Elisabeth Heilemann pflegt kleine Igel rund um die Uhr. Foto:  

Die Wendlingerin Elisabeth Heilemann kümmert sich schon seit 30 Jahren um Igel, die nicht ausreichend für den Winterschlaf gewappnet sind – und zunehmend auch um verletzte Tiere.

Wer in diesen Tagen einen kleinen Igel im Garten sieht, sollte ihn auf die Waage setzen. Um den Winter zu überleben, braucht das stachelige Kerlchen mindestens 400 Gramm, besser noch 500. Entsprechend hohen Zulauf hatte Elisabeth Heilemann in letzter Zeit. Die Wendlingerin kümmert sich schon seit 30 Jahren um Igel, die nicht ausreichend für den Winterschlaf gewappnet sind – und zunehmend auch um verletzte Tiere.

 

„Erst neulich habe ich einen bekommen, der hatte kein Näschen mehr“, erzählt Elisabeth Heilmann. Die schwarze Knopfnase war abgeschnitten. Blutende Verletzungen und verstümmelte Pfoten erlebt sie immer wieder, häufig verursacht durch Mähroboter. Denn bei diesen autonom arbeitenden Geräten funktioniert die Strategie des Igels, sich bei Gefahr blitzschnell einzurollen, leider ebenso wenig wie bei einem Auto – viele Tiere werden davon verletzt, teilweise tödlich. Das gilt vor allem in der Dämmerung und bei Nacht, wenn sie unterwegs sind.

Vor dem Mähen Hecken und Gebüsch absuchen

Bei den Mähern gebe es zwar mittlerweile Modelle, die Hindernisse besser erkennen, sagt Heilemann. Aber das seien sehr teure und wenig verbreitete Geräte. Teilweise würden die Igel auch durch Motorsensen verletzt, zum Beispiel dann, wenn Menschen damit unter Hecken mähen, ohne Einsicht zu haben.

Anette Lampart, die eine Igelstation in Esslingen hat und Vorsitzende des Vereins der Igelfreunde Stuttgart und Umgebung ist, erlebt das genauso. Die wenigsten Menschen kämen auf die Idee, vor dem Mähen ihre Hecken oder das Gebüsch abzusuchen. Dabei könnte das manches Igelleben retten. Und wenn Hausgärten nicht akkurat sauber wären und nicht „jedes Laub zusammengekehrt und weggeräumt“ würde, wäre das ebenfalls ein großer Gewinn, sagt Elisabeth Heilemann. Denn unterm Laub finden die Stachelkerle, die Insekten fressen, auch spät im Jahr oft noch Käfer und anderes Getier.

Im November beginnen Igel in der Regel ihren Winterschlaf, für den sie ausreichend Energiereserven brauchen. Wenn es zwischendurch warm wird, „wachen sie auf und suchen verzweifelt nach Fressen“, sagt Heilemann. Finden sie dann nicht ausreichend Nahrung, kann es sein, dass der nächste Schlaf der letzte ist, weil sie nicht mehr erwachen. Untergewichtige Igel werden in den Aufnahmestationen „hochgefüttert, entwurmt und behandelt“, erklärt Anette Lampart. Und dann in den Winterschlaf entlassen, sei es im Tierheim, mit dem die Frauen zusammenarbeiten und wo es ein geeignetes Freigehege gibt, oder in geeigneten privaten Gärten. Wer daran Interesse hat, kann sich melden, muss sich aber auch um die Tiere kümmern, ein Schlafhäuschen und Futter bereitstellen. Der Garten sollte igelfreundlich gestaltet sein und nicht an einer viel befahrenen Straßen liegen. Im Idealfall geht der Igel dann im Frühjahr auf Tour und versorgt sich selbst. „Igel sind Wildtiere, man darf sie nicht in Gefangenschaft halten – außer sie sind krank und brauchen Hilfe“, sagt Elisabeth Heilemann.

Obst und Milch mögen Igel nicht

Aber woran erkennt man eigentlich, dass ein Igel wirklich Hilfe braucht? Im Herbst ist das Gewicht ein entscheidendes Kriterium. Wenn im Sommer, ab August, junge Igel tagsüber durch den Garten laufen, ist das ebenfalls ein Warnzeichen. Möglicherweise haben sie Hunger und keine Mutter mehr. Man könne die Kleinen dann vorsichtig auf die Hand nehmen, erklärt Elisabeth Heilemann: „Normalerweise sind sie wärmer als die Hand.“ Fühlen sich die Igelkinder kühl oder kalt an, fehlt es ihnen an Energie. Dann sollte man ihnen Futter anbieten, allerdings keine Milch, denn „davon kriegen sie jämmerlich Durchfall“. Auch Obst fressen Igel nicht, sie suchen es nur nach Insekten ab. Besser sind Katzenfutter ohne Soße oder auch Rührei – das mögen Igel sehr gern.

Kompliziert wird es, wenn Igelbabys noch nicht selbst fressen. „Die muss man alle zwei Stunden füttern, Tag und Nacht“, sagt Heilemann. Sie und andere Engagierte haben dann eine gewaltige Aufgabe zu bewältigen, noch zusätzlich zum Absammeln von Mückeneiern, zum Entwurmen, zu Tierarztbesuchen und dem Säubern der Gehege. Das machen die „Igelmamas“ alles ehrenamtlich. Für Futter, Medikamente und mehr sind sie indessen auf Spenden angewiesen.

Was man für Igel tun kann

Verein
Elisabeth Heilemann und Anette Lampart arbeiten mit dem Tierheim Esslingen zusammen. Sie sind außerdem im Verein der Igelfreunde Stuttgart und Umgebung organisiert, dessen Vorsitzende Anette Lampart ist. Weitere Informationen findet man unter www.igelverein.de .

Flohmarkt
An diesem Sonntag, 9. November, ist der Verein mit einem Stand bei Geros Flohmarkt (11 bis 17 Uhr) auf dem Parkplatz von Metro, Dornierstraße 9, in Esslingen-Sirnau vertreten. Dort kann man sich informieren und einkaufen, um die Arbeit zu unterstützen.

Gärten für Igel
Was man für Igel tun kann: Schlafhäuschen bereitstellen, geeignete Modelle gibt es beispielsweise bei der Holzwerkstatt von „Bürger für Berber“ in Esslingen. Im Sommer Wasser im Garten bereitstellen, im Herbst eventuell etwas Futter. Igelfreundlich sind heimische Laubhecken, Reisig- und Laubhaufen, ebenso Komposthaufen. In Zäunen sollte man einen mindestens zehn Zentimeter großen Durchlass für die Igel lassen.