Die Wirtschaftslage im Kreis Esslingen stabilisiert sich. (Archivfoto) Foto: Ines Rudel

Die Wirtschaft im Kreis Esslingen stabilisiert sich leicht, doch viele Unternehmen bleiben skeptisch. Das zeigt sich an den Beschäftigungsaussichten – und der Kritik an der Politik.

Kommt der Aufschwung oder nicht? Viele Unternehmen im Kreis Esslingen sind da offenbar skeptisch mit Blick auf das laufende Jahr. Das zumindest schließt die Industrie- und Handelskammer im Bezirk Esslingen-Nürtingen (IHK) aus den Ergebnissen ihrer aktuellen Umfrage. Insbesondere für den Arbeitsmarkt lassen diese nicht auf eine Verbesserung hoffen.

 

Dabei sprechen die Umfrageergebnisse an vielen Stellen durchaus eine zumindest leicht positive Sprache: Im Vergleich zum vergangenen Herbst ist die Einschätzung der eigenen Geschäftslage der Umfrageteilnehmer insgesamt etwas besser: 23,4 Prozent bewerten ihre Situation als besser, 47,8 Prozent als gleichbleibend, 28,8 Prozent als schlechter. Und die Erwartungen für die kommenden Monate sind insbesondere in weniger Industriebetrieben pessimistisch als noch im vergangenen Jahr – mehr als ein Viertel der produzierenden Unternehmen geht von einer Verbesserung aus.

Die Lage bei den Dienstleistern ist leicht positiv, allerdings haben sich die Geschäftserwartungen verschlechtert. Weiter pessimistisch äußert sich der Handel. An der Umfrage zwischen 29. Dezember 2025 bis 20. Januar 2026 haben sich 198 Unternehmen aus dem Landkreis Esslingen beteiligt.

Wirtschaft im Kreis Esslingen: Zahl der Beschäftigten sinkt in vielen Betrieben

„Wir sehen eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau – mehr aber noch nicht“, bewertet die Präsidentin der IHK-Bezirkskammer, Vanessa Bachofer, die Antworten. „Investitionsbremse und verhaltene Beschäftigungspläne sprechen eine klare Sprache. Damit aus dem zarten Hoffnungsschimmer ein echter wirtschaftlicher Lichtblick wird, brauchen Unternehmen Planungssicherheit und endlich belastbare Wirtschaftsreformen.“

Die Esslinger IHK-Präsidentin Vanessa Bachofer fordert belastbare Wirtschaftsreformen von der Politik. (Archivfoto) Foto: Roberto Bulgrin

Immer noch gehen fast drei von zehn der Umfrageteilnehmer davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten in den kommenden Monaten zurückgehen wird (29,2 Prozent, Herbst: 30,5 Prozent). In der Industrie sind es sogar fast vier von zehn. Verschlechtert haben sich die Erwartungen aber besonders im Handel. Demgegenüber wollen branchenübergreifend rund zehn Prozent der Teilnehmenden Personal aufbauen.

Entsprechend werten viele Betriebe in der Umfrage hohe Arbeitskosten als großes Geschäftsrisiko. Als meistgenanntes Risiko stellt sich jedoch wie in den Vormonaten die Inlandsnachfrage heraus. Derweil erhofft sich die Industrie laut IHK vom Ausland nun etwas mehr Impulse. Jedes dritte Unternehmen erwarte, dass sich die Auslandsumsätze in den kommenden Monaten positiv entwickelten.

EU-Mercosur-Abkommen auf Eis: Unternehmen im Landkreis fordern Klarheit

Negativ bewertet die IHK deswegen, dass das Freihandelsabkommen der EU mit den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten auf Eis liegt. „Die Weltwirtschaft bleibt anspruchsvoll. Unvorhersehbare Zölle und wackelige Wirtschaftspartnerschaften verunsichern, Wertschöpfungsketten ordnen sich neu. Das EU-Mercosur-Abkommen hätte ein positives Signal setzen können – nun warten auch hier die Unternehmerinnen und Unternehmer auf verlässliche Entscheidungen“, so Vanessa Bachofer, die selbst Geschäftsführerin von Mack & Schneider, eines auf Kunststofftechnik spezialisierten Betriebs in Filderstadt, ist.

Kritik kommt auch von Unternehmen aus dem Landkreis. So sagt Martin Peters, geschäftsführender Gesellschafter des Esslinger Automobilzulieferers Eberspächer: „Wir betreiben bereits seit einigen Jahren lokale Fertigungen in Brasilien und zuletzt auch in Argentinien – die Region ist für uns ein wichtiger Markt. Diese Verzögerung kommt zu einer Unzeit, denn Zulieferer aus anderen Regionen könnten durch einen vereinfachten Marktzugang Vorteile erhalten. Bei einer Verzögerung besteht die Gefahr, dass deutsche Zulieferer von internationalen Wertschöpfungsketten abgekoppelt werden.“