Dieser Einkaufswagen steht seit zwei Monaten in der Wolf-Hirth-Straße. Foto: privat

Plastik, Reifen, Elektrogeräte und Flaschen – fliegen in die Natur. Die Stadt muss den Müll entsorgen. Auf den Kosten bleibt sie sitzen, die Täter werden kaum entdeckt.

Bernd M. (Name von der Redaktion geändert) ist verärgert. Der Böblinger, der bei einer Firma in der Wolf-Hirth-Straße arbeitet, hat einen mit Abfall gefüllten Einkaufswagen mitten auf dem Gehweg entdeckt. Bereits vor zwei Monaten hat er das Böblinger Ordnungsamt darauf aufmerksam gemacht, aber bislang ist nichts passiert. Der Wagen steht nach wie vor auf dem Gehweg. Es sei mittlerweile sogar noch weiterer Müll dazu gekommen, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

 

Ein ähnliches Bild bietet sich auch in der Breslauer Straße. Rund um die Glas- und Altkleidercontainer stapeln sich Teppiche, Möbel und Kleidungsstücke. Und auch viele öffentliche Grillplätze gleichen in den Sommermonaten fast einem Schlachtfeld – Flaschen, Plastik und Papier liegen mitten im Wald herum. Doch was können die Stadt und der Kreis gegen Müllsünder tun?

Jahr für Jahr steigt die Menge an wildem Müll

Fakt ist, immer mehr Müll wird illegal abgelegt: auf Wiesen, in Wäldern aber auch einfach auf Gehwegen und Straßen mitten in der Stadt. Die Stadt Böblingen hat alle Hände voll zu tun, Verpackungsmüll, Glasflaschen, Essensreste bis hin zu Elektrogeräten zu entsorgen. Jahr für Jahr steigen die Mengen an wildem Müll, welche die Kommunen einsammeln und entsorgen müssen, um Straßen und Natur sauber zu halten.

Allein in diesem Jahr sind schon 66 Meldungen zu wildem Müll im Stadtgebiet beim Bürgerreferat eingegangen. Für Abfall, der sich rund um Altglas-Container und Sammelstellen befindet, ist das wiederum das Landratsamt zuständig. „Es finden regelmäßig Kontrollen im Stadtgebiet statt“, erklärt Gianluca Biela, ein Pressesprecher der Stadt. Werde bei den Rundgängen wilder Müll festgestellt, so müsse eine Sonderreinigung durch die Technischen Betriebsdienste Böblingen/Sindelfingen (TBS) veranlasst werden. Im vergangenen Jahr hat allein die Entsorgung von Müll, Straßenreinigungen, die Leerung öffentlicher Mülleimer sowie die Entsorgung von wildem Müll im städtischen Haushalt mit 1,4 Millionen Euro zu Buche geschlagen.

Die rechtswidrige Müllentsorgung ist eine Ordnungswidrigkeit. Wer illegal Müll in der Landschaft ablegt und dabei erwischt wird, dem drohen Bußgelder. Das reicht in Baden-Württemberg von 50 Euro für das Wegwerfen von einer Zigarettenschachtel oder Papptellern bis hin zu mehreren Tausend Euro, wenn zum Beispiel Bauschutt oder mehrere alte Autoreifen in der Natur entsorgt werden.

Eine Ahndung ist oft kaum möglich

Den Müllsündern auf die Spur kommt man jedoch selten. In den meisten Fällen werde der Müll im Wald, in Büschen, in Bächen oder in Unterführungen abgelegt, sagt Biela. Es handle sich also um Orte, bei denen die Wahrscheinlichkeit gering sei, dass man gesehen werde. Eine Überwachung oder Ahndung seien hier fast unmöglich. „In den Fällen, in denen wir den Verursacher haben, leiten wir das notwendige Bußgeldverfahren ein und gehen auch bei einem Einspruchsverfahren vor Gericht“, sagt Gianluca Biela.

Die Beseitigung des Einkaufswagens in der Wolf-Hirth-Straße wurde zwischenzeitlich veranlasst. Die Nachricht sei wegen eines technischen Fehlers untergegangen, entschuldigt sich die Stadt. Bürger, die ebenfalls wilden Müll entdeckt haben, können sich beim Bürgerreferat (Telefonnummer 0 70 31/669-1257) oder beim Böblinger Polizeirevier melden. Noch einfacher geht es online über den Mängelmelder der Stadt.