David Hockney Foto: Verleih

Der Brite David Hockney hat das Pop-Art-Zeitalter mit geprägt und dabei stets verneint, ein Teil davon gewesen zu sein. Ein Dokumentarfilm setzt dem eigenwilligen Streiter für die Rechte Homosexueller nun ein Denkmal.

Haben Blonde tatsächlich mehr Spaß? „Blonds have more fun“, versprach eine Fernsehwerbung, die David Hockney sah, als er als junger Mann zum ersten Mal in New York war. Der Nachwuchskünstler zog sofort los, um sich das Wundermittel zu besorgen – und machte als erblondeter Clown mit lustiger Brille Karriere über die Kunstszene hinaus. Heute gilt der Brite als einer der wichtigen Künstler, die den Aufbruch nach dem Zweiten Weltkrieg mit prägten.

 

Der britische Filmemacher Randall Wright, der bereits dem US-amerikanischen Maler Lucian Freud in „A Painted Life“ ein Kino-Denkmal setzte, kennt David Hockney seit vielen Jahren. Er schätzt seinen Landsmann nicht nur als Star der Kunstszene, der brillant über sein Metier sprechen kann, der für Raucher Partei ergreift und sich bereits in einer Zeit zu seiner Homosexualität bekannte, als Schwulsein in Großbritannien noch strafbar war. Auch diese Facetten scheinen auf, doch die Dokumentation „Hockney“ forscht vor allem nach dem verletzlichen Wesen hinter dieser Fassade. Zu erleben ist ein Künstler, der mit offenen Armen auf die Welt und mögliche Motive zugeht.

Filmmaterial und Fotos aus Hockneys Archiv lassen darüber hinaus eine Lust am Dokumentieren erkennen, die selbst im Selfie-Zeitalter verblüfft. Die Flut an Bildern war Futter für Hockneys Kunstmaschine: In den 1980ern klebte er aus unzähligen Detailaufnahmen eine neue Wirklichkeit zusammen, die mit kubistischen Perspektivbrüchen zugleich hinter die Dinge schaute. Und immer wieder waren Fotos Vorlagen für die stillen Bilder Hockneys, die in den Lichtreflexen eines Pools oder in der Anordnung eines Paars samt Katze im Wohnzimmer Abgründe aufscheinen lassen.

Besonders eindrücklich: Hockneys Erinnerungen an die Eltern

Dazwischen tauchen sehr private Momente auf, die Hockney als sensiblen, einsamen Menschen zeigen: weinend auf dem Bett, nachdem ihn die erste große Liebe, der Kunststudent Peter Schlesinger, verlassen hat; in traurigem Gedenken an die vielen Freunde, die er durch Aids verloren hat.

Besonders eindrücklich sind Hockneys Erinnerungen an die Eltern, die er immer wieder gemalt und gefilmt hat und die er nun einfühlsam mit Worten beschreibt. Wie seine ersten Erinnerung, die Schreie der Mutter, als deutsche Bomben im Zweiten Weltkrieg auf seinen Geburtsort Bradford fallen. „Als Kind bekommst du Angst, wenn deine Mutter Angst hat“, erzählt er. Grau und beengt setzt der Film die Reihenhauskulisse in Szene, in der David Hockneys Kindheit spielte.

Größer könnte der Kontrast kaum sein zu den mondänen Hollywood-Szenerien, die den Maler dann berühmt machten, und seinen späten, schrillfarbigen Landschaften, die im Großformat die Kinoleinwand zum Leuchten bringen.

Regisseur Randall Wright fügt alles sehr lebendig zusammen

Zwischen Großbritannien und Kalifornien, zwischen Studium und ersten Erfolgen im Umfeld der Pop-Art: Randall Wright breitet ein Künstlerleben mit epischer Geste aus, lässt Galeristen und Kollegen, Porträtierte und Freunde zu Wort kommen, spürt Orten, Menschen und Zeiten aus Hockneys Werken nach – und fügt alles sehr lebendig, ja manchmal durchaus chaotisch zusammen.

Da sprechen Personen, die zwar Namen haben, deren Beziehung zu Hockney aber nicht erklärt wird. Nicht so schlimm: Ihre Erinnerungen und Hockneys Bildwelt verflicht diese Dokumentation zu einem intensiven Eintauchen in die Kunst eines Einzelgängers, der von sich sagt: „Ich male, was ich will, wann ich will und wo ich will.“ (in Stuttgart im Atelier am Bollwerk)