IC-Halt von Bondorf Umbau des Bahnhofs lässt auf sich warten

Von Günter Scheinpflug 

Die Bewohner der nahe der Bahnlinie gelegenen Häuser pochen auf Lärmschutzmaßnahmen. Diskutiert wird über  die Verlängerung des Erdwalls und  Schallschutzwände. Foto: factum/Granville
Die Bewohner der nahe der Bahnlinie gelegenen Häuser pochen auf Lärmschutzmaßnahmen. Diskutiert wird über die Verlängerung des Erdwalls und Schallschutzwände. Foto: factum/Granville

Mit den Arbeiten für den neuen IC-Halt kann im April nicht begonnen werden, weil ein Anwohner wegen des befürchteten Lärms Einspruch erhoben hat.

Bondorf - Der Ausbau des Bondorfer Bahnhofes verzögert sich. Damit können nicht wie geplant die Intercity-Züge auf der Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart und Zürich zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 dort halten. Der Grund ist nach den Angaben eines Bahnsprechers der Protest eines Bürgers, der durch den Zugverkehr

und die Umbauarbeiten mehr Lärm befürchtet: „Die Voraussetzungen für eine Plangenehmigung liegen derzeit nicht vor“, erklärte ein Sprecher des Eisenbahnbundesamts in Bonn. Seine Behörde befinde sich in Gesprächen mit der Bahn und suche nach Lösungen.

Die Bahn hatte den Nachbarn im Bereich Reuter Steig Schallschutzfenster angeboten. Einer von ihnen habe das aber nicht als wirksam genug angesehen, sagte der Bahnsprecher. In der Diskussion ist nun, ob die Bahn einen Wall verlängert oder eine Lärmschutzwand errichtet. Dafür aber reicht das bisher angestrebte, vereinfachte Planverfahren nicht aus. Es muss wohl ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren in die Wege geleitet werden, bei dem auch die Bürger angehört werden. Ein solches ist aber nicht nur zeitaufwändiger, es verursache auch Mehrkosten in Höhe einer sechsstelligen Summe, ist von der Bahn zu hören.

Beschwerlicher Gang über die Gleise

Was in Bondorf lange gedauert hat, sollte nun endlich angepackt werden. „Wir wollen den Bahnhof auf Vordermann bringen. Er ist außerdem noch nicht behindertengerecht“, sagte der Bahnsprecher. Das Kernstück der Umbauarbeiten soll eine Überführung über die Gleise 2 und 3 sein. Die Bahn plante bisher mit Investitionen in Höhe von insgesamt 8,7 Millionen Euro. Ursprünglich war eine Unterführung vorgesehen, doch lässt der Untergrund dies nicht zu.

Schon jetzt nutzen laut dem Bahnsprecher täglich rund 2300 Reisende die Züge zur S-Bahn nach Herrenberg oder die Angebote im Regionalverkehr zwischen Stuttgart und Singen. Der Bondorfer Bahnhof liegt am südlichen Zipfel des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart – und er sei schon jetzt von großer Bedeutung mit den 65 Zügen, die täglich an dem Bahnhof hielten, erklärte der Bahnsprecher. Wann die Intercitys dazukommen, ist ungewiss. Bis dahin will die Bahn die Bauarbeiten aber abgeschlossen haben. Bisher haben Rollstuhl- und Rollatorfahrer sowie Gehbehinderte Schwierigkeiten, zu den Bahnsteigen zu gelangen.

Bahnsteige sind schon uralt

Weil der Mittelbahnsteig für die Überführung zu schmal ist, muss dieser verbreitert werden. Im Zuge dessen wird das Gleis 3 verlegt. Das erkläre die beträchtlichen Kosten des Umbaus, so die Bahn. Zudem werden alle drei Bahnsteige erneuert, die im Jahr 1878 errichtet worden sind. Sie sollen eine moderne Beleuchtung erhalten sowie einen Wetterschutz für die wartenden Zuggäste. Mit den Bauarbeiten sollte in diesem April begonnen werden.

Am Bahnhofsgebäude wiederum möchte die Bahn nichts verändern. Die Gemeinde hat es im Jahr 2006 erworben und im ersten und zweiten Stock Mietwohnungen geschaffen. Im Erdgeschoss befinden sich die Wartehalle sowie eine öffentliche Toilette, wofür die Bahn Miete bezahlt. Viele Berufspendler aus den Kreisen Tübingen und Freudenstadt, die vor allem Richtung Stuttgart wollen, fahren mit dem Auto an den Bondorfer Bahnhof, weil das Zusteigen in die Gäubahn dort günstiger ist als etwa in Ergenzingen (Kreis Tübingen), eine Station davor.

Auch in Herrenberg und in Gäufelden sollen künftig die Gäubahnen halten. Weil für die Intercity-Züge keine einheitliche Einstiegshöhe erforderlich sei, müsse dort aber nichts umgebaut werden, sagte der Bahnsprecher. Der Bahnhof in Böblingen dagegen ist für 17 Millionen Euro neu gestaltet worden. Unter den Umbauarbeiten hatten vor allem Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen gelitten, weil die Aufzüge monatelang außer Betrieb waren.

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