Eine halbe Million Menschen in Deutschland sollen laut Schätzugen glücksspielsüchtig sein. (Symbolfoto) Foto: dpa

Illegales Glücksspiel boomt und die Anbieter nutzen Gesetzeslücken schamlos aus. Der Staat muss härter durchgreifen, kommentiert Redakteur Thomas Wüpper.

Stuttgart - Lotto spielen, beim Fußball-Toto tippen, am Automaten daddeln – für Leute, die ihren Spieltrieb ausleben möchten, gibt es viele legale Möglichkeiten. Der Vorteil: Die Angebote sind streng reguliert und dienen über hohe Abgaben auch dem Allgemeinwohl. Mit dem grenzenlosen Internet ist jedoch eine Flut illegaler Online-Geschäftemacher hinzugekommen, die in virtuellen Casinos, mit Sportwetten und Rubbellosen hohe Gewinne versprechen, hiesige Verbote oft komplett ignorieren.

Bei der Bekämpfung dieser Missstände hat der Staat versagt. Der Ansatz, das staatliche Wettmonopol von Oddset aufzugeben und private Sportwetten zu erlauben, endete im Streit vor den Gerichten. Die Folge: Sportwetten-Anbieter haben weiter keine Konzession und betreiben damit faktisch seit Jahren ein illegales Geschäft. Dabei ist die Idee der Liberalisierung nicht falsch. So kann der Grau- und Schwarzmarkt eher ausgetrocknet werden als durch Prohibition, die Spieler in die Illegalität drängt.

Online-Anbieter ohne Lizenz

Noch bedenklicher sind die vielen Online-Casinos, Lotterie- und Wettanbieter, die oft ohne jede Lizenz im Internet ihr Unwesen treiben. Um den Wildwuchs zu bekämpfen, sollte der Staat zuallererst für mehr Aufklärung sorgen. Diese Aufgabe könnte eine nationale Aufsichts- und Vollzugsbehörde übernehmen, deren Schaffung längst überfällig ist. Das bisherige Kuddelmuddel unterschiedlichster Regelungen sowie die massiven Kontroll- und Vollzugsdefizite in vielen Bundesländern sind nicht mehr hinnehmbar. Der Staat muss mehr tun – sonst wird es bei geschätzt einer halben Million Spielsüchtigen in Deutschland gewiss nicht bleiben.

wirtschaft@stzn.de

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