Das Bild von Franz Xaver Winterhalter zeigt die Kronprinzessin Olga von Württemberg. Foto: Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Die engen Beziehungen zwischen dem Zarenhof in St. Petersburg und dem Königreich Württemberg beleuchtet „Im Glanz der Zaren“, die Große Landesausstellung im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart. Unsere Serie stellt die zentralen Frauenfiguren vor. Dieses Mal: Königin Olga.

Die engen Beziehungen zwischen dem Zarenhof in St. Petersburg und dem Königreich Württemberg beleuchtet „Im Glanz der Zaren“, die Große Landesausstellung im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart. Unsere Serie stellt die zentralen Frauenfiguren vor. Dieses Mal: Königin Olga.

Stuttgart - Olga ist in Stuttgart präsent: Da gibt es die Olgastraße, das Olgahospital, das Karl­Olga-Krankenhaus und das Königin-Olga-Stift. Vor allem mit ihrem sozialen Engagement ist die württembergische Königin aus dem russischen Zarenhaus in Erinnerung geblieben. Im Mittelpunkt ihres karitativen Wirkens steht die Fürsorge für Kinder und Blinde. In Stuttgart gründet sie ein Kinderkrankenhaus und in Reutlingen die Heil- und Pflegeanstalt Mariaberg für geistig behinderte Kinder.

Sie selbst wird nie Mutter und leidet ­darunter ein Leben lang. Denn Olga ist ein Familienmensch. Geboren wird sie am 11. September 1822 als Tochter des späteren Zaren Nikolaus I. in St. Petersburg. Olly, wie sie von ihrer Familie genannt wird, verbringt, umgeben von ihrer Familie, eine glückliche Kindheit. Ihr Vater, der unter seiner schlechten Ausbildung gelitten hatte, sorgt dafür, dass seine Kinder neben Sprachen auch Mathematik lernen.

Prinzessin leidet unter Heimweh

Olga hat ihr Leben lang ein inniges Verhältnis zu ihrem Vater und stellt auch nie seine autokratische Regierungsführung infrage. Nachdem sie ihre Familie verlassen hat, leidet die Prinzessin unter Heimweh und versucht durch intensive Korrespondenz auf Französisch den Kontakt zur Familie in Russland aufrechtzuerhalten.

Sobald Olga ins heiratsfähige Alter kommt, halten ihre Eltern Ausschau nach geeigneten Kandidaten. Alexander von Hessen erobert das Herz der jungen Prinzessin, gilt aber, weil er nur der Zweitgeborene ist, als nicht standesgemäß für eine Zarentochter. Schließlich will Zar Nikolaus mit der Hochzeit auch dynastische Beziehungen knüpfen.

Bei einem Aufenthalt in Palermo trifft die 24-Jährige dann ihren zukünftigen Ehemann: Kronprinz Karl von Württemberg. Wie ihre Tante Katharina zieht die junge Frau von Russland nach Stuttgart. Olga ist ausgestattet mit einer stattlichen Aussteuer, die im Alten Schloss ausgestellt wird und die die Stellung und den Reichtum der russischen Zarentochter verdeutlichen soll.

Anfänglich ist das junge Paar glücklich. 1853 wird die Villa Berg eingeweiht. Die Residenz hat das Paar im Stil der italienischen Hochrenaissance erbauen lassen. Den Bau mit der prunkvollen Ausstattung finanziert Olga aus ihren Mitteln.

Affären des Königs offenes Geheimnis

Doch das Glück ist nicht von Dauer. Olga leidet unter ihrer Kinderlosigkeit. Ihr Man Karl stürzt sich in romantische Abenteuer mit verschiedenen Männern und vernachlässigt seine Ehe und seine Regierungsgeschäfte. So soll er 800 Dokumente unbearbeitet auf seinem Schreibtisch liegen gelassen haben. Die Affären des Königs sind ein offenes Geheimnis, aber Olga hält zu ihrem Mann.Als Zarentochter weiß sie, wie man Fassaden aufrechterhält. Königin zu sein ist ihr Beruf.

Trotz aller Spannungen bleibt der ­Umgang zwischen den Eheleuten respektvoll und höflich. Die gemeinsame Liebe zu Kunst, Theater und Literatur bringt die Eheleute wieder etwas näher zusammen. Auch die Adoption von Olgas Nichte Wera Konstantinowna 1871 entspannt das Verhältnis zwischen den Eheleuten und schafft ein Familiengefühl. Obwohl Olga nun endlich eine Familie hat, vernachlässigt sie nicht ihr soziales Engagement für Kinder. So übernimmt sie die Patenschaft für die Tochter des Gärtners der Villa Berg. Die Mutter des Mädchens war bei der Geburt gestorben. Olga schenkt ihr einen goldenen Armreif und kümmert sich um ihre Ausbildung.

Außerdem gründet sie die Nikolauspflege, eine Einrichtung für blinde Menschen, die noch heute besteht. Benannt hat Olga die Einrichtung nach ihrem Vater Zar Nikolaus I. Olga wird auch über die Grenzen von Württemberg und Russland hinaus bekannt. In Australien wird ein Berg nach ihr benannt.

Olga fördert neben sozialen Einrichtungen auch die Naturwissenschaften.

Die Fertigstellung eines weiteren Bauwerks, welches die Königin stiftet, erlebt sie selbst nicht mehr. Auf das Bestreben der Königin wird in der Seidenstraße die Russische Kirche erbaut. Denn obwohl Olga ins protestantische Haus Württemberg eingeheiratet hatte, ist sie dem russisch-orthodoxen Glauben immer treu geblieben: ein Privileg der gebürtigen Zarentochter. Die Kirche wird 1895 eingeweiht. Die Königin stirbt drei Jahre zuvor und wird in der Schlosskirche in Stuttgart beigesetzt.

Die Fertigstellung der Russischen Kirche überwacht ihre Adoptivtochter Wera. Auch die Schirmherrschaft über die zahlreichen sozialen Einrichtungen, die Olga gegründet und unterstützt hatte, werden von ihr übernommen – ganz im Sinne des Familienmenschen Olga.

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