Maria Fjodorowna Foto: Landesmuseum Württemberg

„Im Glanz der Zaren“ heißt die Große Landesausstellung im Landesmuseum Württemberg. Sie beleuchtet die engen Beziehungen zwischen dem Zarenhof in St. Petersburg und dem Königreich Württemberg. Unsere Serie stellt die zentralen Frauenfiguren vor. Heute: Prinzessin Sophie Dorothee.

Sie darf Kind sein. Spielen, lachen und das tun, wonach ihr gerade war. Daraus schöpft Sophie Dorothee von Württemberg, spätere Kaiserin Maria Fjodorowna von Russland, auch noch in ihrer Zeit in Russland Selbstvertrauen. Geboren wird sie am 25. Oktober 1759 als Tochter von Herzog Friedrich ­Eugen von Württemberg und Herzogin Friederike Dorothee Sophie. Die Eltern orientieren sich in der Erziehung an Jean-Jacques Rousseau und Voltaire. Der französische Philosoph Rousseau hatte 1762 seinen Erziehungsroman Emile oder über die Erziehung veröffentlich, in dem er dafür plädiert, Kinder als Kinder und nicht als kleine Erwachsene zu behandeln.

Nicht nur geistig wächst Maris im Geist der französischen Aufklärung auf, sondern auch geografisch. Gemeinsam mit ihrer ­Familie lebt sie in der linksrheinischen württembergischen Enklave Mömpelgard.

Die Kinder werden von der Zarin unter die Fittiche genommen

Gestärkt mit diesem Selbstbewusstsein trat die junge Frau auch ihrer Schwiegermutter entgegen. 17 ist Sophie, als sie ­Katharina die Große begegnet. Die russische Zarin und der preußische König Friedrich der Große, ein Großonkel von Sophie, hatten die Ehe arrangiert und erhofften sich engere Beziehungen zwischen Preußen und Russland. Aus Sophie wurde nach der Eheschließung mit dem Großfürsten Paul am 27. September 1776 Maria Fjodorowna.

Das Selbstbewusstsein ihrer für ihre Schönheit gefeierten Schwiegertochter bekommt die Zarin nach der Geburt ihres Enkels, des späteren Zaren Alexander I., zu spüren. Maria will nicht, dass die Erziehung ihrer Sohnes allein von der Zarin bestimmt wurde und sie das Kind nur einmal alle zwei Wochen sehen darf. Auch er soll, wie sie frei und unbeschwert aufwachsen. Doch die Zarin setzt sich durch. Auch Marias zweiter Sohn Konstantin wird von Katharina unter die Fittiche genommen. Sogar die Namen der beiden Jungen wählt die Herrscherin allein aus. Die Staatsräson steht über der Mutterliebe. Erst bei ihren sechs Töchtern und den zwei weiteren Söhnen ist es Maria vergönnt, sie in ihrem Sinn zu erziehen.

Auch ihrem Ehemann macht Maria von Anfang an klar, dass sie kein scheues Wesen war. Paul hatte seiner künftigen Frau vor der Vermählung mitgeteilt, sie müsse Russisch lernen, das Land kennen, sparsam und sanft sein. Maria erwiderte knapp, sie sei bereit für das Leben am russischen Hof. Gleichwohl werden aus Vertragspartnern Liebende. „Dieser liebe Ehemann ist ein ­Engel, ich liebe ihn bis zum Wahnsinn“, schreibt die frisch verheiratete Maria ­Fjodorowna .

Zarin Maria Fjodorowawar ein echtes PR-Genie

Ob diese glühende Liebe auch die nächsten Jahre anhielt, ist nicht zu sagen, jedoch hielt Maria zu ihrem Mann. 1796, nach dem Tod Katharinas der Großen, wird Paul Zar von Russland. Das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter provoziert ihn zu einem Erlass, in dem er festlegt, dass nur männliche Nachkommen den Thron besteigen dürfen. Seiner Frau überträgt er die Leitung der Wohltätigkeits- und Bildungsinstitute des Landes. Bis zum ihrem Tod leitete sie 40 verschiedene Einrichtungen darunter die erste russische Lehranstalt, die Frauen eine höhere Bildung ermöglicht. Dabei weiß die Zarin Maria Fjodorowa ihr Auftreten wirksam zu inszenieren. Wenn sie eine Einrichtung für Waisen oder Obdachlose besucht, ist stets dafür gesorgt, dass hinterher darüber gesprochen wird. Heute würde man sagen, dass sie ein echtes PR-Genie war.

Auch in das Leben ihrer Kinder mischt sich Maria ein. So setzt sie die Heiratspolitik ihrer Schwiegermutter erfolgreich fort. Ihr Ziel: den russischen Einfluss in Europa zu festigen und ihre Position am Hofe zu stärken. So bleibt sie nach dem Tod ihrer Mannes als Kaiserin-Mutter am Hof und mischt sich immer wieder in die Innen- und Außenpolitik ihres Sohnes Alexander I. ein. Einmal Zarin immer Zarin. Mit diesem Bild von sich selbst, verstirbt Maria am 24. Oktober. 1828 im Winterpalais von St. Petersburg.

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