Der Schwenninger Alexander Weiß (li.) freut sich auf die DEL-Saison – vor gefüllten Zuschauerrängen wie in der vergangenen Saison in Nürnberg. Foto: imago/Thomas Hahn

Am 13. November soll die Eishockey-Saison starten, doch noch wissen die Clubs nicht, wie viele Fans in die Arenen dürfen – und das stellt nicht nur Sportdirektor Christof Kreutzer von den Wild Wings Schwenningen vor einige Probleme.

Villingen-Schwenningen - Sie war ein Schock, die Nachricht, dass auch bei Sportveranstaltungen bis zum 31. Oktober maximal 500 Zuschauer erlaubt sind. Doch in eine Schockstarre sind die Wild Wings in Schwenningen nicht gefallen. „Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet und unser Hygienekonzept überarbeitet“, sagt Christof Kreutzer. Am Freitag präsentierte der Club das Ergebnis bei Landrat Sven Hinterseh. Der Sportdirektor hofft, dass der Saisonstart der DEL am 13. November gehalten werden kann, deshalb sei es nötig, „aktiv zu werden und nicht nur die Entscheidungen der Politik abzuwarten“. Für die umgebaute Helios-Arena wurde das alte Hygienekonzept verfeinert, um möglichen Zuschauern größtmögliche Sicherheit zu geben, dazu kommen personalisierte Tickets und ein durchdachtes Wegesystem. „Ein Stadionbesuch“, betont Kreutzer, „ist aus Corona-Sicht weniger riskant als ein Einkauf im Supermarkt. Davon bin ich überzeugt.“

Alle 14 Clubs aus der DEL feilen an ihrem Stadionkonzept, denn ohne eine bestimmte Auslastung der Arenen wäre der Spielbetrieb ein riskantes Unterfangen. Als würde ein Torhüter ohne Schutzausrüstung aufs Eis fahren – bei zu geringen Einnahmen könnte das dünne Eis brechen und die Vereine versinken im See der Insolvenz.

Oberstes Gebot: Die schwarze Null muss stehen

Auch die Schwenninger Wild Wings benötigen in der Helios-Arena (5250 Plätze) eine gewisse Auslastung, bei welchem Prozentsatz sie liegt, mag Sportdirektor Kreutzer nicht beziffern. Es stört ihn auch nicht, dass andere Clubs wie die Adler Mannheim, die Kölner Haie oder die Eisbären Berlin Spielstätten mit weit über 10 000 Plätzen haben und selbst bei geringerer Auslastung in absoluten Zahlen mehr Fans in die Hallen bekommen. „Jeder Club hat eine andere Kalkulation“, sagt der 53-Jährige, „Fakt ist deshalb auch, dass uns mit 3000 Zuschauern mehr geholfen ist als beispielsweise den Kölnern.“ Eines ist oberstes Gebot für alle: In der Bilanz sollte zumindest eine schwarze Null stehen.

Doch die Ticketeinnahmen sind nicht alles für einen Eishockey-Verein, eine maßgebliche Komponente zwar, aber eben nicht die ganze Wahrheit. Die liegt bekanntlich auf dem Eis. Kader-Architekt Kreutzer muss in Corona-Zeiten in Schwenningen wesentlich profaner bauen, ohne Schnörkel, vor allem aber massiv und standfest – doch das ist verzwickt, wenn der Baumeister nicht genau weiß, wie viel Geld er ausgeben darf. Es ist eine Sisyphos-Arbeit – Markt sichten, verhandeln, Zahlen prüfen, neu verhandeln und entweder verpflichten oder auf Wiedersehen sagen. Danach beginnt das Spiel von Neuem, unter Zeitdruck, denn die anderen Sportdirektoren an den DEL-Standorten sind ebenfalls auf der Jagd. Und: Kreutzer darf kein Geld ausgeben, das der Club noch nicht hat. Bislang stehen lediglich sechs Verteidiger und 13 Stürmer im Stall der Wild Wings.

Die Abstiegsfrage treibt die DEL-Clubs um

Das ist zu dünn für die DEL. Denn der Spielplan ist diese Saison gedrängt – es geht so eng zu wie einst bei den Schnäppchenjägern vorm Wühltisch im Sommerschlussverkauf. Statt im Freitag-Sonntag-Modus wird die DEL im Freitag-Sonntag-Dienstag-Modus funktionieren, drei Partien pro Woche, damit die Hauptrunde nicht bis in den Sommer 2021 reicht. „Das geht an die Substanz“, sagt Kreutzer, der als Verteidiger fünfmal mit der Düsseldorfer EG deutscher Meister war, „deshalb benötigen wir einen breiteren Kader.“ Ein Stürmer und ein Verteidiger sollen noch geholt werden. Denn in dieser Saison greift die von den Zweitligisten lange geforderte Verzahnung, soll heißen: Es wird einen Absteiger geben. Die Wild Wings waren in den vergangenen vier Jahren dreimal Liga-Schlusslicht. In der unkalkulierbaren Corona-Saison, gibt es keinen Sicherheitsgurt mehr in der DEL, die einen Club in der Liga hält, auch wenn es einen heftigen Crash gab. Ausgerechnet jetzt. Glücklich ist Christof Kreutzer darüber nicht, vielleicht, meint der Sportdirektor, könne man darüber nachdenken, doch die Aussetzung der Abstiegsregel wollen die Wild Wings keinesfalls fordern. „Aber natürlich treibt diese Frage viele Clubs um“, sagt der gebürtige Krefelder, der Jürgen Rumrich am 1. Mai als Sportdirektor beerbt hat.

Am 13. November soll das Eis brennen in der DEL – vor Zuschauern. Ohne Fans in den Arenen wäre die DEL (wohl) tot, selbst die angekündigten staatlichen Zuschüsse von bis zu 800 000 Euro würden den Clubs nicht helfen. Zu wenig zum Leben, zu viel zu Sterben. Christof Kreutzer bringt es auf den Punkt: „Ohne Fans können wir uns die DEL nicht leisten.“ Nicht nur in Schwenningen.

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