Das Gebäude des ehemaligen Stuttgarter Galeria Kaufhof steht leer – nun wird die IBA’27 mit ihrer Ausstellung einziehen. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Nach einem aufwändigen Auswahlverfahren steht der Gewinner des Szenografie-Wettbewerbs für die zentrale Ausstellung der IBA’27 in der ehemaligen Galeria Kaufhof fest.

In knapp einem Jahr startet die IBA’27 in ihr Ausstellungsjahr. Nicht nur auf den IBA-Baustellen wird derzeit geackert, damit möglichst viel rechtzeitig wird, sondern auch in der ehemaligen Galeria Kaufhof an der Eberhardstraße wird Hand angelegt. Denn dort wird die zentrale Ausstellung stattfinden. Andreas Hofer, Intendant der IBA’27, beschreibt das gesamte Ausstellungskonzept folgendermaßen: „Wo etwas gebaut ist, zeigen wir es vor Ort. Und in der zentralen Ausstellung im Kaufhaus führen wir die Erkenntnisse des zehnjährigen Prozesses zusammen — mitsamt aller Projekte.“

 

Die Suche nach dem richtigen Ort für die Ausstellung war nicht einfach: Zunächst war der Hauptbahnhofs angedacht – doch der neue Bahnhof wird nicht rechtzeitig fertig. Das IBA-Team hätte sich gut vorstellen können, die heutige Bahnsteighalle des Kopfbahnhofs während des Ausstellungsjahrs zu bespielen.

Zwischennutzung des Stuttgarter Kaufhauses durch die IBA

Doch so wurde die andere Alternative zurückgegriffen: das Kaufhaus. Die Stadt hat nach dem Auszug der Galeria Kaufhof das Gebäude gekauft – was langfristig damit geschieht, steht noch nicht fest; zur Debatte stehen die Nutzung für städtische Büros oder als Haus der Kulturen. Nun steht es aber erst einmal der IBA’27 zur Zwischennutzung zur Verfügung – aktuell steht dort noch die alte Möblierung der Galeria Kaufhof herum, Kleiderstangen und Regale, schon ein bisschen vorsortiert und zusammengeschoben. Ansonsten herrscht gähnende Leere, wo einst Kleider hingen und Kunden guckten und kauften.

Fast zwei Jahre hat sich die IBA um die Ausstellung bemüht, doch das Budget dafür wurde aufgrund des Doppelhaushalts erst im Dezember 2025 vom Stuttgarter Gemeinderat bewilligt. In der Zwischenzeit bereitete das Team die Ausstellung mit Bordmitteln vor und führte Beratungsgespräche und veranstaltete Workshops mit Szenografie-Experten.

Konzepte für Ausstellungsorte im Stuttgarter Kaufhaus

Für die Auswahl wurden mehrere Architekturbüros auf eine Shortlist gesetzt. „Uns war wichtig, nicht nur mit dem Chef oder der Chefin zu sprechen, sondern mit denen, die dann auch das Projekt umsetzen“, sagt Hofer. Nach Ateliergesprächen präsentierten die Finalisten ihre Idee vor einer Jury, die zu großen Teilen aus Experten aus dem IBA-Team bestand. Die Kernaufgabe bestand in der Szenografie für das Kaufhaus, optional waren Konzepte für verschiedene Ausstellungsorte sowie die Fassadengestaltung.

Eine zentrale Frage im Auswahlprozess war der Umgang mit den zwei nicht intern verbundenen Ebenen des Gebäudes. Besucher müssen nach derzeitigen Plänen außen um das Gebäude herumlaufen, um zwischen den Ausstellungsebenen zu wechseln. „Wir versuchen das zu inszenieren und es hat auch eine Qualität, wenn man den Stadtraum zwischen den Ausstellungsteilen erlebt“, sagt Hofer. Eine interne Verbindung wäre wünschenswert, übersteige aber wahrscheinlich das Budget der Stadt.

Die Regale und Einrichtungsgegenstände des Stuttgarter Kaufhauses sollen teilweise für die Ausstellung wiederverwendet werden. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Alte Regale aus dem Kaufhaus werden wieder verwendet

Zwei Teams reagierten darauf mit Konzepten für nur ein Geschoss – doch das hätte zu starke Einschränkungen bedeutet. „Wir haben den Anspruch, nach fast zehn Jahren wirklich jedes Projekt zu präsentieren“, sagt Hofer. Mit teils großen Modellen und unterschiedlichen Vermittlungsebenen brauche man den Platz beider Geschosse.

Das Siegerteam von Holzer Kobler Architekturen mit Sitz in Zürich, Berlin, Köln und Nyon überzeugte mit einem Konzept, das die rund 40 IBA-Projekte in vier Themenbereiche gliedert: Fabrik, Natur, Küche und Gemeinschaft. Statt einer einheitlichen Ausstellungsarchitektur soll jedes Thema eine eigene Atmosphäre und Materialisierung erhalten.

Unter „Fabrik“ geht es um Produktion, „Natur“ thematisiert den geografischen Raum und den Klimawandel, „Küche“ umfasst den Raum für Diskurs, Gestaltung und natürlich das Thema Wohnen. „Gemeinschaft“ widmet sich dem Zusammenleben, neuen Wohnformen und dem Beitrag von Kommunen, Kirchen und Genossenschaften zur Transformation.

Der Basisumbau soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein

Ein besonderes Feature des Siegerkonzepts ist die teilweise Wiederverwendung der noch im Kaufhaus vorhandenen Regale und Einrichtungsgegenstände. „Das ist sehr ressourcenschonend“, sagt Hofer. Bereits jetzt sind die Elemente nach Größen und Art sortiert worden.

Aktuell laufen die technischen Vorbereitungen für den Grundausbau. Deckenpaneele wurden bereits ausgebaut, um die Gebäudesubstanz zu prüfen. Der Basisumbau – Brandschutz, Haustechnik, Sanitäranlagen, Wasseranschlüsse – soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Als erste sichtbare Maßnahme entsteht an den Schaufenstern zur Breite Straße eine Inszenierung in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Agentur L2M3.