IHK-Studie Die Leonberger haben am meisten Geld in der Tasche

Von Günter Scheinpflug 

Das   Breuningerland  zieht viele Kunden aus dem ganzen Kreis an.Foto:factum/Granville Foto:  
Das Breuningerland zieht viele Kunden aus dem ganzen Kreis an. Foto:factum/Granville

Die Industrie- und Handelskammer legt eine Studie über Kaufkraft und Umsätze in diesem Jahr vor. Demnach schneidet der Kreis Böblingen hervorragend ab.

Böblingen - Martin Eisenmann beobachtet bereits seit fast 20 Jahren genau, wie viel Geld die Bewohner im Landkreis in ihrem Geldbeutel haben und wie hoch der Umsatz der Einzelhändler in ihrem Heimatort ist. Laut dem Volkswirt bei der Bezirkskammer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Böblingen liegt der Kreis Böblingen in puncto Kaufkraft pro Kopf in diesem Jahr klar an der Spitze in der Region Stuttgart – und zwar noch vor der Landeshauptstadt. Anders sieht es freilich bei den Umsätzen der Einzelhändler vor Ort aus. Die Stuttgarter liegen hier deutlich vorne. Am meisten klingeln die Kassen ansonsten in den Kreisen Ludwigsburg und Esslingen, die Böblinger landen insgesamt auf Platz vier.

Namhafte Firmen im Landkreis Böblingen

„Unsere Bürger sind in der Region und selbst im landes- und bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich wohlhabend“, stellt Eisenmann in der IHK-Untersuchung fest. Das liege an den zahlreichen namhaften Firmen, „bei denen ordentliche Löhne und Gehälter bezahlt werden“, hält der 52 Jahre alte Experte fest. 7737 Euro kann jeder Einwohner im Kreis in diesem Jahr ausgeben. Am besten nach den Böblingern schneiden noch die Bewohner des Kreises Esslingen ab mit 7605 Euro pro Kopf. Die Menschen im Kreis Ludwigsburg haben jeweils 7597 Euro in diesem Jahr in der Tasche, die Stuttgarter 7569 und die Einwohner im Rems-Murr-Kreis 7430 Euro. Schlusslichter sind die Göppinger mit knapp mehr als 7000 Euro.

Auch im Kreis Böblingen gibt es, was die Kaufkraft betrifft, ziemliche Unterschiede. Es fällt auf, dass die Grafenauer und die Nufringer Bürger mehr als 8000 Euro zur Verfügung haben. Genau 8087 Euro hat jeder Grafenauer – in einer Kommune, die wegen­ der geringen Steuereinnahmen als finanzschwach gilt und für sich einen Anspruch auf Zuschüsse bei Bauprojekten anmelden kann. Jeder Nufringer hat lediglich 50 Euro weniger.

IHK-Chefin: Versorgung mancherorts nicht gesichert

Die Krösusse freilich leben in Leonberg. Als „einzelhandelsrelevante Kaufkraft“ werden dort pro Kopf 8201 Euro ermittelt. Aber längst nicht alles Geld geben die Leonberger bei sich in der Stadt aus. Selbst das Schlusslicht Mötzingen liegt mit 7057 Euro pro Kopf noch mehr als 100 Euro über dem Bundeswert. Ein gefüllter Geldbeutel schlägt sich aber auch dort bei den örtlichen Geschäftsleute nur wenig nieder. Die Folge: Es gibt kaum noch Einkaufsmöglichkeiten, die Läden machen zu. „In vielen Kommunen ist die Versorgung der Bewohner nicht mehr gesichert“, sagt Marion Oker, die IHK-Chefin in Böblingen.

Die meisten Konsumenten gehen oft woanders zum Einkaufen – etwa ins Breuningerland in Sindelfingen. Der Umsatz der Einzelhändler dort liegt deshalb weit an der Spitze mit 720 Millionen Euro. Da kann auch Böblingen nicht mithalten. Trotz des Einkaufszentrums Mercaden, das vor wenigen Jahren eröffnete. „Die Shoppingmall hat zur Stärkung des Handels beigetragen“, sagt Eisenmann. Dennoch erzielen die Böblinger nur knapp zwei Drittel des Umsatzes, der in Sindelfingen zu Buche schlägt.

In Jettingen gehen die Leute auch einkaufen

Eine geschickte Ansiedlungspolitik kann aber auch dazu führen, dass selbst in kleinen Gemeinden die Kunden in dortige Märkte gehen. „Jettingen ist ein gutes Beispiel dafür“, berichtet der IHK-Experte. In einem Gewerbegebiet gibt es neben Lebensmittel auch Kleidung, Schuhe und sogar Tiernahrung zu kaufen. „Die Kunden kommen auch von außerhalb“, sagt Eisenmann, der IHK-Referatsleiter Handel. Der Umsatz pro Kopf sei deutlich höher als die Kaufkraft der Einheimischen.

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