IHK in Böblingen: Wie sieht die konjunkturelle Situation aus? Foto: Archiv

Die Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer hat in Leonberg einen Einblick in die aktuelle konjunkturelle Situation gegeben.

Im Vergleich zum Jahresanfang habe sich die Situation etwas verbessert, fasste Marion Oker die aktuelle wirtschaftliche Situation im Landkreis Böblingen zusammen. Es gebe viele Probleme, aber auch Lichtblicke, alles was helfe, bürokratische Hemmnisse abzubauen, so die Leitende Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Böblingen bei der Präsentation der konjunkturellen Lage im Landkreis. Auf Einladung des Leonberger Business Netzwerks erläuterte sie in den Räumen der Firma MAS GmbH aktuelle Zahlen. Die Volkswirtin betonte, dass der Landkreis Böblingen immer noch einer der wirtschaftsstärksten Kreise sei und nannte als ein Beispiel dafür, dass es hier die meisten Patentanmeldungen gebe.

 

Dreimal jährlich fragt die IHK deutschlandweit die Lage ab

„Seit Covid ist nichts mehr wie es war“, so Oker. Nach dem Corona-Einbruch sei es zwar mit der Wirtschaft wieder steil nach oben gegangen, doch mit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 auch wieder rapide nach unten. Dreimal jährlich fragen die Industrie- und Handelskammern deutschlandweit bei tausenden von Unternehmen die aktuelle Lage und die Erwartungen ab. Zwar habe sich die aktuelle Lage gegenüber dem Jahresanfang insgesamt leicht verbessert, dennoch bleibe die Wirtschaft im Krisenmodus. Gut die Hälfte der befragten Unternehmen rechneten mit einer Stagnation der schwachen Konjunktur, ein knappes Viertel sogar mit einer Verschlechterung.

„Die aktuelle Lage ist wegen der überwiegend pessimistischen Stimmung, die weiter anhält, immer besser als die Erwartungen der Unternehmen in die wirtschaftliche Entwicklung“, sagte die IHK-Vertreterin. Deswegen blieben auch die Geschäftserwartungen insgesamt weiter negativ. „So schlecht hat es schon lange nicht mehr ausgesehen.“

Während sich laut dem aktuellen Konjunkturbericht der Dienstleistungsbereich „recht stabil“ zeigt, sieht es in der Industrie „am düstersten von allen Branchen“ aus. Der IHK-Geschäftslage-Indikator – der Saldo aus positiven und negativen Nennungen – liegt tief im negativen Bereich, knapp die Hälfte der befragten Unternehmen geben eine schlechte Wirtschaftslage an. Auch der Kreis Böblingen ist durch die Automobilwirtschaft und den Maschinenbau stark in diesem Bereich vertreten. „Ein besonderes Risiko besteht für den exportorientierten Landkreis Böblingen, wenn Zölle und andere Handelshemmnisse den Export weiter einschränken“, erklärt die Geschäftsführerin.

Unterschiedliche Einschätzungen im regionalen Vergleich

Deutschlandweit ebenso wie im Landkreis mache sich im Handel und beim Bau die Zurückhaltung der Verbraucher bei Kauf und Investitionen bemerkbar. „Die Finanzkraft ist da, die Menschen haben Geld, aber es wird einfach nichts ausgegeben“, so ihr Fazit.

Auch im regionalen Vergleich der IHK Region Stuttgart zeigen sich unterschiedliche Einschätzungen. So sehen die Unternehmen in Stuttgart und im Rems-Murr-Kreis die aktuelle Lage eher positiv, während diejenigen in den Kreisen Böblingen, Ludwigsburg und Esslingen sie deutlich negativ einschätzen, am wenigsten negativ noch in Böblingen. Bei den Geschäftserwartungen zeigen sich nur noch die Stuttgarter Betriebe optimistisch.

Markus Linha, das für den Bereich Firmenkunden zuständige Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Böblingen, meinte, dass das aktuelle Investitionspaket der Bundesregierung ein Silberstreif am Horizont sein könne. „Da tut sich was. Wir haben starke, innovative Unternehmen im Kreis Böblingen.“ Wirtschaft sei zu einem großen Teil auch von Stimmung beeinflusst. „Fokussieren wir uns auf die positiven Dinge“, forderte er.

Viele Sorgenkinder für die Wirtschaft

Die Wirtschaft habe es mit vielen Sorgenkindern zu tun wie Fachkräftemangel, Energiekosten oder die zaghafte Digitalisierung, führte Marion Oker an. Die Bürokratie habe sich bei der letzten Standortumfrage aber als das meist genannte Geschäftshemmnis gezeigt. „Wir haben die Firmen aufgefordert, uns konkrete Fälle zu nennen und daraus Vorschläge zum Bürokratieabbau entwickelt“, so Oker. Damit gehe man nun an die politischen Entscheidungsgremien heran. So müssten etwa Baugenehmigungen schneller zu erhalten sein, wenn man Gewerbe entwickeln wolle.

Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn wollte wissen, wie die Nachfrage bei der Beratung zur Nachfolgeregelung in den Unternehmen sei. Weil jetzt viele „Babyboomer“ in den Ruhestand gingen, rechne man künftig mit einer verstärkten Nachfrage, antwortete Oker. So sei man dabei, mit Handwerkskammer, Arbeitsagentur, Banken und der Wirtschaftsförderung einen runden Tisch zu diesem Thema zu initiieren.