Im August darf Malaika Mihambo wieder zeigen, was sie kann. Foto: dpa/Tom Weller

Die Sportler können es kaum erwarten, im August wieder Wettkämpfe zu bestreiten. Das Programm ist bis Oktober allerdings dicht gedrängt.

Stuttgart - Die Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo komponiert in der Corona-Krise. Noch in diesem Jahr soll ihre Sonate fertig werden. Die Stabhochsprung-Olympiasiegerin Katerina Stefanidi nimmt derweil an einem vom Leichtathletik-Weltverband initiierten Fernvergleich namens „Garden clash“ teil. Dort übersprang die Griechin innerhalb von 30 Minuten 34 mal die Vier-Meter-Marke und setzte sich gegen die US-Hallenmeisterin Katie Nageotte durch. Die brachte 30 Sprünge zustande – auch nicht schlecht.

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Es wird Zeit, dass es wieder losgeht; so sehr sich die Musikfreunde natürlich auf die Sonate von Malaika Mihambo freuen. „Ich glaube, die Athleten sind erwartungsvoll, denn das Messen mit anderen ist wichtig“, sagt der Jürgen Kessing. Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen findet es gut, dass im August wieder mit den großen Leichtathletik-Meetings begonnen werden soll. Es geht ihm um die Motivation der Athleten, doch soll auch gezeigt werden, dass es die Leichtathletik noch gibt.

Wichtig für die Aktiven

Die Veranstaltungsangebote sind schließlich nicht nur wichtig für die Sportler, die endlich wieder zeigen dürfen, was sie draufhaben. Die Meetings sind vor allem für die Leichtathletik essenziell. „Sonst denken die Leute, es gibt nur die, die hinter der runden Kugel herrennen“, sagt Kessing und provoziert damit die gewaltige Fußball-Lobby im Land. „Nein“, betont der DLV-Chef, „es gibt auch noch andere, die einen ordentlichen Sport machen – und das auf sehr hohem Niveau. Es ist wichtig, da den Finger zu strecken.“

Den Start, auf welchen Stars wie Malaika Mihambo oder der deutsche Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul noch etwas warten müssen, hält auch die Chef-Bundestrainerin Anett Stein für richtig – ihr geht es da vor allem um die Athleten. „Sie wollen nach der Wettkampfpause und der Verschiebung der Olympischen Spiele von 2020 auf 2021 in Tokio jede Chance nutzen, um Wettkämpfe zu bestreiten“, sagt Stein, die das aus zahlreichen Gesprächen mit Disziplintrainern und Sportlern immer wieder erfahren hat.

Alternativloser Start

Die Frage, ob es nicht eine Alternative gewesen wäre, zur Sicherheit in diesem Jahr eine komplette Pause zu machen, um dann 2021 wieder richtig anzugreifen, hat sich die Bundestrainerin so nie gestellt. „Ich halte nichts von Spekulationen. Wir haben uns dafür entschieden, zu versuchen, eine Late Season zu gestalten, in der es wieder Wettkampfangebote für jeden einzelnen gibt“, sagt Anett Stein. Im Hinblick auf das kommende Olympiajahr ist der Re-Start im August also notwendig. Jürgen Kessing pflichtet der Trainerin bei: „Nur zu trainieren ohne festes Ziel und nur für eines, dass in sehr weiter Ferne liegt, ist schwierig.“ Man sehe ja schon, welche Motivationstäler verletzte Sportler durchlaufen würden, die sechs oder acht Wochen Pause machen müssten, sagt der Verbandschef.

Der Kalender vor, dass die Diamond-League-Veranstaltungen Mitte August (in Monaco) beginnen und im Oktober enden – wohl ohne Zuschauer. „Wir möchten unseren Athleten Klarheit über ihren Kalender geben. Spekulationen von Medizinern und Wissenschaftlern helfen uns nicht weiter“, sagt Sebastian Coe, der Chef des Leichtathletik-Weltverbandes World Athletics selbstbewusst. Man werde sich zwar daran halten, was Regierungen, die WHO oder lokale Behörden im Hinblick auf Hygiene-Vorschriften sagen, doch müsse die Leichtathletik auch eigene Wege gehen und Kompromisse finden, so der Brite. Für eine Infektionsgefahr etwa bei der Staffelübergabe werde man sich schon etwas einfallen lassen.

Der Kalender gönnt keine Pausen

Der Kalender von August bis Oktober ist dicht gedrängt. „Termin-Kollisionen wie sie offensichtlich im Radsport der Fall sind, sehe ich derzeit nicht, zumal ja neben Olympia auch die Europameisterschaften Ende August abgesagt wurden“, meint Anett Stein, auch haben nicht alle Athleten einen Diamond-League-Starplatz. „Das ist ein relativ gestauchtes Programm, da muss man ja auch nicht jedes Meeting mitnehmen“, sagt derweil Jürgen Kessing. Auch sind die Reise-Möglichkeiten noch undefiniert. „Bei allem ist noch viel Hoffnung dabei.“

Die Pläne hat der Weltverband mit den Veranstaltern abgestimmt. Jedes Diamond-League-Meeting ist noch nicht durchgeplant, weil es keine strukturierte Serie mit festgelegten Disziplinen geben wird. Die Disziplinen werden erst jeweils zwei Monate vor der Austragung einer Veranstaltung festgelegt, auch sollen alternative Wettkampfformen zum Einsatz kommen. Wohl deshalb findet in diesem Jahr auch kein Finale in Zürich statt. Alles in allem verlieren 2020 nicht nur die Veranstalter viel Geld, sondern auch die Athleten. Anett Stein macht ihren Aktiven in dieser Hinsicht allerdings Hoffnung: „Bei massiven finanziellen Problemen stehen wir für Gespräche zur Verfügung“, sagt sie. Man werde dann mit den Athleten überlegen, wie geholfen werden kann.

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