Die Anmeldungen für die Mai-Schau der Landesgruppe Baden-Württemberg im Deutschen Club für Leonberger Hunde haben sich im Vergleich zu 2023 mehr als halbiert. Das bereitet den Veranstaltern Sorgen.
Es sind jedes Mal Liebesgeschichten, die so beginnen: „Es war Liebe auf den ersten Blick“. Das sagt Marion Wachinger aus Leonberg, die gerade Bopfinger Schorschi Löwe aus Leonberg zärtlich, aber entschieden die Haare bürstet. Auch Peerada Gutersohn aus der Schweiz, die zusammen mit Bounty-Briana von den Bachtalen auf ihren ersten großen Auftritt wartet, kann dem nur zustimmen. Und die Geschichten enden alle damit: „Wer einmal einen Leonberger Hund hatte, der will keinen anderen Hund!“
Wer bei der 29. Mai-Schau die Harmonie sieht, die auf dem Gelände des Deutschen Clubs für Leonberger Hunde (DCLH) in der Eltinger Bettelmannsreute zwischen den Menschen und ihren Vierbeinern herrscht und auch zwischen den „Löwen“ beider Geschlechter selbst, dann kann man Steffi Kaiser aus Ulm verstehen, die auf die Frage, warum sie zwei Leonberger hat, wie aus der Pistole geschossen mit einer Gegenfrage antwortet: „Warum keine Leonberger?“
Kein Gebell und kein An-der-Leine-Reißen
Obwohl sich auf dem Gelände 50 Hunde im Alter ab acht Wochen neben verspielten „Jugendlichen“ und Hündinnen und Rüden im besten Alter bis hin zu ergrauten ehrwürdigen Veteranen aufhalten, ist kein Gebelle zu hören und kein rivalisierendes Zähnefletschen zu sehen. Auch über unnötiges An-der-Leine-Reißen sind die majestätischen Hunde erhaben. Das würde nicht nur so zierliche Personen wie die in Thailand geborene Peerada Gutersohn, deren 14 Monate alte Bounty-Briana inzwischen mehr wiegt als sie, in erhebliche Schwierigkeiten bringen, sondern auch eine Herausforderung für den knapp zwei Meter großen Leonberger-Züchter Ralph Kaisser sein. Der ist als zweiter Vorsitzender der DCLH-Landesgruppe Baden-Württemberg zusammen mit Ausstellungsleiter Julian Pflugmacher für den guten Verlauf der Veranstaltung verantwortlich.
Zweifellos sind Leonberger mit einer Widerristhöhe von bis zu 80 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 75 Kilogramm bei Rüden sehr imposante Wegbegleiter. Hündinnen sind mit einer Höhe zwischen 65 und 75 Zentimetern und einem Gewicht von 60 Kilogramm nicht weniger beeindruckend. Diese Muskelpakete sind letztlich aber wegen ihres gutmütigen und freundlichen Wesens zu geschätzten Begleitern geworden. Trotz ihrer Intelligenz und ihrem ausgeprägten Selbstbewusstsein bringen Leonberger von Anfang an eine große Bereitschaft mit, sich den Menschen unterzuordnen.
Mitglieder der Landesgruppe Bayern sind am Start
Steffi und Lukas Kaiser strahlen übers ganze Gesicht. Chewbacca Löwe von der Napoleonshöhe hat von Richter Guido Perosino aus Italien gerade den ersten Preis in der Jüngstenklasse bei den Rüden bekommen. Mit seinen acht Monaten ist er nur unwesentlich kleiner als sein dreijähriger Bruder „Boba fett“. Die Kaisers, die Mitglied in der Landesgruppe Bayern sind, hatten ihren ersten Leonberger von der Züchterin Marianne Wolf aus Weil der Stadt. „Wir wollten einen großen Hund, der vom Wesen zu uns passt und kein Problem damit hat, uns auch mal in einen Biergarten zu begleiten“, sagt Steffi Kaiser. So sei man auf den Leonberger gekommen.
„Als wir den Welpen in Weil der Stadt das erste Mal gesehen haben, haben wir uns beide in ihn verliebt und es stand fest, dass es ein Leonberger sein muss und so kam der Wookiee zu uns“, schildert die Ulmerin. Welches das zweite Hobby der Familie ist, verraten nicht nur die Namen ihrer Vierbeiner, denn in der Freundesclique sind Lukas „Luke Skywalker“ und Steffi „Jabba the Hutt“ – es geht um die „Star Wars“-Saga.
Rasse-Vierbeiner von einem Käufer wegen falscher Haltung zurückgefordert
„Wenn man sich auf den Leonberger einlässt, ist er unkompliziert zu halten, obwohl er ein selbst denkender Hund ist, der nicht auf Knopfdruck funktioniert“, beschreibt Steffi Kaiser ihre Erfahrungen. Im Zusammenleben mit Kindern sei er wie ein großer Bruder und er freue sich über einen Garten, den es zu beschützen gelte. „Nach dem guten Abschneiden von Chewbacca könnten wir uns in Zukunft auch eine Beteiligung an der Zucht vorstellen“, meint Lukas Kaiser. „Aber es gibt auch Ambitioniertere in dieser Richtung auf dem Platz“, hat er festgestellt.
„Junger Leonberger Hund aus zweiter Hand zu vergeben.“ Diese Anzeige 1996 habe seinen Schwiegervater dazu bewogen, sich einen Rasse-Vierbeiner anzusehen, den sein Züchter von einem Käufer wegen falscher Haltung zurückgefordert hatte, erinnert sich Horst Certa aus Betzigau im Oberallgäu. „Nie davor hatten wir einen Leonberger zu Gesicht bekommen und es war für die gesamte Familie Liebe auf den ersten Blick“, sagt er im Rückblick. Nachdem die Kinder größer wurden und auch ein neues großes Auto angeschafft war, fiel 2001 der Entschluss, sich einen eigenen Leonberger zuzulegen. Heute hat Horst Certa vier Hündinnen und von einer hat er den Welpen Kimba-Herbie Leo vom Illertal dem Richter in Leonberg vorgeführt – mit gutem Ergebnis.
Der erste Leonberger Hund erblickte 1846 das Licht der Welt
„Wer einen besonderen Hund will, dem ist ein Leonberger nur zu empfehlen, und das meine ich nicht nur, weil ich ein Züchter bin“, sagt Horst Certa. Leonberger eigneten sich zwar auch für Hundeanfänger, was aber nicht heißen solle, dass man völlig unwissend ans Werk gehen sollte. Vorher sollte man sich mit der Pflege, Haltung und Erziehung dieses Rassehundes vertraut machen. Der erste Leonberger Hund erblickte 1846 das Licht der Welt. Die großen Hunde wurden von Leonberg aus bald als Statussymbol in die ganze Welt verkauft und nahmen Einzug auch in königliche und kaiserliche Paläste. Leonberger waren seinerzeit sowohl als Wachhunde für die „feine Gesellschaft“ als auch als Bauern- und Zughunde beliebt.
„Der Aufwand sollte nicht unterschätzt werden und ich kann nur jede und jeden loben, die oder der diesen auf sich nehmen, dafür entschädigt einen dieser besondere Hund aber auch mannigfach“, sagt Rita Pleibel, die Vorsitzende der DCLH-Landesgruppe. Wie ihr Stellvertreter Ralph Kaisser ist sie besorgt über die aktuelle Entwicklung. Nicht nur in Leonberg, sondern auch international zeichnet sich die Tendenz ab, dass immer weniger Halterinnen und Halter ihre Vierbeiner zu einer Ausstellung anmelden.
Wenn weniger Aussteller kommen, fehlen die Einnahmen
Zwar haben an der jüngsten Mai-Schau in Leonberg nicht nur Hunde aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz, der Ukraine, den Niederlanden und aus Ungarn teilgenommen. Waren es aber 2023 noch 117, kamen aktuell lediglich 50 Vierbeiner.
„Die Anmeldungen nehmen stark ab, denn es sind immer mehr Auflagen zu beachten, die ganz schön ins Geld gehen“, weiß Rita Pleibel. Es werde gespart und meist nur an Ausstellungen vor der Haustüre teilgenommen, weil auch Anfahrt und Übernachtung – wenn Unterkünfte so große Hunde überhaupt akzeptieren –, richtig teuer geworden seien. Das Ausbleiben der Aussteller entwickelt sich zu einem finanziellen Problem für die Landesgruppen, da wichtige Einnahmen wegbrechen.
Die gesundheitlichen Probleme werden nach und nach weggezüchtet
„Zudem haben große Hunde zu Unrecht gerade kein gutes Image“, bedauert Rita Pleibel. „Schon lange arbeiten wir darauf hin und schreiben Untersuchungen vor, die die gesundheitlichen Probleme, die typisch für große Hunderassen waren, erst gar nicht aufkommen lassen“, sagt die erfahrene Züchterin. Früher häufig, habe man heute kaum noch die typischen Probleme mit den Hüften, die auch für Deutsche Schäferhunde charakteristisch sind. „Unser Ziel ist die Langlebigkeit und darum sind wir auch stolz, dass so viele Hunde-Veteranen in Leonberg angemeldet waren“, ist Rita Pleibel zufrieden.
Derweil muss sich Ralph Kaisser um unerwartete Gäste kümmern. Die Freiwillige Feuerwehr Leonberg ist gerade mit sechs Feuerwehrleuten aus der Partnerstadt Rovinj angerückt. Die Gäste aus dem kroatischen Istrien wollten vor der Abreise am Sonntagnachmittag endlich auch das Leonberger Wappentier live erleben. „Kaum zu glauben, dass die zum Teil noch größer sind, als der schwarze Leonberger, der bei uns steht“, ist einer der Gäste beeindruckt. Damit meinte er die Plastik des Künstlers Ottmar Hörl, der im Juni 2019 den historischen Marktplatz mit 100 schwarzen, lebensgroßen Hundeskulpturen eines imposanten Leonberger Rüdens bevölkert hatte und von denen die Stadtverwaltung eine Rovinj geschenkt hat.