Der öffentliche Verkehr wird weiter ausgebaut, neue Züge für die S-Bahn sind bestellt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Straßen in der Region Stuttgart sind stark belastet, aber auch aus Umwelt- und Klimagründen soll mehr Verkehr auf die Schiene.

Stuttgart - Bei der Podiumsdiskussion in der Industrie- und Handelskammer (IHK) an der Jägerstraße sprachen am Donnerstagabend Vertreter aus Wirtschaft und Politik über Mobilitätskonzepte in der Landeshauptstadt. Der Titel „Verkehrskollaps Region Stuttgart – Alle machen was, aber nichts tut sich“ gab Anstoß für die ersten Diskussionen.

Entgegen dem Titel der Veranstaltung tue sich in der Landeshauptstadt einiges, findet beispielsweise der Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS), Horst Stammler. „Es tut sich gerade so viel wie nie. Jahrzehntelange Forderungen wurden endlich erfüllt und die Mittel letztes Jahr verdreifacht. Es werden bis 2021 58 neue S-Bahnen beschafft.“ Als weiteres Beispiel für den derzeitigen Fortschritt nennt Stammler die im April umgesetzte Tarifreform.

Doch trotz aller Fortschritte – da waren sich die Gäste einig – müsse bis zu einem funktionierenden und fortschrittlichen Verkehrskonzept noch einiges getan werden. Und zwar bald. Schließlich wachse Stuttgart im Jahr um die Größe einer Kleinstadt. Eines der größten Probleme sei, dass der Stuttgarter Speckgürtel stark ausgeprägt sei. „Wir leben in einer dezentralen Region. Viele Menschen wohnen im Umland, wollen aber am Wochenende mit dem schwarzen Anzug in die Oper, die müssen sich dann auch in der S-Bahn wohlfühlen. Und durch die Wohnungsnot werden mehr Menschen rausziehen. Dafür braucht man passende Verkehrskonzepte“, erklärt Thomas Bopp, der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart.

„Jeder muss umdenken“

Das Problem ist vielschichtig. Es gibt nicht nur die eine Lösung. „Wir brauchen die Vernetzung. Kein Verkehrsträger kann die Probleme alleine lösen“, so Stammler. Die Bürger müssten zum Gelingen beitragen, neue Konzepte nutzen. „Jeder muss umdenken und sich hinterfragen. Dazu gehört auch, vielleicht mal wieder mit der S-Bahn zu fahren,“ sagte Flughafen-Geschäftsführerin Arina Freitag.

Ihre Gewohnheiten überdenken sollen die Stuttgarter aber nicht um jeden Preis – findet Stefan Wolf, Chef des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. „Wir müssen einen vernünftigen Weg finden und dürfen nicht vergessen, dass wir die Industrie für den Wohlstand brauchen. Eine Welt ohne CO2 bringt nichts, wenn es keine Jobs gibt. Ich bin dafür, einen vernünftigen Mittelweg zu finden,“ so sein Fazit.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: