StuttgarterHymnus-Chorknaben mit Solisten im März dieses Jahres in der Stiftskirche Foto: Farnung

Stuttgarter Hymnus-Chorknaben mit Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“ am Palmsonntag in der Stiftskirche

Stuttgart - Direkt vor dem gekreuzigten Jesus streiten sich die Soldaten: Sollen seine Kleider zerteilt werden, oder soll das Los entscheiden, wer sie als Trophäe behalten darf? Das ist eine sehr ergreifende Szene in der „Johannes-Passion“ von Johann Sebastian Bach, die reich ist an dramatischen Momenten, in denen existenzielle Nöte und Entscheidungen geschildert werden.

Die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben kennen sich darin aus, die „Johannes-Passion“ ist eines der zentralen Werke im Jahreskreis dieses Ensembles. Jetzt führen sie es wieder auf am Sonntag, 14. April, um 18 Uhr in der Stiftskirche unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Rainer Johannes Homburg mit Solisten und der Handel’s Company, den Spezialisten für historische Aufführungspraxis.

Der große Chor mit 100 Jungs

„Da treten wir immer in ganz großer Besetzung mit unserem Konzertchor auf. Das sind etwa 100 Jungs“, so der Hymnus-Geschäftsführer Emanuel Scobel. Künstlerisch bleibt dies eine besondere Herausforderung. Scobel: „Die Älteren haben das wohl schon das eine oder andere Mal gesungen. Vor ­allem jene, die an unserer Einspielung der ‚Johannes-Passion‘ vor drei Jahren auf CD beteiligt waren. Da gibt es ja immer eine ganz besondere Konzentration auf das Werk, das kann jetzt in der Kirche umgesetzt werden. Und für die Jüngeren ist es eine große Aufgabe, da mitmachen zu können.“

In der Dramatik beispiellos

Homburgs Gedanken beginnen bei dem 39-jährigen Bach, der 1724 in seinem zweiten Jahr Thomaskantor in Leipzig ist: „Die Arbeit mit den noch jungen Musikern mag sich neu und ungewohnt angefühlt haben. Sie können so viel, aber man muss ihnen ­alles im Detail beibringen. Also schreibt er ihnen ein großes Stück, eine große Passion, in ihrer Dramatik und Opernhaftigkeit beispiellos“, so Homburg im Programmheft. „In ihren Details ist die Musik so einleuchtend, dass Knaben sie bis heute mit Begeisterung singen: Ganz unmittelbar, ohne theoretischen Vortrag über die Bedeutung des Kunstwerks.“ Um die Dramatik zu unterstreichen, fügt Homburg den Instrumentalisten noch ein Kontrafagott hinzu. Das unterstützt markant die Basspartien, betont noch mehr die Dramatik des Werks. Da entspricht er den ursprünglichen Intentionen des Komponisten.

Scobel unterstreicht dies mit Eindrücken aus der Probenarbeit: „Die Kontraste faszinieren die Jungs immer aufs Neue. Da gibt es so viel Lebendigkeit und Aufruhr, etwa in den Chören und Chorälen. Und dann gleich darauf die Arien der Solisten zum Innehalten und Reflektieren.“ Dazu noch Homburg: „Ein aufwühlendes, meditatives, zugleich infrage stellendes wie inspirierendes Stück biblisch gegründeter kirchlicher Kunst.“

Neu in der Solistenriege neben Corinna Gönner (Sopran), Lena Sutor-Wernich (Alt), Christoph Schweizer und Padraic Rowan (Bass) ist der Tenor Martin Pätzold aus der Leipziger Thomanerschule.

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