Fellbach legt aus finanzieller Not ihr IBA’27-Engagement auf Eis. Auch in Leinfelden-Echterdingen werden Abstriche gemacht. So sehen die neuen Pläne aus.
Bezahlbarer Wohnraum in klimaneutralen Gebäuden, ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig: eine Stadt ohne Schornsteine – mit diesen Schlagworten wird das Bauprojekt KaepseLE auf der Internetseite der internationalen Baustellung IBA 27 beworben. Das Projekt war von Anfang an der Versuch, die ökonomischen und ökologischen Ansprüche an zeitgenössischen Bauen „unter einen Hut zu bekommen“, sagt Benjamin Dihm, der Erste Bürgermeister von Leinfelden-Echterdingen.
„KaepseLE“ steht für „Klimaschutz und -anpassung durch emissionsfreies Bauen, Pflanzen, Stoffkreisläufe und Energievernetzung in Leinfelden-Echterdingen“. 2027 sollte das Wohnquartier eigentlich fertig sein, doch die Goldäcker, die an die Goldäckerstraße bei Echterdingen grenzen, sind noch immer unbebaut. Mittlerweile steht auch fest, dass die Kommune dort selbst keinen Wohnraum mehr schaffen wird. Sie hat sich aufgrund der angespannten Haushaltslage als Investorin zurückgezogen. Zuletzt war es – zumindest nach außen hin – auch sehr ruhig um das Bauvorhaben geworden. Dennoch soll in dem Gebiet nun „recht zügig“, wie Oberbürgermeister Otto Ruppaner betont, eine moderne Siedlung entstehen.
„Einen genauen Baustart zu benennen ist schwierig“, räumt Bürgermeister Dihm ein. „Da noch einige Variablen – beispielsweise aufgrund der Bürgerbeteiligung – nur angedacht werden können“. Er betont aber: „Wir sind bestrebt, das Projekt schnellstmöglich umzusetzen und im Rahmen des Präsentationsjahres der IBA nächstes Jahr auch das KaepseLE vorzeigen zu dürfen.“ Die Stadt setzt dabei auf drei Investoren, die seit 2023 mit im Boot sitzen: die Weisenburger Projekt GmbH mit der Kaufmann GmbH, der Gapp Objektbau und die Strenger Gruppe. Die Stadt hatte die drei Baufelder für 910 Euro pro Quadratmeter zum Verkauf ausgeschrieben. Der Preis wurde von den Investoren akzeptiert, erklärt Dihm. Was der Stadt angesichts ihrer finanzieller Probleme nun auch zu gute kommt.
IBA-Projekt bei Echterdingen: Diese Ideen wurden zurückgestellt
Hinter den Kulissen sei in den vergangenen zwei Jahren viel gearbeitet und verhandelt worden, sagt Dihm. Mit am Tisch saßen dabei IBA-Intendant Andreas Hofer und sein Team. Denn das Projekt soll ein IBA-Projekt bleiben. Die Ansprüche an ein nachhaltiges, modernes Bauen sollen erfüllt werden – wenn auch nicht so avantgardistisch wie einst geplant. Zur Erinnerung: In Teilen des Quartiers waren zunächst noch eine Dämmung mit Strohballen und zerfaserten Altkleidern vorgesehen. Bodenplatten und Fundamente sollten aus Recycling-Beton hergestellt werden. Auf Zement sollte verzichtet werden. „Da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Projekts lange nicht klar waren, wurden diese Ideen vorerst zurückgestellt“, erklärt der Erste Bürgermeister.
Das ökologische Profil der Siedlung solle aber erhalten bleiben. Holz bleibe der dominante Baustoff in dem Gebiet. Um eine möglichst gute CO2-Bilanz zu bekommen, solle der Einsatz von Rezyklaten im Hoch- und Tiefbau geprüft werden. Jeder Investor habe etwas Innovatives und werde damit der IBA gerecht, betont der Bürgermeister.
270 Wohnungen sollen nun im Gebiet Goldäcker entstehen. Darunter 30 Prozent geförderter Wohnungsbau. Der neue Entwurf sieht eine höhere Wohndichte vor, das Grundstück wird besser ausgenützt. Die Häuser werden auch mehr Geschosse haben, als zunächst geplant. 2023 wurde noch mit 212 Wohnungen geplant. 30 Prozent sozial geförderter und 20 Prozent preisgedämpften Wohnungsbau waren damals angedacht. Der Hintergrund: Das Bauen wird immer teurer, die Finanzierungskosten und die Preise für Wohnungen steigen. In der Folge „werden die Wohnungen kleiner“, sagt Oberbürgermeister Otto Ruppaner.
Wohnen in den Goldäckern: 270 Wohnungen, zwei Hochhäuser
Drei Wohnhöfe und „damit drei Mal die Möglichkeit eine gute Nachbarschaft und eine Quartiersgemeinschaft auszubilden“ soll es geben, wie Amtsleiter Philipp Schwarz sagt. Im nördlichen Baufeld ist eine Kita geplant. Dort sollen nun auch 79 und damit alle in diesem Gebiet geplanten geförderten Wohnungen entstehen. Ursprünglich sollten diese über alle drei Baufelder verteilt werden.
Im mittleren Baufeld wird es einen kleinen Laden, ein Café, eine Bäckerei und auch einen Gemeinschaftsraum geben. Denn dort sollen 68 altersgerechte Wohnungen und damit auch Angebote für ältere Menschen entstehen. 123 frei finanzierte Wohnungen sind im südlichen Baufeld geplant, wo es neben der Quartiersgarage mit 182 Plätzen auch Fahrrad-Abstellflächen, eine Packstation, eine Fahrradwerkstatt, Car-Sharing- und Lade-Angebote für alle Anwohner im Bestands- sowie Neubauquartier geben wird. Aus Kostengründen soll es in der Garage keine Decks mit autonomen Parken geben.
In dem Quartier wird es keine preisgedämpften Wohnungen geben, das „sei nicht mehr abbildbar“, wie Ruppaner sagte. Denn diese müssten querfinanziert werden mit den frei finanzierten Wohnungen, die dann nochmals teurer werden müssten. Zwei Hochhäuser mit jeweils sieben Geschossen soll es geben. Um das Projekt wirtschaftlicher zu gestalten, werden die einst viergeschossigen Gebäuden um ein Geschoss anwachsen. Amtsleiter Philipp Schwarz sagt: „Wir werden hier nicht um Verschattungsstudien herumkommen.“
Die Fraktionen des Gemeinderates gaben in ihrer jüngsten Sitzung grünes Licht für den neuen städtebaulichen Entwurf. Die Menschen, die in den angrenzenden Gebieten leben, sollen nun zeitnah über die aktualisierten Pläne informiert werden. Dabei sollen sie auch gefragt werden, was sie sich wünschen.