Automobilmesse in Frankfurt: So wie hier im Jahr 2015 präsentierten sich die Automobilhersteller viele Jahre, doch 2019 im Zeichen des Klimawandels rief das Protest hervor. Foto: dpa/Boris Roessler

Nicht nur der Bund für Umwelt und Naturschutz stört sich an der Idee, die IAA in die Landeshauptstadt zu holen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Stuttgarter OB Fritz Kuhn bekommen auch Widerspruch aus ihrer Partei.

Stuttgart - Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Stuttgarter OB Fritz Kuhn (beide Grüne) versuchen nach Kräften, die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) nach Stuttgart zu holen – doch jetzt gibt es starken Gegenwind, sogar aus der eigenen Parteiorganisation.

Die Grüne Jugend Stuttgart nannte Kuhns Engagement jetzt „peinlich“ und beschloss, das Vorhaben des Oberbürgermeisters nicht zu unterstützen. Als Kuhn einen Aktionsplan für mehr Klimaschutz vorschlug und durch den Gemeinderat brachte, habe er einen „ersten Schritt in die richtige Richtung getan“, nun gehe er wieder einen Schritt zurück, indem er „diesen museumsreifen Automobilkonzernen eine solche Bühne bieten will“. Nötig sei eine sozial gerechte und schnelle Verkehrswende, weg vom Auto. Wer mit diesem Ziel vor Augen nun eine Automobilmesse wie die IAA veranstalten wolle, agiere „nicht nachhaltig und grün“.

Brigitte Dahlbender vermisst Konzept für Neuausrichtung

Auf Distanz zu dem Plan ging auch die Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Brigitte Dahlbender. Hintergrund: Der Verband der Automobilindustrie (VDA) will die IAA, wie er selbst erklärte, zwar zur Mobilitätsplattform machen, allerdings sollen das Auto sowie die „nachhaltige individuelle Mobilität“ weiterhin eine tragende Rolle spielen. Dahlbender rechnet daher nicht mit einer grundsätzlichen Abkehr vom Konzept einer „Messe für Spritschlucker und überüberdimensionierte Pseudo-Geländewagen“. Ein klares Konzept für die Neuausrichtung fehle. „Der groß angekündigte Event-Charakter einer neuen IAA lässt eher befürchten, dass spektakuläre Events und Mitmach-Aktionen das Publikum begeistern und bei Laune halten und darüber hinwegtäuschen sollen, dass im täglichen Geschäft Business as usual mit nicht zeitgemäßen Riesenwagen betrieben wird“, so Dahlbender.

Vergangene Woche hatte Kuhn mit einer Delegation dem VDA in Berlin Vorschläge für die IAA in Stuttgart gemacht. Sechs andere Großstädte bewarben sich auch.

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