Ein Elektro-Antriebsstrang besteht laut VW-Angaben aus 200 Teilen im Vergleich zu rund 1200 bei konventioneller Technik – die notwendige Montagezeit pro Auto sinkt von derzeit etwa 20 auf unter 15 Stunden. Foto: dpa

Elektromotoren brauchen meist weniger Einzelteile als Verbrenner, sie können daher von weniger Menschen gebaut werden. Eine neue, besonders detaillierte Untersuchung zeigt weitreichende Auswirkungen für die Arbeit in der Autobranche – und mögliche Lösungsansätze.

Stuttgart/Frankfurt - Die Umstellung auf Elektroantriebe könnte Zehntausende Beschäftigte in der deutschen Autoindustrie bis zum Jahr 2030 die Jobs kosten. Dies ist das Ergebnis einer Fraunhofer-Studie im Auftrag der IG Metall. Vor fünf Jahren noch waren die Wissenschaftler zu der Erkenntnis gekommen, dass sich der Umbau nicht auf die Beschäftigung der Branche auswirken werde, jetzt sehen sie andere Voraussetzungen. Je nachdem, welches Szenario Wirklichkeit wird, könnte demnach zwischen 23 000 und knapp 110 000 Menschen in der deutschen Automobilindustrie weniger benötigt werden. Hintergrund ist, dass Elektromotoren meist weniger Einzelteile als Verbrenner brauchen, sie können daher von weniger Menschen gebaut werden.

Die Studie basiert auf Produktionsdaten der Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen sowie der Zulieferer Bosch, ZF Friedrichshafen, Schaeffler, Mahle und des Verbands der Automobilindustrie. Das härteste Szenario geht dabei von einem Neuwagen-Elektroanteil von 90 Prozent im Jahr 2030 aus. Demnach würde mehr als die Hälfte der rund 210 000 Menschen, die derzeit noch Motoren und Antriebe in Deutschland bauen, ihre Arbeit verlieren. Insgesamt sind in der Branche 840 000 Beschäftigte tätig.

IG Metall warnt vor Angstmache

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann geht zwar von einem verzögerten Umbau aus, weil der Aufbau der Lade-Infrastruktur seiner Einschätzung nach nur langsam vorankommt. Hofmann erklärte, die Gewerkschaft wolle mit der Studie keine Angst schüren, aber aufrütteln, frühzeitig gegenzusteuern. Er forderte von den Firmen eine „massive Qualifizierungsoffensive“. Die Politik müsse die Unternehmen dabei unterstützen.

„Wir müssen neue Technologien in Deutschland ansiedeln“, so Hartwig Geisel, Betriebsratschef von Bosch. Er befürchtet noch „drastischere Zahlen“ bei dem Zulieferer als die in der Studie kalkulierten Effekte.

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