Tübingens OB Boris Palmer geht mit harter Linie gegen Sprayer illegaler Graffitis vor. Finanzielle Hilfe erhält er von einem Rentner, der nicht zum ersten Mal Geld locker macht.
Die illegalen Graffitis in Tübingen beschäftigen nicht nur OB Boris Palmer, auch in der Bevölkerung wächst der Frust über die Schmierereien, die an vielen Hauswänden in der Stadt zu sehen sind. Und nicht nur dort: Als ein bislang unbekannter Sprayer rund 40 Bäume in der Platanenallee besprühte, war für den Tübinger Ralf Meier (Name von der Redaktion geändert) ein „Kipppunkt“ erreicht, sagt der Rentner, der anonym bleiben möchte.
Für einen „guten Zweck“ hat der Rentner immer wieder Geld locker gemacht
Mit 5000 Euro unterstützt Meier Palmers Kampf gegen die Sprayer. Damit erhalten Personen für Hinweise, die zu einer Verurteilung des Platanenallee-Sprayers führen, nun insgesamt 10 000 Euro. Denn auch die Stadt bietet Hinweisgebern einen Betrag in dieser Höhe. Es sind aber nicht ausschließlich die hochragenden Bäume, die dem großzügigen Rentner am Herzen liegen, es geht ihm um ganz Tübingen: „Die Stadt hat eine wunderschöne Atmosphäre, aber überall finden sich diese Sprühereien, von denen die meisten nichts mit Kunst zu tun haben“, sagt Meier.
Der Mann ist in Tübingen geboren, aufgewachsen und lebt noch heute in der Universitätsstadt am Neckar. Für einen „guten Zweck“ habe er immer wieder gerne Geld locker gemacht: Für Tübingens Stadtbahn-Projekt, gegen das sich 2021 eine Mehrheit der Tübinger per Bürgerentscheid aussprach– oder um Boris Palmer im Wahlkampf für die OB-Wahl 2022 finanziell zu unterstützen. „Ich bin ein großer Freund von Palmers Kommunalpolitik“, sagt der Rentner.
Bäume in der Platanenallee mit sogenannter Stammschutzfarbe überstrichen
5000 Euro im Kampf gegen illegale Graffitis seien zwar auch für ihn ein „anständiger Betrag“, aber er könne sich das leisten: „Ich muss mir das nicht vom Mund absparen“. Wie er in seinem beruflichen Leben zu so viel Geld gekommen ist, will er nicht verraten, um anonym zu bleiben. Tübingen sei eine kleine Stadt, da wüssten viele sofort, um wen es sich handelt. „Ich will keine Furore machen“, sagt Meier.
Die Bäume in der Platanenallee sind inzwischen mit sogenannter Stammschutzfarbe wieder überstrichen worden. Welche Schäden die Graffitifarbe an den Bäumen verursacht, könne man erst in den kommenden Jahren sagen, heißt es von der Stadt Tübingen. Vielleicht ist bis dahin ja der gesuchte Übeltäter geschnappt – an der Höhe der Belohnung für Hinweisgeber sollte es nicht scheitern.