Donald Trump wirft Hurrikanopfern in Puerto Rico 2017 eine Küchenrolle zu. Foto: AP/dpa/ Evan Vucci

Das Beispiel von George W. Bush nach Katrina zeigt das Risiko von Naturkatastrophen für das Image von US-Präsidenten. Auch Donald Trump hat hier schon versagt.

Das Foto war ein Wendepunkt für eine ganze Präsidentschaft: George W. Bush im bequemen Sitz der Präsidentenmaschine, wie er durch das Flugzeugfenster von oben herab auf das Hurrikan-Desaster in New Orleans herunterblickt, das 2005 der Sturm Katrina hinterlassen hatte. „Dieses Foto von mir, wie ich über der Verwüstung schwebte, hat suggeriert, dass ich mich vom Leiden auf dem Boden abschottete“, schrieb Bush in seinen Memoiren: „Nachdem ich einmal diesen Eindruck vermittelt hatte, konnte ich ihn nie mehr ändern.“ US-Präsident Joe Biden und seine potenzielle Nachfolgerin Kamala Harris sind sich in der Endphase des US-Wahlkampfes des Risikos bewusst, dass die aktuellen Stürme auch für sie zum Desaster werden könnten. Donald Trump diffamiert sie bereits mit einer Lügenkampagne zu den Rettungsaktionen. Womit er im übrigen die politische Sitte ignoriert, Katastrophen im Wahlkampf nicht auszuschlachten. Auch Floridas republikanischer Gouverneur Ron De Santis hat gezielt einen Anruf von Harris nicht entgegengenommen, um ihr keine Chance zu geben, sich als Retterin zu profilieren.

 

Katastrophe als Instrument der Parteipolitik

Bei Naturkatastrophen zeigt sich nämlich ein Paradox der US-Politik. Während sonst der Staat oft ein mieses Image hat und Donald Trump als Präsident den Etat der für die Hurrikanüberwachung zuständigen staatlichen Wetterbehörde NOAA massiv zusammengestrichen hat, sind die Erwartungen im Katastrophenfall riesig.

Bush blieb 2005 auf seiner Ranch in Texas trotz Katrina tagelang im Urlaub. Biden hat hingegen sofort seine Teilnahme am wichtigen Ukraine-Treffen in Ramstein abgesagt. Noch ist er nicht ins Katastrophengebiet gereist. Aber die PR-Strategen im Weißen Haus machen sich über den besten Moment dafür sicher Gedanken. Dass aber ein solcher Auftritt gewaltig nach hinten losgehen kann, hat ausgerechnet Donald Trump demonstriert.

Trumps peinlicher Auftritt in Puerto Rico

Nach einem schweren Hurrikan in Puerto Rico sorgte Trump 2017 für peinliche Bilder. Er warf bei seinem Auftritt als Präsident amüsiert Papiertücher in die Menge. Sechs Rollen in zwanzig Sekunden zählten Reporter damals. „Sein fehlendes Verständnis, um was es in diesem Moment ging, ließ ihn das wie ein Wahlkampfevent sehen“, sagte zum ersten Jahrestag des Sturms der ehemalige Chef des US-Katastrophenschutzes, Mark Merritt, der „Washington Post“. Jose Andres, ein Star-Koch aus Puerto Rico, der den Opfern half, zeigte sich damals erschüttert: „Du wirfst das nicht. Du gibst es den Leuten.“

Doch Trump ließ im Gegensatz zu George W. Bush jegliche Kritik an sich abprallen: „Die hatten diese wunderschönen, weichen Tücher. Sehr gute Tücher“, sagte er später in einem Interview mit einem ihm gewogenen, christlichen Radiosender: „Ich hatte Spaß – und sie hatten Spaß.“ Die Schlussbilanz des Sturms damals für Puerto Rico, einschließlich Folgeopfern: 2975 Tote.