Säckeweise Altkleider (Symbolbild): In Leonberg wird deren illegale Entsorgung zu einem immer größeren Problem. Foto: Archiv

Das Problem tritt laut Leonberger Verwaltung immer häufiger auf: Säcke mit Altkleidern werden einfach weggeworfen, offenbar mit System. Die Kleidung muss dann entsorgt werden.

Haufenweise blaue Plastiksäcke, augenscheinlich absichtlich am Rand eines Weges abgeladen. Ihr Inhalt: nicht illegal entsorgter Müll, sondern Altkleider, vermutlich einige davon noch brauchbar – eigentlich. Was nach Möglichkeit bedürftigen Menschen irgendwo auf der Welt hätte helfen können, wurde einfach weggeworfen.

 

Zu sehen ist der Säckeberg auf einem Foto, das jüngst in den Sozialen Medien aufgetaucht ist. Schauplatz ist der Rand des Gebersheimer Friedhofparkplatzes; es dürfte sich um rund 20 Behältnisse handeln. Ist der traurige Anblick ein Einzelfall? Mitnichten, wie die Leonberger Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilt.

Der jüngst aufgetauchte Altkleiderhaufen ist kein Einzelfall – im Gegenteil

„Die Stadtverwaltung hat Kenntnis davon“, antwortet die Pressesprecherin Leila Fendrich per E-Mail. Und leider sei es eben genau dies nicht: ein Einzelfall. „Die Menge der Altkleiderfunde hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen“, fügt sie hinzu.

Doch wer ist dafür verantwortlich? Wer lädt einfach gesammelte, gebrauchte Kleidung irgendwo ab und verhindert so, dass sie weitergegeben werden kann? „Wir können nur dagegen vorgehen, wenn sich ein Verursacher nachweisen lässt. Das ist aktuell noch nicht der Fall“, schreibt Leila Fendrich. Insgesamt verhalte es sich jedoch so, „dass die Sammelfirmen zunehmend unter wirtschaftlichem Druck stehen und erste Insolvenzen bekannt sind“.

Bei der Stadtverwaltung geht man also davon aus, dass es sich um eine organisierte Sammlung handelt – beziehungsweise um die Inhalte von Altkleidercontainern, die im gesamten Stadtgebiet zu finden sind. Das seien laut Fendrich „verschiedene Firmen und Vereine“, eine konkretere Aussage gibt es nicht.

Nachgefragt beim Landratsamt Böblingen, antwortet Benjamin Lutsch von der Pressestelle: „Der Abfallwirtschaftsbetrieb betreibt 14 Altkleider-Standorte in Leonberg – acht in der Kernstadt und je zwei in Gebersheim, Höfingen und Warmbronn.“ Welche anderen Firmen mit wie vielen Containern im Stadtgebiet aktiv seien, sei dem AWB nicht bekannt. Allerdings: „Auf privaten Flächen besteht ohnehin keine Meldepflicht.“

Die Kleidung ist nicht mehr zu gebrauchen und muss entsorgt werden

Wer genau es sich am Ende einfach macht und dafür verantwortlich ist, dass die gesammelte Kleidung ihr Ziel nicht erreicht, ist also kaum nachzuvollziehen. Fest steht jedoch: Die Kleider sind dann nicht mehr zu gebrauchen. „Aktuell holen Mitarbeiter des Baubetriebshofs alle gemeldeten Funde ab und entsorgen diese“, so Leila Fendrich. Eine Weiterleitung an gemeinnützige Organisationen sei für die Stadt nicht umsetzbar, „da unsere Mitarbeiter dafür jeden Sack öffnen und prüfen müssten, ob sich tatsächlich verwertbare Altkleider darin befinden“.

Den großen Bogen spannt Benjamin Lutsch von der Landkreis-Pressestelle – weg von den Altkleidern, hin zur illegalen Müllentsorgung generell. „Das Problem des wilden Mülls ist dem AWB aus allen Kommunen bekannt, Leonberg bildet keine Ausnahme“, sagt Lutsch.

Leider wirke das Angebot von Container-Standorten – egal ob Altkleider oder etwa Glas – auch wie ein Magnet auf Menschen, die Haus- und Sperrmüll illegal auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen. „Dieses gesellschaftliche Problem hat in den letzten Jahren bedauerlicherweise zugenommen, nicht nur an Containerstandorten, sondern auch auf Häckselplätzen oder auf anderen Grundstücken im Außenbereich.“ Auch in anderen Landkreisen sei diese negative Entwicklung festzustellen.

Illegale Entsorgung – auch von Altkleidern – ist Teil des Zeitgeistes

Der AWB hat allein für die Beseitigung wilder Müllablagerungen mit Schwerpunkt auf Containerstandorte fünf Fahrzeuge im Einsatz. Diese haben feste Touren, fahren also all diese Standorte regelmäßig an und beseitigen wilde Abfälle. „Bedarfsorientiert oder bei Vorliegen entsprechender Meldungen werden auch Ablagerungen auf Häckselplätzen oder anderen Außenbereichsgrundstücken entfernt“, sagt Lutsch.

Zeitgeist-Analyse hin oder her: Wer die Altkleider in Gebersheim und im Leonberger Stadtgebiet ablädt und sich dann aus dem Staub macht, bleibt also vorerst ungeklärt.