Gießkannen für den guten Zweck. Der Ikeakonzern verteilt Wohltaten. Foto: dpa

Am Samstag startet das schwedische Möbelhaus Ikea in der Ludwigsburger City eine einzigartige Spendenaktion – nach dem Gießkannenprinzip.

Ludwigsburg - Ohne Superlativ geht nichts mehr in Ludwigsburg. Seit die Zahl der Einwohner in der Barockstadt unaufhaltsam auf die Hunderttausender-Marke zusteuert, zählen nur noch Masse und Größe. Egal ob beim Bau eines Solarthermieparks (er wird mit 15 000 Quadratmeter selbstverständlich deutschlandweit der größte sein), beim Bau einer Grundschule am Fuchshof (mit 100 Pfosten im sumpfigen Erdreich wird sie selbst die Pfahlbauten von Uhldingen in den Schatten stellen) oder bei Aktivitäten gegen den Feinstaub (Ludwigsburg strebt die mit Abstand größte Filtersäulendichte rund um eine einzige Messstation an: 23).

Gießkannen für Freidenker

So etwas steckt an, inzwischen wollen auch Parteien, kleinere Initiativen und Firmen mithalten können. Der Druck ist enorm, niemand will sich mangelnden Ehrgeiz nachsagen lassen. So sind zum Beispiel aus ganz normalen Pflanzaktionen knallharte Wettbewerbe geworden: Mit der Aktion „100 Bäume in 10 Jahren“ hat die Wohnungsbau GmbH die Messlatte hoch gelegt – und versucht sich, kaum dass die Aktion gestartet wurde, schon wieder selbst zu übertreffen: Seit November wurden bereits 21 Bäume gepflanzt. Wenn die WBL in dem Tempo weitermacht, stehen die 100 Bäume schon in drei Jahren. Und was dann?

Wenn eine GmbH, die eigentlich Wohnungen baut, auf Baumschule macht, kann auch ein Einrichtungshaus, das eigentlich Möbel verkauft, Gießkannen verschenken. Dachte sich der Ikea-Konzern und verteilt deshalb am Samstag in der Ludwigsburger Seestraße „300 PS Gießkannen“. 300 PS? Das ist ganz schön viel Power für eine kleine Gießkanne. Ach, Entschuldigung! Die meinen mit PS nicht Pferdestärke, sondern „Postskriptum“. Oder wie es im unvergleichlich kecken Jargon der Schweden heißt: „PS ist eine Kollektion für wirklich unabhängige Menschen. Für Freidenker, die die Eintönigkeit des Alltags ablehnen und auf Konventionen pfeifen.“

Erst shoppen, dann spenden

In Ordnung, aber, was ist bitteschön so revolutionär an einer Gießkanne? Und sind an einem normalen Samstag überhaupt so viele Freidenker in der Ludwigsburger Fußgängerzone unterwegs? Die Experten für das Selberschrauben, denen die böse EU immer wieder Steuerhinterziehung vorwirft („Zahlst du noch, oder trickst du schon?“) fühlen sich missverstanden. In Wahrheit glauben sie an die gute Sache, also verteilen sie Wohltaten – und zwar nach dem Gießkannenprinzip.

Jeder Passant, der einen Gratiswasserspender mit nach Hause nimmt, erhält damit einen Coupon, mit dem er die Ludwigsburger Karlshöhe unterstützt. Ist das nicht fantastisch? Na ja, das geht vielleicht nicht ganz so schnell. Zuvor muss der Besitzer eines Gießkannengutscheins bei Ikea shoppen gehen. Aber das sollte ja kein Problem sein, denn dort gibt es bekanntlich viele Produkte, ohne die der unabhängige Mensch, der auf Konventionen pfeift, nicht leben kann. Und er muss auch nur für zehn Euro im Möbelhaus einkaufen, dann überweist das Unternehmen einen Euro an die Karlshöhe. Na, wenn das nichts ist?

Großzügige Spenden

Auf diese Weise könnten 300 (!) Euro bei der sozialen Einrichtung ankommen. Angesichts einer so sensationellen Spende wäre es doch kleinkariert, wenn man sie mit den mindestens 3000 Euro gegenrechnete, die Ikea zuvor eingestrichen hat.

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