unserer Philosophie. Volleyball ist eine junge, sympathische Sportart und schön anzusehen“, schwärmt Rainer Scharr, der geschäftsführende Gesellschafter. Er unterstützt nicht nur das Bundesligateam, sondern auch den Nachwuchs. Von dieser Kombination erhofft er sich ein positives Image für seine Firma. Durch die aktuellen Erfolge der Mannschaft sei die Aufmerksamkeit spürbar gestiegen. „Bei einem attraktiven Produkt gehen plötzlich Türen auf“, betont Scharr, daher seien bei einem Sponsoring-Engage­ment immer Geduld und Durchhaltevermögen gefordert.

Natürlich können Jenner, Weiß oder Scharr keine Entscheidungen im Alleingang treffen, dennoch steht und fällt vieles mit solchen Schlüsselpersonen in den Unternehmen. Und das Problem ist: Allzu viele Unternehmer mit einem großen Herz für den Sport finden sich in der Region Stuttgart nicht. Christoph Wüterich, von 1999 bis 2005 Präsident des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) und Chef des Hockey-Bundesligisten HTC Stuttgarter Kickers, bedauert dies sehr: „Wann erkennen zum Beispiel Firmen wie Bosch, dass sie nicht nur Welt-Unternehmen sind, sondern auch Verantwortung für die Region Stuttgart tragen?“, fragt sich der Stuttgarter.

Wie sehr ein Verein von einem einzigen Sponsor abhängig sein kann, zeigt das Beispiel TTC Frickenhausen. Der deutsche Tischtennis-Meister von 2006 und 2007 startet nach dem Ausstieg von Haupt- und Namenssponsor Matec in der kommenden Saison freiwillig in der zweiten Liga. Der Hintergrund: Nach über 22 Jahren an der Spitze der Matec Maschinenbau GmbH hatte der tischtennisbegeisterte Firmengründer Erich Unger das Unternehmen vergangenen Herbst verlassen und die Geschäftsführung abgegeben. Sein Nachfolger setzte unter Druck der indischen Hauptgesellschafter beim Tischtennis-Engagement den Rotstift an. Den Entscheidungsträgern fehlt offenbar der Bezug für den Sport in der Region. Eine Stellungnahme war von Matec trotz eines vereinbarten Telefongesprächs nicht zu erhalten.

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