Jeder fünfte Deutsche hat ein Tattoo. Foto: dpa

Praktisch jeder kann Tätowierer werden. Man braucht nur einen Gewerbeschein. Tattooverbände und CDU/CSU wollen das nun ändern – und Mindeststandards für den Zugang zum Beruf festlegen.

Berlin - Tätowierer zu werden ist nicht schwer und auch nicht teuer. Ein Gewerbeschein genügt, er kostet in Deutschland meist deutlich weniger als 100 Euro, in Stuttgart etwa 52,50 Euro. Fachkenntnisse oder eine Ausbildung will dafür niemand sehen. Und das bei einer Arbeit, die so tief in die Haut und somit unter Umständen auch die Gesundheit ihrer Kunden eingreift.

Bundesweit bis zu 7000 Studios

Dass jeder ein Tattoostudio eröffnen kann, halten selbst Vertreter der Tätowierer in Deutschland für falsch. „Es fehlt mitunter an fundiertem Wissen“, sagt Maik Frey vom Verband Deutsche Organisierte Tätowierer. Gerade wegen des anhaltenden Tattoobooms sei das problematisch. „Als ich vor 30 Jahren angefangen habe, war ich Nummer 27 – deutschlandweit“, sagt Frey, der in Esslingen ein Studio betreibt.

Heute, schätzen die Verbände, gebe es rund 7000 Studios, möglicherweise auch mehr. Einer Studie der Universität Leipzig zufolge istjeder fünfte Deutsche tätowiert. Vor allem junge Frauen gehen häufig ins Tattoostudio: Bei den 25- bis 34-Jährigen Frauen hat demnach jede zweite ein Tattoo. Und laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung würden sich mehr als die Hälfte der Tätowierten ein weiteres stechen lassen.

Gefahr von Kontamination

„Uns geht es vor allem um die Hygiene“, sagt Maik Frey. Das Hauptanliegen der Tattooverbände ist der Nachweis einer Hygieneschulung für Tätowierer. Die solle im Idealfall mit einer Art Prüfung bestanden werden. Darin würde es beispielsweise um die Gefahren von Kontamination mit Viren und Bakterien gehen oder um richtiges Desinfizieren.

Außerdem können sich die Verbände vorstellen, dass sich Tätowierer regelmäßigen Gesundheitschecks unterziehen und sich gegen Hepatitis C impfen müssen. Aber auch Wissen um Erste Hilfe oder rechtliche Fragen halten sie für denkbar.

Neue DIN-Norm für Tätowierer

Inzwischen haben sich die drei großen Tattooverbände an die Politik gewandt, um verbindliche Voraussetzungen zu erreichen. Als ersten Schritt haben sie eine DIN-Norm entwickelt, die die Arbeit im Tattoostudio regelt. Sie könnte später in die Hygieneverordnungen der Länder einfließen.

Im Bundestag sind die Verbände zudem in Kontakt mit der CDU-Abgeordneten Gitta Connemann, die in der Fraktion für gesundheitlichen Verbraucherschutz verantwortlich ist. „Wir brauchen dringend Mindeststandards für Hygiene, Beratung und Arbeitssicherheit“, sagt Connemann.

Keine Duale Ausbildung

Seit Herbst haben sich die Tattooverbände zweimal mit Connemann getroffen, um über Zugangsregeln zum Beruf zu sprechen. Eine Duale Ausbildung zu etablieren dauert allen zu lange. „Verbraucher und Tätowierer brauchen jetzt eine Lösung für sichere Tattoos“, sagt Connemann.

Eine rein schulische Ausbildung führe dagegen zu einem föderalen Flickenteppich. „Wir können uns nicht vorstellen, dass jemand das Tätowieren in einer Schule lernt“, sagt Maik Frey. Man lerne es am besten in der Praxis in einem Tattoostudio.

Regeln für Studiobetreiber

Stattdessen sucht Connemann nun das Gespräch mit den Bundesministerien für Gesundheit und für Verbraucherschutz. Anschließend sollen gemeinsam mit den Verbänden die gesetzlichen Voraussetzungen für das Betreiben eines Tattoostudios erarbeitet werden – etwa die Hygieneschulung als Sachkundenachweis. Die Regeln sollen ausdrücklich auch für Studiobetreiber gelten, selbst wenn sie keine Tätowierer sind. Welche Stelle den Nachweis abnehmen soll, ist noch unklar.

Gegen den Vorwurf, im Grunde lediglich den Wettbewerb der Tattoostudios drosseln zu wollen, wehren sich die Verbände. „Wir wollen weder künstlerische Vorgaben machen noch wollen wir in die Gewerbefreiheit eingreifen“, erklärt Maik Frey. Es gehe um Mindestanforderungen, zu denen eben vor allem die Hygiene zähle.

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