Anja Uhlemann ist seit 2004 ehrenamtlich im Tierheim aktiv. Sie ist eine der Katzenstreichlerinnen, die die Katzen wöchentlich besucht und bespaßt. Foto: lf

Im Esslinger Tierheim streicheln Menschen ehrenamtlich Katzen. Auch scheue Tiere sind mit dabei. Worauf es beim Streicheln ankommt. Ein Besuch im Katzenhaus.

Die kleine Katze Sally tänzelt mit ihren Pfoten über die Fliesen ihrer Box im Katzenhaus des Esslinger Tierheims. Sie springt nach einer Maus aus Stoff, die an einer Angelschnur hängt. Anja Uhlemann bewegt die Angel durch den Raum, die der grau-braunen Katze immer wieder entwischt. Als ehrenamtliche Katzenstreichlerin weiß sie, wie sie die Katze spielerisch beschäftigen kann.

 

Seit 2004 ist Anja Uhlemann ehrenamtlich im Tierheim aktiv. „Ich wollte immer gerne etwas mit Tieren machen und konnte damals selbst keine halten“, erzählt sie. Gemeinsam mit anderen rief sie vor Jahren dieses Ehrenamt ins Leben. Neben dem Streicheln organisiert sie Veranstaltungen und Feste, die jährlich im und außerhalb des Tierheims stattfinden.

Inzwischen hat Sally die grün gemusterte Maus gefangen und trägt sie durch ihre Box. Ab und zu springt sie auf die Knie der Ehrenamtlichen. Um gekuschelt zu werden und von dort auf den Kratzbaum zu gelangen. Währenddessen beobachtet Uhlemann sie – bereit weiterzuspielen. Doch wie kommt man dazu, Katzenstreichlerin zu werden? Und welche Voraussetzungen gibt es für Interessierte?

Zwischen Kratzbäumen und Kuschelkörben

Durch einen Aufruf auf der Webseite des Tierheims fanden Uhlemann und ihre Mitorganisatorinnen Interessierte für das Streichel-Ehrenamt. „Wir wollten etwas Gutes tun, um das Tierheim zu unterstützen“, erzählt die 56-Jährige.

Der Einstieg ist unkompliziert: Bei einer Infoveranstaltung lernen Interessierte die Regeln und den Umgang mit den Katzen kennen. Beim ersten Besuch begleiten erfahrene Katzenstreichlerinnen die Neulinge, um Fragen zu klären und ihnen den Einstieg zu erleichtern. Wer weitermachen möchte, trägt sich in einen Kalender ein. Bestimmte Qualifikationen braucht es nicht – nur die Schulung, Tierliebe, Fingerspitzengefühl, Zeit und Volljährigkeit.

Sally spielt gerne mit der Angel. Am Ende der Schnur hängt eine kleine Maus aus gemustertem grünen Stoff. Foto: lf

Montags, mittwochs, freitags und am Wochenende kommen die Ehrenamtlichen zum Streicheln. Allein oder maximal zu zweit verbringen sie zweieinhalb bis drei Stunden bei den Tieren: spielend, tobend und kuschelnd. „Die Hauptaufgabe ist das Streicheln“, erklärt Uhlemann. Boxen säubern und das Füttern gehöre nicht dazu, die meisten würden es aber gerne machen. Während des Aufenthalts sollen die Streichler maximal in zwei Boxen gehen. „Besser ist es, sich mit einer oder zwei Katzen zu beschäftigen, als mit jeder nur fünf Minuten.“

Die Tiere leben einzeln oder zusammen, umgeben von Kratzbäumen, Kuschelkörben und Spielsachen. Eine extra Box hält weitere Spielzeuge bereit. Besonders beliebt seien die Angeln – doch mit der Schnur könnten sich die Katzen strangulieren. Deshalb werden sie nach dem Spielen weggeräumt. Als Uhlemann sich von Sally verabschiedet, muss sich die kleine Katze deshalb anderweitig beschäftigen.

Wenn Katzen auftauen – der Umgang mit scheuen Katzen

Immer wieder zieht durch die Flure des Katzenhauses ein Miauen. Fast jede Box ist dort besetzt. Die Katzen kommen aus den unterschiedlichsten Gründen in das Esslinger Tierheim und jede von ihnen hat einen eigenen Charakter. Bei scheuen Katzen gibt es Tipps für das Verhalten gegenüber den Tieren. „Zuerst sollte die Person einfach in die Box gehen, präsent sein und leise reden. Die Katze soll merken: Der Mensch tut mir nichts und bedrängt mich nicht“, sagt Uhlemann. Mit der Zeit kommt die Annäherung. Wichtig sei, die Reaktion des Tieres abzuwarten und zu lesen. „Wenn sich die Katze dann gewöhnt hat, steigen auch ihre Vermittlungschancen.“ Es sei besonders schön, wenn scheue Katzen auftauen und nach längerer Zeit im Tierheim ein Zuhause finden.

Auch wenn die Ehrenamtlichen manche Katzen besonders ins Herz schließen, wie Uhlemann erzählt, wünschen sie sich für jede Katze ein Zuhause. „Klar, sind die Katzen dann weg, aber es überwiegt immer die Freude“, sagt sie. Wird eine Katze adoptiert, regeln die Angestellten des Tierheims die Abholung durch die neue Familie. Wenn es möglich ist, verabschieden sich die Ehrenamtlichen aber vorher noch, erzählt Uhlemann. Es sei auch schon vorgekommen, dass Streichlerinnen selbst eine Katze adoptiert hätten.

Es gebe aber auch traurige Momente im Ehrenamt. Zum Beispiel, wenn eine Katze eine unheilbare Krankheit hat und im Tierheim stirbt. „Das kann leider auch passieren. Das ist dann sehr traurig“, sagt Uhlemann. „Dann versucht sich die Person zu sagen, dass sie dem Tier noch etwas Gutes getan hat. Aber es ist nicht einfach.“ Für Anja Uhlemann ist das Ehrenamt trotzdem sehr bereichernd: „Es ist einfach ein Ausgleich und eine Entschleunigung mit den Tieren.“ Und auch die kleine Katze Sally wirkt sehr zufrieden.

Tierheim Esslingen

Ehrenamt
Im Moment sind die Plätze für die ehrenamtlichen Katzenstreichelnden voll. Wenn es wieder freie Plätze gibt, gibt es dazu Infos auf der Webseite des Tierheims. Das Tierheim benötigt allerdings Geld- und Sachspenden. Informationen dazu gibt es auf der Webseite: www.tierheim-esslingen.de