Der Mistelzweig steht für Glück und Liebe – doch im Kreis Ludwigsburg sorgt er aktuell für Ärger: Verkäufer ziehen von Tür zu Tür, verunsichern Anwohner und beschäftigen die Polizei.
Wenn ein Paar sich zur Weihnachtszeit unter einem Mistelzweig küsst, so soll das Glück und ewige Liebe bringen. In vielen Kulturen gilt er als Symbol für Fruchtbarkeit und Leben. Derzeit sorgt die immergrüne Pflanze aber mitunter auch für Ärger – oder vielmehr deren Verkäufer, die im Kreis Ludwigsburg von Haustür zu Haustür ziehen und mitunter sehr vehement ihre Ware loswerden wollen.
In den Fokus rückten die Mistelzweig-Verkäufer, nachdem am 15. November in Oberstenfeld eine Seniorin von einer Unbekannten erpresst worden war. Letztere hatte einen Notfall vorgetäuscht, woraufhin die Seniorin mit ihrem Auto angehalten hatte, um der Frau zu helfen. Stattdessen saß die aber plötzlich auf der Rückbank und forderte Geld – und ließ einen Mistelzweig zurück. Die Polizei prüfte daraufhin einen Zusammenhang mit zwei Männern, die am selben Tag im Ort mit Misteln unterwegs waren. „Wir gehen davon aus, dass die Frau zum Kreis dieser Verkäufer gehört“, erklärt Pressesprecherin Victoria Zahler. „Die Erpressung ist jedoch ein Einzelfall.“
Die Mistelzweigverkäufer gehen „sehr offensiv“ vor
Eine Facebook-Nutzerin aus Oberstenfeld hatte die Männer ebenfalls gesehen: „Samstag lief hier bei uns jemand mit Zweigen von Haus zu Haus.“ Eine andere Frau ergänzte, dass ihr in Großbottwar bereits Mistelzweig-Verkäufer begegnet seien, die äußerst aufdringlich waren: „Erst auf Androhung, dass ich den Hund rauslasse, sind sie gegangen.“ Auch in Flein (Kreis Heilbronn) sind die Verkäufer bereits bekannt. Eine Nachfrage bei der Polizei förderte zudem weitere Meldungen aus Oberriexingen, Murr und Ingersheim zutage.
In den meisten Fällen klingelten Personen an den Haustüren und boten dann „sehr offensiv“ Mistelzweige an, so die Polizei weiter. Doch geht es dabei wirklich nur um Geld? Einige Nutzer auf Facebook spekulieren, dass die Unbekannten eigentlich Wohnungen für künftige Einbrüche ausspionieren. Dafür gebe es laut Polizei derzeit allerdings keinerlei Anhaltspunkte: „Es wird derzeit davon ausgegangen, dass der Verkauf und die damit verbundenen Geldeinnahmen die Hauptintention der Täter sein dürften.“
Für den Verkauf von Misteln braucht es eine Genehmigung
Im Übrigen kann auch der Verkauf der Mistelzweige bereits unrechtmäßig sein. Zum einen wird für Haustürgeschäfte eine sogenannte Reisegewerbekarte benötigt. Diese könne man sich im Zweifel vorzeigen lassen. Für den Verkauf von Misteln bedarf es zudem einer Erlaubnis der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, wie generell für wildlebende Pflanzen.
Doch wie verhält man sich nun am besten, wenn Mistel-Verkäufer an der Haustür klingeln? Die Polizei rät dazu, die Tür nicht sofort zu öffnen, sondern zunächst beispielsweise per Gegensprechanlage in Erfahrung zu bringen, was das Anliegen ist. „Sollte Ihnen das Verhalten oder Vorgehen der Personen verdächtig vorkommen, verständigen Sie die Polizei“, heißt es weiter. Und: „Keinesfalls sollten Sie diese Personen in Ihre Wohnung lassen.“