IHK-Vollversammlung Mehr Sitze für Kakteen

Von Ulrich Schreyer 

Baubetriebe sind Pflichtmitglied in der IHK. Gerade die Zwangsmitgliedschaft ist ein permanenter Streitpunkt in der Kammer. Foto: dpa-Zentralbild
Baubetriebe sind Pflichtmitglied in der IHK. Gerade die Zwangsmitgliedschaft ist ein permanenter Streitpunkt in der Kammer. Foto: dpa-Zentralbild

Die kammerkritische Kakteen-Gruppe hat bei der Wahl zur Vollversammlung der IHK in der Region Stuttgart einen Überraschungserfolg erzielt. Sie stellt fast ein Drittel aller Delegierten.

Stuttgart - Bei der Wahl zur Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart hat die kammerkritische Kakteen-Gruppe einen Erfolg errungen. Künftig stellt sie 32 und damit fast jeden dritten der 100 Vertreter des Kammerparlaments. Bei der Wahl im Jahr 2012 hatten die Kakteen 22 Sitze erhalten. Damals waren sie zum ersten Mal als Gruppierung angetreten. Dass sie es mit 22 Vertretern in die Vollversammlung schafften, sahen Beobachter auch als Folge der Auseinandersetzung um Stuttgart 21 an. Die Kakteen hatten sich klar gegen den unterirdischen Bahnhof positioniert. Dass sie nun die Zahl ihrer Sitze noch steigern konnten, obwohl es um Stuttgart 21 ruhiger geworden ist, führte Clemens Morlok, einer der Sprecher der Gruppe, auf „Unzufriedenheit mit der Kammerpolitik“ zurück.

Ob seine Gruppierung mit einem eigenen Kandidaten als Präsident der Kammer ins Rennen gehen werde, sei noch offen, sagte Morlok. Auf jeden Fall würden mögliche Änderungen der Satzung künftig schwerer. Dafür sei eine Zweidrittelmehrheit nötig. Diese sei aber gegen die Kakteen kaum zu erreichen, da an den Sitzungen nicht alle Mitglieder der Vollversammlung teilnähmen.

Trotz des Erfolgs der Kakteen haben auch viele Vertreter von bekannten Unternehmen, die bereits in der vergangen Vollversammlung saßen, wieder den Sprung in das Gremium geschafft. Der bisherige Präsident Georg Fiechtner und seine beiden Stellvertreter waren allerdings nicht mehr angetreten. Andreas Richter, der Hauptgeschäftsführer der IHK wertete es als positiv, dass es nun 40 neue Mitglieder in der Vollversammlung gebe. Zu der leicht auf knapp elf Prozent gestiegenen Wahlbeteiligung sagte er, dies sei für eine IHK-Wahl „ordentlich“. Bei der ersten Sitzung der neuen Vollversammlung im ersten Quartal 2017 wird auch der neue Präsident gewählt.

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