IHK Mittelstand macht mobil gegen Verhätschelung der Konzerne

Von Klaus Köster 

Bernd Bechtold, Präsident der IHK Baden-Württemberg Foto: IHK
Bernd Bechtold, Präsident der IHK Baden-Württemberg Foto: IHK

Chef der IHK im Land: Viele Entscheidungen der Politik benachteiligen kleinere Firmen.

Stuttgart - Mit einem großangelegten Programm will die Bundesregierung seit Anfang des Jahres die Lage kleinerer und mittelgroßer Firmen verbessern. Die Wirtschaft im Land zieht eine ernüchternde Zwischenbilanz.

Es ist eineinhalb Jahre her, dass der Essener Handelskonzern Arcandor Insolvenz anmeldete - begleitet von hektischen Bemühungen der Politik, das Blatt noch zu wenden. Für Bernd Bechtold, Chef des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags, ist dies typisch für eine verzerrte Wahrnehmung des Wirtschaftsgeschehens in der Politik: "Für viele mittelständische Betriebe ging es bei dieser Insolvenz ums Überleben", erklärte Bechtold beim Besuch in unserer Redaktion. "Über diese Firmen hat aber kein Mensch gesprochen." Allein sein Unternehmen, der Karlsruher Ingenieurdienstleister b.i.g., habe durch die Insolvenz eine Million Euro verloren. "Wenn Mittelständler dann noch hören, dass der Insolvenzverwalter mehr als 20 Millionen Euro verdient hat, fragt man sich, ob Politiker überhaupt noch wissen, wo die Probleme liegen", so Bechtold.

Wenn Politiker sich über das Wirtschaftsgeschehen informieren wollten, orientierten sie sich an Konzernen wie Volkswagen, Bosch und Daimler. Dabei gebe es viele Gesetze, die Konzerne überhaupt nicht beträfen, den Mittelstand aber benachteiligten. So stelle die Erbschaftsteuer weiterhin für viele Firmen eine Belastung dar. Durch die Vererbung müsse der Firmenwert versteuert werden, der dem Erben aber gar nicht in Geld zur Verfügung stehe. Man könne die Erbschaftsteuer schließlich nicht "vom Unternehmen abbeißen", so Bechtold. Als Folge müssten Erben hohe Kredite aufnehmen, was die Substanz der Unternehmen beeinträchtige. Die wirtschaftlichen Nachteile stünden in keinem Verhältnis zum geringen Aufkommen dieser Steuer.

Kritik übte Bechtold an Äußerungen von CSU-Chef Horst Seehofer, wonach die Zuwanderung aus einigen Kulturkreisen unerwünscht sei. Diese Debatte erschwere es, ausländische Fachkräfte zu gewinnen, die die Wirtschaft dringend benötige.

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