Jeremy Strong, Rafe Spall, Hamish Linklater, Steve Carell, Jeffrey Griffin und Ryan Gosling (v. li.) in „The Big Short“ Foto: Paramount

Die Broker in „The Big Short“sind gierig, aber etwas cleverer als der Rest. Sie wirken weder überlebensgroß noch diabolisch und basieren fast alle auf realen Vorbildern, beschrieben in Michael Lewis’ gleichnamigem Reportagebuch über die Hintergründe der Immobilienkrise von 2007, die zur weltweiten Finanzkrise führte.

Stuttgart - Die Finanzwelt gilt als trockenes und kompliziertes Sujet in Hollywood. Oliver Stones zwei „Wall Street“-Filme oder Martin Scorseses „The Wolf Of Wall Street“ fokussieren bei aller Kritik an der modernen Finanzwirtschaft immer auf Figuren, die selbst in ihrer Habgier und Egomanie faszinieren, überlebensgroß wirken.

In „The Big Short“ fasziniert eher die Banalität der Blindheit, in der Banken mit immer riskanteren Anlagemodellen in die Finanzkrise stolpern, der Realitätssinn vernebelt durch kurzfristige Gewinne und permanente Selbsteuphorisierung. Der Film schaut auf Figuren, die auch gierig sind, aber etwas cleverer als der Rest. Sie wirken weder überlebensgroß noch diabolisch und basieren fast alle auf realen Vorbildern, beschrieben in Michael Lewis’ gleichnamigem Reportagebuch über die Hintergründe der Immobilienkrise von 2007, die zur weltweiten Finanzkrise führte.

Hedgefondsmanager Michael Burry ist ein Zahlengenie mit Asperger-Syndrom, das nicht nur wegen seines Büro-Outfits – barfuß, kurze Hosen, ausgeleierte T-Shirts – wunderlich wirkt und die Krise früher voraussieht als alle anderen. Wegen der gewaltigen Menge ungedeckter Kredite prognostiziert er schon 2005 den Zusammenbruch des Immobilienmarkts und entschließt sich, auf dessen Niedergang zu wetten. „Short-trading“ heißt im Finanzjargon eine Wette auf fallende Kurse, Burry wagt also den „Big Short“. Die Vertreter der großen Banken halten ihn für verrückt, der Immobilienmarkt sei „rock solid“, grundsolide. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Christian ­Bale agiert gewohnt überzeugend und hat sich für die Rolle ein paar Kilo angefuttert.

McKay ist ein böse und bissige Farce gelungen, die bestens unterhält und sogar erhellende Wirkung entfaltet.

Nur wenige folgen Burrys Beispiel und setzen auf Niedergang: Der Deutsche-Bank-Broker Jared Vennett (Ryan Gosling), der Hedgefondsmanager Mark Baum (großartig als zwischen Selbstzerfleischung und Gewinnstreben zerrissener Choleriker: Steve Carrell) und seine Entourage sowie die jungen Nachwuchsinvestoren Charlie Geller (John Magaro) und Jamie Shipley (Finn Witt­rock), die sich Rat und Hilfe vom ehemaligen Banker Ben Rickert (Brad Pitt) holen.

Ein ansehnliches Starensemble macht noch keinen guten Film, und Regisseur McKay war zuletzt eher durch pubertäre Klamotten wie „Anchorman“ aufgefallen. Dennoch schafft er es, aus der komplizierten Materie und dem unübersichtlichen Personengeflecht eine recht böse und bissige Farce zu machen, die zwar mitunter ob der Faktenfülle verwirrt, aber oft auch bestens unterhält und sogar erhellende Wirkung entfaltet. Etwa wenn eine Stripperin dem fassungslosen Baum beim Lapdance von ihren fünf Häuserhypotheken erzählt, worauf diesem das Ausmaß der Immobilienblase erst richtig klarwird. Oder in Szenen, in denen McKay auch formal einiges wagt und seine Protagonisten direkt zum Publikum sprechen lässt, um Sachverhalte in einer Art satirischer „Sendung mit der Maus“-Manier zu erläutern.

Meist macht dies der als Erzähler fungierende Vennett, doch manchmal auch reale Figuren wie die Sängerin und Schauspielerin Selena Gomez und der Wirtschaftswissenschaftler Richard Thaler, die mit Hilfe einer Partie Black Jack den irrwitzigen Handel mit sogenannten synthetischen CDO erklären. Was genau das ist, würde zu beschreiben hier den Rahmen sprengen, aber nach Gomez’ und Thalers Beispiel hat man es begriffen. Allein dafür lohnt sich der Film.

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