Harald Blum, Karsten Stroh, Patricia Schüle und Simon Rauschenberger (im Uhrzeigersinn): Verschiedene Perspektiven und viel Hoffnung für den Wirtschaftsstandort Kreis Ludwigsburg. Foto: Emanuel Hege

Beim Jahresempfang der IHK Bezirkskammer Ludwigsburg kamen Hunderte Unternehmer, Verbandschefs und Politiker zusammen. Wir haben mehrere von ihnen gefragt: Gibt es eigentlich auch Grund zu Zuversicht?

Bei Wein und Häppchen startete die Wirtschaftsprominenz des Landkreises ausgelassen in den Abend – doch dann trat IHK-Präsident Axel Kunkel auf die Bühne. Seine Botschaft: Die Lage ist ernst. „Aufträge fehlen, Investitionen stocken, die wichtigen Absatzmärkte China und USA sind unberechenbar. Die wirtschaftliche Dynamik, die unseren Standort einst stark gemacht hat, ist erlahmt.“

 

Die IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg warnt: Wenn sich nichts ändert, steht der Wohlstand der Region auf dem Spiel. Doch wie sehen das die Unternehmer selbst? Wir haben mit fünf von ihnen gesprochen – und sie zeigen sich kämpferisch. Ihr Tenor: Wenn eine Region die Krise meistert, dann der Kreis Ludwigsburg.

Christian Ottenbacher, Hotel Adler, Asperg

„Wir sind breit aufgestellt, wirtschaftsstark und international ausgerichtet“ – Christian Ottenbacher Foto: Simon Granville

Die angespannte Weltlage mache es der heimischen Wirtschaft nicht leicht – auch nicht Hoteliers wie ihm – sagt Christian Ottenbacher, Inhaber des Hotels Adler in Asperg. Weniger Privatkonsum, weniger ausgelassene Abendveranstaltungen und weniger Tagungen seien eine Folge des industriellen Abschwungs in der Region. „Politisch muss sich nun einiges bewegen“, sagt Ottenbacher. „Für uns hoffe ich auf die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen und Getränke.“

Trotz allem sei die Wirtschaftsregion Ludwigsburg privilegiert. „Wir sind breit aufgestellt, wirtschaftsstark und international ausgerichtet“, sagt Ottenbacher. Klar, krisele es aktuell gewaltig, aber es herrsche kein Stillstand. Die Unternehmen seien nicht gelähmt, sondern weiterhin innovativ.

Harald Blum, HB Real Estate Consulting, Bietigheim-Bissingen

„Ich sehe hier viel Ehrgeiz und Unternehmergeist in der jungen Generation“ – Harald Blum Foto: Emanuel Hege

Die Wirtschaftswelt drehe sich immer schneller, sagt Harald Blum, Inhaber des Beratungsunternehmens HB Consulting: „Und wir müssen Schritt halten.“ Doch gerade in seinem Bereich, der Immobilienbranche, passiere das Gegenteil. Strenge Vorgaben und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen ihn immer wieder aus.

Trotzdem bleibt er positiv. „Wir müssen uns die historische Entwicklung bewusst machen. Wir haben den Wandel vom klassischen Produktionsstandort zu einem Branchenmix geschafft.“ Allein die Entwicklungen in der Stadt Ludwigsburg, wo die alten Kasernen von kleinen, dynamischen Firmen wiederbelebt wurden, sei Grund zum Optimismus. In anderen Regionen sei der Wandel der vergangenen Jahrzehnte deutlich schlechter gelaufen und in Leerständen und Strukturschwäche geendet, sagt Blum.

Auch die junge Generation macht ihm Hoffnung: „Ich sehe hier viel Ehrgeiz und Unternehmergeist – die gängigen Vorurteile über den Nachwuchs teile ich nicht.“

Patricia Schüle, Spang GmbH, Pleidelsheim

„Hier gibt es viel Kreativität, die Firmen befruchten sich gegenseitig“ – Patricia Schüle Foto: Emanuel Hege

„Ich sehe aktuell das größte Problem in der Verunsicherung der Bevölkerung – es herrscht ein kollektiv schlechtes Bauchgefühl“, sagt Patricia Schüle, Geschäftsführerin der Spang GmbH aus Pleidelsheim. Als Großhändler für Keramik spüre ihr Unternehmen die Stimmung in der Bevölkerung unmittelbar im Absatz: „Es liegt nicht mal daran, dass Geld fehlt, sondern wegen der Sorge vor der Zukunft.“

Dennoch ist Schüle froh, als Unternehmerin im Kreis Ludwigsburg aktiv zu sein. Klar könnte die Infrastruktur und der öffentliche Nahverkehr besser sein, aber das sei Meckern auf hohem Niveau. „Hier gibt es viel Kreativität, die Firmen befruchten sich gegenseitig.“ Gleichzeitig sei die Konkurrenz groß, was Schüle als Vorteil wertet. „In der Region heizen sich die Unternehmen gegenseitig an – das belebt das Geschäft.“

Simon Rauschenberger, Rauschenberger Innovations, Asperg/Hachenburg

„Hier gibt es viele kluge Köpfe, und es entsteht ständig etwas Neues“ – Simon Rauschenberger Foto: Emanuel Hege

Das Familienunternehmen Rauschenberger tüftelt seit fast 100 Jahren in und um Asperg. Simon Rauschenberger, der das Erbe seiner Familie weiterführt, hat sich auf die Produktion praktischer Faltwagen spezialisiert. Doch derzeit beschäftigt ihn vor allem der wachsende Konkurrenzkampf um Fachkräfte – ebenso wie die zunehmende Unvorhersehbarkeit globaler Märkte. „Wir verkaufen auch in die USA, aber dort weiß man momentan nie, was als Nächstes kommt“, sagt er.

Um den Wirtschaftsstandort Kreis Ludwigsburg macht sich der junge Unternehmer aber keine Sorgen. „Hier gibt es viele kluge Köpfe, und es entsteht ständig etwas Neues.“ Besonders beeindruckt ihn die Liebe zum Detail, die er in der Region stärker wahrnimmt als anderswo. „Wenn wir mit Unternehmen aus der Umgebung zusammenarbeiten, fällt mir immer wieder auf, wie gründlich alles durchdacht wird.“

Nun gelte es, zu alten Stärken zurückzufinden, betont Rauschenberger: „Wir haben hier den Anspruch, in dem, was wir tun, immer exzellent zu sein – und das verschwindet nicht einfach. Genau das macht mich zuversichtlich.“

Karsten Stroh, Marketing Club Region Stuttgart-Heilbronn, Ludwigsburg

„Die Unternehmen sind aktiv, wollen Veränderung und treiben diese voran“ – Karsten Stroh Foto: Emanuel Hege

Die Krise in der Automobilindustrie und bei den mittelständischen Zulieferern bereite seinem Berufsverband Kopfzerbrechen, sagt Karsten Stroh, Vorstand des Marketing Clubs Region Stuttgart-Heilbronn mit der Geschäftsstelle in Ludwigsburg. „Wenn Unternehmen sparen, dann zuerst am Marketing – was ich für einen großen Fehler halte.“ Sein Ziel: Marketing-Fachkräfte in der Region halten, bevor sie in wirtschaftlich stabilere Branchen oder andere Länder abwandern.

Insgesamt blickt Stroh jedoch gelassen auf die wirtschaftliche Stimmung im Landkreis. Es gebe immer noch eine hohe Innovationskraft, „die Unternehmen sind aktiv, wollen Veränderung und treiben diese voran“. Von außen sieht es laut dem Verbandschef aktuell schlimmer aus, als er es von innen wahrnehme.