All das wurde einst im Osten produziert (von links oben im Uhrzeigersinn): Eva-BHs, Häuschen aus Zigarrenkisten, Silberwaren aus Berg und die Stössel-Laute. Foto: Jürgen Brand

Im Muse-O in Gablenberg wird am Samstag, 11. Juni, der zweite Teil der Ausstellung „Made in S-Ost“ eröffnet. Dort geht es unter anderem um BHs, Schlauch-Kupplungen und Schmierstoffe aus Gaisburg.

S-Ost - Für manche Wirtschaftssparten ist Stuttgart-Ost der Nabel ihrer Branchenwelt. Zum Beispiel wenn es um Schmierstoffe geht. In der Ulmer Straße im Gewerbegebiet Gaisburg hat die Firma Oelheld ihren Sitz. Sie stellt beispielsweise ein „Dielektrikum für das Drahterodieren und Senkerodieren“ her, außerdem Schleiföle, Schneidöle und wassermischbare Kühlschmierstoffe. Das Unternehmen gilt in seiner Spezialsparte als weltweit führend und ist ein Ur-Stuttgarter Betrieb. Gegründet wurde Oelheld als „Maschinenfette und Mineralölfabrik“ im Jahr 1887 von Carl Christian Held, Sitz war damals in der Rotebühlstraße in Stuttgart-West. Schon im Jahr 1927 zog der Betrieb an seinen heutigen Standort in Gaisburg um. Nach dem Krieg machte Oelheld gute Geschäfte mit dem Verkauf von Kraftstoffen, unter anderem an 15 eigenen Tankstellen der Marke DEA, von 1965 bis 2010 war das Unternehmen Gesellschafter von Avia. In den 1970er Jahren wurde der Geschäftsschwerpunkt auf Schmierstoffe verlagert und das Unternehmen internationalisiert. Heute beschäftigt Oelheld rund 70 Mitarbeiter.

Viele neue Informationen und Ausstellungsstücke

Das ist nur von 40 zum Teil überraschenden Geschichten, die in der neuen Ausstellung „Made in S-Ost – Teil 2“ im Muse-O in Gablenberg erzählt werden. Die Ausstellung ist die Fortsetzung der Jubiläumsschau über die Industriegeschichte des Stuttgarter Ostens vom vergangenen Jahr, in der man unter anderem erfahren konnte, dass die Flex in Stuttgart-Ost erfunden wurde. Auf die Ausstellung im vergangenen Jahr gab es so viele Rückmeldungen und Reaktionen, dass dem Ausstellungsmacher vom Museumsverein Stuttgart-Ost, Ulrich Gohl, schnell klar war, dass es eine Fortsetzung geben muss. Dank Suchaufrufen auch in dieser Zeitung sind neue Informationen und Ausstellungsstücke zusammen gekommen, die bis 16. Oktober in der Gablenberger Hauptstraße zu sehen sind.

1960 noch 450 Mitarbeiter

Eine der wichtigsten Branchen für den Stadtbezirk und damit auch wichtigster Arbeitgeber war die Textilbranche. Eines der einst größeren Unternehmen war die Eva Korsettfabrik Eugen Scheuing in der Schwarenbergstraße 98/100. Gegründet wurde das Unternehmen 1918 an der Sickstraße, 1922 zog der Betrieb in einen Neubau an der Schwarenbergstraße. Legendär wurde der Werbespruch aus der Zeit um 1930: „Dich sucht das Glück, Dich flieht das Alter, trägst Du den Eva-Büstenhalter.“ Um das Jahr 1960 beschäftigte das Unternehmen, das neben Büsten- und Hüfthaltern auch medizinische Textilien produzierte, 450 Mitarbeiter. Der Niedergang der Textilindustrie ab den 1960er Jahren traf auch Scheuing. Die Fabrik wurde in den 1970er Jahren geschlossen. Als Ausstellungsstück ist eine Rosenthal-Schale mit Werbung für den Eva-Büstenhalter zu sehen.

Ein anderes, heute noch aktuelles Ost-Produkt, ist die Schlauchkupplung Geka. Sie wurde 1932, vier Jahre nach der Firmengründung der Karasto Maschinen- und Apparatebau, patentiert. Das Fabrikgebäude war das Hinterhaus der Neuen Straße 32, die Büros waren in der Bussenstraße 56. Heute hat das Unternehmen seinen Sitz in Backnang.

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